"Hier durfte jeder so sein, wie er ist"

Der Weg zum guten Schlaf: Bettenhaus Köhler ist ein Ort voller Geschichten

Im Bettenhaus Köhler: Ein Bild aus vergangenen Tagen. Sohn Jochen sitzt im Bett und liest einer Deko-Puppe etwas vor.
Foto: Bettenhaus Köhler

21.03.2026 / FULDA - "Unsere Kinder sind zwischen den Regalen und Betten groß geworden. Unsere Mitarbeiterinnen waren die besten Kindermädchen, die man sich vorstellen konnte." Mit diesen Worten beginnt Irmgard Köhler, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Während sie spricht, hängen im Verkaufsraum bereits rote Plakate mit der Aufschrift "Räumungsverkauf". Vier Generationen haben das Bettenhaus Köhler in der Fuldaer Löherstraße geprägt - nun steht das Ende einer Ära bevor.



Der Traditionsstandort mit einer über 160-jährigen Geschichte macht Platz für Neues (O|N berichtete). Ab Mai bringt die "L14zwo" frischen Wind in die Räumlichkeiten. "Das passt wunderbar hierher. Wir freuen uns über junge Menschen. Die Löherstraße wird dadurch sicherlich profitieren", erklärt die 76-Jährige. Krankheitsbedingt konnte ihr Mann Franz Köhler (78) nicht zum OSTHESSEN|NEWS-Interview erscheinen. Über Jahrzehnte haben sie das Familienunternehmen gemeinsam geführt.

Familienbetrieb mit tiefen Wurzeln

Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1862. Es entstand zunächst eine Färberei in der Löherstraße - zu dem Zeitpunkt als Zunftstraße der Lohgerber und Färber bekannt. Mit der industriellen Fertigung wandelte sich das Geschäft: Erst reine Stoffe, später kamen die ersten Fertigwaren wie Hemden, Unterwäsche und Schürzen dazu. "Jeder, der die Firma übernahm, hat sich dem Zeitgeist angepasst", so Köhler.

Fokus auf den guten Schlaf

Vor 50 Jahren übernahmen Irmgard und Franz Köhler das Geschäft. "Damals war es im Grunde ein kleines Kaufhaus", erinnert sie sich. Bettwaren, Matratzen, fertige Lattenroste - das Sortiment wuchs, und mit ihm die Spezialisierung. "Das körpergerechte, orthopädisch richtige Liegen war die Zukunft. Also haben wir uns zu einem Fachgeschäft für guten Schlaf entwickelt", stellt die gelernte Kauffrau mit unüberhörbar kölschen Wurzeln heraus.

Diese Expertise haben auch die Kundinnen und Kunden über die Jahre zu schätzen gewusst. Insgesamt stand eine Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern - verteilt auf zwei Etagen - zur Verfügung. Vier Mitarbeiterinnen unterstützten das Inhaberpaar tatkräftig. "Viele Kunden sind oftmals ohne richtige Vorstellungen gekommen. Jedoch hängt die Wahl der richtigen Matratze vom Körper und den gesundheitlichen Aspekten ab." Für die Fachfrau gilt ganz klar: "Wir hören erstmal zu, was genau der Kunde möchte - darauf bauen wir auf. Hier darf jeder so sein, wie er ist."

Fastnachtsbegeistert durch und durch

Das Bettenhaus war mehr als nur ein gewöhnliches Geschäft. Während der Vorweihnachtszeit sorgten Leseabende für lauschige Atmosphäre. Mehrfach gab es Vernissagen und Mitmachaktionen in Kooperation mit der Kunststation Kleinsassen. Und dann war da noch die fünfte Jahreszeit: In der Familie Köhler schlägt das Herz für den Karneval. 1988 regierte Franz Köhler als FKG-Prinz Franz vom Daunenreich der 47. von Fulda. In der Kampagne 2013/14 übernahm Sohn Jochen das Zepter. Sein Bruder Michael schlüpfte in der Kampagne 2018/2019 in die Rolle des Westendmarshall Michael XXV. vom Daunenreich. "Wir fühlen uns der Foaset sehr verbunden. Unser Bettenhaus wurde von den Karnevalisten stets erobert. Es ist eine Tradition, die wir vermissen werden."

"Langweile kennen wir nicht"

Auch nach der Schließung wird es dem Ehepaar nicht langweilig werden. Franz Köhler engagiert sich weiterhin beim Verein der Via Regia. Irmgard Köhler widmet sich ihrem Herzensprojekt: der Chronik der Löherstraße. "Wir waren schon immer geschichtsbewusst", sagt sie schmunzelnd. Für jedes Haus führt sie einen eigenen Aktenordner - mit Baujahr, Besitzern und Veränderungen.

Verdienter Ruhestand steht bevor

Erst wenn der Räumungsverkauf Ende März abgeschlossen ist, wollen sie zur Ruhe kommen. Die Entscheidung für diesen Schritt sei ihnen keineswegs leicht gefallen. Irmgard Köhler abschließend: "Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Besonders in Erinnerung bleiben uns die wunderbaren Gespräche mit unseren Kunden, all die Lebensgeschichten - das wird uns sehr fehlen. Aber man ist ja nicht aus der Welt..." (Maria Franco) +++

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