Ein gutes Leben in Gemeinschaft
Bürger unterstützen das Wohnprojekt "Gartenhäuser - Leben in Nachbarschaft"
Fotos: Ralph Leupolt
18.03.2026 / FULDA - Menschen mit geistiger Behinderung können nicht alleine wohnen – diesem Vorurteil begegnet Johanna Müller immer wieder. Die 21-Jährige jedoch beweist das Gegenteil: Sie lebt selbstständig in ihrer eigenen Wohnung, und zwar in den "Gartenhäusern" von antonius. Rund ein Dutzend Patinnen und Paten machen das besondere Nachbarschaftsprojekt mit möglich.
Eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt und auf diese Weise echte Inklusion lebt: Das ist die Vision der Gartenhäuser in Fulda. Im Winter 2025 hat die Bürgerstiftung "antonius : gemeinsam Mensch" hierfür vier weitere Häuser mit 29 neuen Wohnungen eröffnet, in denen Menschen mit und ohne Behinderung Tür an Tür leben – ein Konzept, das mittlerweile bundesweit Beachtung findet.
Verantwortung, Begegnung und Zusammenhalt
"Die Idee ist, dass sich die Nachbarinnen und Nachbarn in den Gartenhäusern im Alltag gegenseitig unterstützen und aufeinander achtgeben", erklärt Projektleiter Björn Bierent. "So braucht es einerseits weniger Fachkräfte, andererseits wirkt es Einsamkeit entgegen, und alle können zum Gemeinwohl beitragen – auch die vermeintlich Schwächeren." Besonders deutlich wurde das schon während der Einzugsphase, als sich die Nachbarschaft wechselseitig mit Umzugskartons, Werkzeug und handwerklicher Hilfe versorgte.Solidarität als Fundament: Patenschaften fördern die Gartenhäuser
Dass auch Menschen mit geringem Einkommen in den Gartenhäusern wohnen können, ermöglicht ein solidarisches Finanzierungsmodell. Da die Baukosten für barrierefreien, zukunftsfähigen Wohnraum heute oft das übersteigen, was Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung zusteht, schließt antonius diese Lücke unter anderem mithilfe von Patenschaften.Patinnen und Paten spenden monatlich die Differenz zwischen der günstigen Sozialmiete und der tatsächlichen Kostenmiete – oft sind es monatliche Beiträge im unteren dreistelligen Bereich, die in der Summe Großes bewirken. Mehr als ein Dutzend Fuldaer Bürgerinnen und Bürger – darunter Unternehmer, Ehepaare und Privatpersonen – haben bereits eine solche Patenschaft übernommen.
Während manche das Projekt erstmal für ein paar Monate unterstützen, haben andere für viele Jahre zugesagt. Über die reine Geldspende hinaus sind die Patinnen und Paten in das Projekt einbezogen und werden regelmäßig über den Verlauf informiert. "Wir sind dankbar für alle, die dieses Zukunftsprojekt mit uns gestalten, und freuen uns über weitere Unterstützer", lädt Silke Gabrowitsch von der antonius Geschäftsführung ein.
Mehr Informationen zu den Gartenhäusern und Patenschaften gibt es beim großen Frühlingsmarkt am Samstag, 21. März 2026, von 10 bis 17 Uhr am allgemeinen Infostand auf dem antonius-Hauptgelände (An St. Kathrin 4, 36041 Fulda). (pm/hhb) +++