"Wirtschaft verstehen, Sicherheit planen"

Schüler werden zu Staatsoberhäuptern: "POL&IS" simuliert aktuelle Weltpolitik

Schüler werden bei POL&IS zu Politikern – in der mehrtägigen Simulation treiben sie Handel und stellen sich geopolitischen Fragen.
Fotos: Philipp Gerhard

19.03.2026 / BAD HERSFELD - Aktuell scheint es auf der Erde keinen Fleck zu geben, der frei von Konflikten und Unstimmigkeiten ist. Auch in Deutschland bekommen wir die Auswirkungen der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine oder im Iran zu spüren. Sanktionen werden verhängt, Zölle werden erhoben und Rohstoffpreise steigen – die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, ist nicht immer einfach. Die Bundeswehr bietet hierfür ein Simulationsprogramm an, um Licht ins Dunkel zu bringen.



"POL&IS" existiert seit 1989 und ist eine rollenbasierte Simulation, die sich nicht nur explizit an Schüler richtet, sondern prinzipiell an jeden, der Lust und Interesse hat, geopolitisches Geschehen spielerisch zu verstehen. In der Simulation unterteilt sich die Weltpolitik in 13 Regionen und verschiedene Kleinstgruppen, die aktiv miteinander interagieren. Hierbei werden Strategien für Wirtschaft, Sicherheit und Umwelt gemeinsam ausgearbeitet und umgesetzt. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, wie internationale Konflikte in der Theorie gelöst werden könnten.

Handel treiben und sich mit Konflikten auseinandersetzen

Der wichtigste Aspekt des Rollenspiels ist Kommunikation. Die einzelnen Regionen müssen sich miteinander zusammensetzen, beraten und ihre Probleme untereinander lösen. In verschiedenen Räumen wird Handel betrieben und Militäreinsätze gegen terroristische Vereinigungen, aber auch "feindliche" Staaten geplant. Jede Runde dauert 45 Minuten und endet damit, dass sich alle Beteiligten im Rahmen der Vereinten Nationen zusammensetzen und ihre Entscheidungen besprechen und gegebenenfalls rechtfertigen.

"Durch das Schlüpfen in die jeweiligen Rollen von politischen Akteuren übernehmen die Teilnehmer dementsprechend auch Verantwortung für ihre Region und müssen dementsprechend sicherheitspolitische, globale Themen behandeln", erklärt Leutnant zur See, Philipp Holzapfel im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Die Simulation wird im Jahr rund 100 Mal an verschiedenen Standorten durchgeführt, mit insgesamt über 4.000 Teilnehmern, die über mehrere Tage hinweg jeweils eine spezielle Position einnehmen und die Politik in der Simulation aktiv mitgestalten.

Internationale Politik verstehen in unruhigen Zeiten

Im Gespräch mit teilnehmenden Schülern in der Jugendherberge Bad Hersfeld stellte sich heraus: Das Projekt ist höchst interessant und informativ – auch für Politikinteressierte, die ihren Abschluss schon länger hinter sich haben. Die Resonanz ist gut: "Man sieht das meiste immer nur im Fernsehen oder liest es in Büchern – Teil davon zu sein, gibt einfach einen ganz neuen Blickwinkel auf die Sache", lobte ein Schüler im Gespräch mit O|N die Simulation und betonte, dass solch ein Projekt auch außerhalb eines schulischen Rahmens gute Aufklärungsarbeit leisten könne. Dies bestätigten auch die Jugendoffiziere, betonten aber, wie schwierig es sei, Personengruppen außerhalb des Politikunterrichts für solch eine mehrtägige Simulation zu begeistern.

Die Simulation wird fortlaufend aktualisiert und passt sich den aktuellen Entwicklungen im Weltgeschehen an - eine ideale Möglichkeit, um in geopolitisch kritischen Zeiten ein Verständnis für das zu schaffen, was man tagtäglich in den Nachrichten hört.

"Gerade in Zeiten globaler Unsicherheit und wenn sich sicherheitspolitische Ereignisse und Konflikte überschlagen und häufen, ist auch die Informationsflut dementsprechend hoch. Eine Simulation, wie POL&IS, die globale Themen vereinfacht darstellt, ist natürlich perfekt, um einen Einblick in diese Zusammenhänge zu schaffen" erklärt Philipp Holzapfel.

Keine Werbung für das Militär

Wichtig zu erwähnen ist außerdem, dass es sich bei POL&IS nicht um ein werbliches Projekt der Bundeswehr handelt. Das Rollenspiel wird zwar von zuständigen Jugendoffizieren durchgeführt, dient aber in keiner Weise dazu, zum Wehrdienst zu animieren oder im Nachgang für Jobs bei der Bundeswehr zu werben. "Das gehört nicht zum Programm. Den Jugendoffizieren ist so etwas sogar strikt verboten und sollte es unerlaubterweise doch dazu kommen, zieht das Konsequenzen nach sich", betonte Jan Volkmann.

Sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen, kann also sehr gut ein Verständnis für all das schaffen, was um uns herum passiert. Das Wechselspiel zwischen App und realen Spielfiguren hilft zudem, die abstrakte Vorstellung von Geld, Zahlen und Aktionen mit der echten Welt zu verbinden – ein Gefühl des "Mittendrinseins" entsteht. Dabei kommt die Simulation ganz ohne Wertungen aus und lässt den Spielern einen Handlungsfreiraum, der auch mal zu internen Konflikten führen kann – ganz wie in der Realität. (Philipp Gerhard) +++

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