Apothekenstreik und Demo
Apotheken schlagen Alarm: In Osthessen blinken schon die Warnsignale
Fotos: Moritz Bindewald
19.03.2026 / REGION -
Wer am Montag sein Rezept einlösen will, wird vor verschlossenen Türen stehen. Denn Osthessens Apothekerinnen und Apotheker machen ernst - und diesmal nicht nur mit einem stillen Protest, sondern mit einer eigenen Kundgebung mitten in der Stadt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Fass läuft über. Zu lange wurden Versprechen gemacht, zu lange wurde nichts geliefert. Und während die Politik zögert, schließen Apotheken - auch hier, direkt vor der eigenen Haustür.
Bundesweit organisiert der Apothekerverband ABDA vier Großdemonstrationen in Hannover, Düsseldorf, München und Berlin. In Fulda hat man sich bewusst für eine eigene Veranstaltung entschieden. "Wir wollen unseren Kunden vor Ort zeigen, warum wir schließen - nicht einfach nur die Tür zumachen", erklären Dr. Christian Gerninghaus von der Sonnenapotheke Schlitz und Maximilian Traut von der Stadtapotheke in Fulda. Gemeinsam haben sie das Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS gesucht.
Das Kernproblem: ein Honorar aus dem Jahr 2004
Der Auslöser für den erneuten Protest ist ein seit Jahrzehnten eingefrorenes Apothekenhonorar. Das sogenannte Fixum - der gesetzlich festgelegte Aufschlag, den Apotheken pro abgegebenem Rezeptarzneimittel erhalten - liegt seit 2013 bei 8,35 Euro. Davor, seit 2004, waren es 8,10 Euro. Eine Erhöhung auf 9,50 Euro steht zwar im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung, passiert ist bislang jedoch nichts.30 Prozent weniger Apotheken
Die Lage in der Region ist konkret spürbar. Im Altkreis Schlitz sowie in Lauterbach und dem Vogelsbergkreis gab es noch vor einigen Jahren zehn Apotheken - heute sind es noch sieben, wie Gerninghaus berichtet. Das entspricht einem Rückgang von 30 Prozent in rund zwölf Jahren und liegt damit sogar leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 25 Prozent. Allein im unmittelbaren Umfeld des Gesprächsorts in der Fuldaer Innenstadt haben in den vergangenen Jahren vier Apotheken geschlossen, weiß Traut.Die Folgen für die Bevölkerung sind greifbar: Notdienste werden auf weniger Schultern verteilt, Wege werden länger - gerade für ältere oder kranke Menschen in ländlichen Gebieten. "Wenn das Apothekennetz noch weiter ausdünnt, wird das nicht besser", so die Apotheker.
Versorgungsengpässe, Bürokratie und das Problem mit dem Versandhandel
Neben dem Honorarstreit belasten weitere Faktoren den Apothekenalltag. Arzneimittelengpässe bestehen weiterhin - derzeit vor allem bei Psychopharmaka, Antidepressiva und Cholesterinsenkern. Apothekerinnen und Apotheker verbringen täglich Stunden damit, Alternativen zu beschaffen, Großhändler abzuklappern und Kompromisslösungen zu finden. "Wir verschwenden die Zeit unseres höchstqualifizierten Personals darauf, Engpässe zu überbrücken", kritisieren Gerninghaus und Traut.Forderungen und Ausblick
Die Apotheker fordern von der Politik konkret:- Sofortige Erhöhung des Fixums von 8,35 auf mindestens 9,50 Euro
- Regelmäßige, dynamische Anpassung des Honorars an die wirtschaftliche Entwicklung
- Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel (RxVV)
- Ablehnung der geplanten "Apotheke light", bei der PTA-Kräfte Apotheken ohne approbierten Apotheker führen dürften
Demo-Termin: Montag, 23. März 2026, 11-13 Uhr, Bahnhofsplatz Fulda. Apotheken in der Region bleiben an diesem Tag geschlossen. Notdienstapotheken sind wie gewohnt erreichbar. Diese finden Sie unter aponet.de.
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