Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: "Woher nehme ich Frieden für mein Herz?"
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
18.03.2026 / FULDA -
Eine Frage, die nicht theoretisch ist. Sie stellt sich uns in schlaflosen Nächten. Sie stellt sich uns, wenn Nachrichten uns erschüttern. Sie stellt sich uns, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Sorgen drücken, wenn die Zukunft unsicher wirkt.
Wir leben in einer Zeit, in der vieles laut ist – Meinungen, Konflikte, Erwartungen. Aber das Herz sehnt sich nach etwas anderem: nach Frieden. Doch woher kommt er? Oft denken wir: Wenn die Probleme weg wären, dann hätte ich Frieden.
Shalom bedeutet Ganzheit. Heilsein. Geborgenheit. Es ist ein Frieden, der nicht nur außen beginnt – sondern innen.
Wir suchen Frieden oft durch Kontrolle. Wir planen. Wir sichern ab. Wir organisieren. Und doch merken wir: Das Leben entzieht sich unserer Kontrolle. Das Fastentuch lädt uns ein, loszulassen. Vielleicht zeigt es Zerbrechlichkeit. Vielleicht Wunden. Vielleicht Leere. Aber vielleicht auch Licht. Frieden wächst dort, wo ich nicht mehr alles tragen muss. Im Philipperbrief heißt es:
"Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus." Nicht: Ihr werdet alles verstehen. Nicht: Ihr werdet alles lösen. Sondern: Gottes Friede bewahrt euch. Das Herz findet Frieden, wenn es merkt: Ich bin nicht allein. Ich muss nicht Gott spielen. Ich darf vertrauen. Manchmal ist unser Herz unruhig, weil etwas ungeklärt ist.
Ein Wort, das wir nicht vergeben können. Ein Fehler, den wir uns selbst nicht verzeihen. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr. Nicht als Drohung – sondern als Einladung. Wo ich Versöhnung wage, wächst Frieden. Wo ich Schuld bekenne, wird mein Herz leichter. Wo ich vergebe, löst sich ein Knoten. Am Kreuz – dem zentralen Zeichen unseres Glaubens – sehen wir: Gott selbst geht den Weg der Versöhnung. In Epheserbrief heißt es:
"Er ist unser Friede." Nicht eine Idee. Nicht eine Methode. Eine Person.
Woher nehme ich Frieden für mein Herz? Vielleicht nicht aus noch mehr Aktivität. Vielleicht nicht aus noch mehr Ablenkung. Vielleicht nicht aus noch mehr Selbstoptimierung. Sondern aus Stille. Aus Gebet. Aus dem ehrlichen Hinhalten meines Herzens vor Gott.
Mit allem, was da ist. Frieden beginnt dort, wo ich Gott erlaube, mein Herz zu berühren. Nicht alles wird sofort anders. Aber ich werde anders.
Frieden fällt nicht vom Himmel wie ein Gefühl. Er wächst wie eine Pflanze. Ich kann ihn nähren durch Dankbarkeit. Durch Vertrauen. Durch Versöhnung. Durch das Suchen Gottes. Und manchmal beginnt er mit einem schlichten Gebet: Herr, ich habe keinen Frieden. Aber ich halte dir mein Herz hin.
Ich bin versöhnt. Und Christus ist mein Friede. (Stefan Buß)+++
Foto: Stefan Buß