Gegen Leerstand und Tristesse
"Zum Fierche": In der Festspielstadt kehrt ein Stück Kneipenkultur zurück
Fotos: O|N / Philip Apel
13.03.2026 / BAD HERSFELD -
In Bad Hersfeld wird oft über geschlossene Geschäfte, Leerstand und das langsame Verschwinden der Innenstadt gesprochen. Doch an diesem Samstag gibt es eine Nachricht, die genau in die andere Richtung zeigt: Mitten in der Stadt öffnet eine neue Kneipe ihre Türen. "Zum Fierche" heißt sie - ein Name, der tief in der Hersfelder Tradition verwurzelt ist.
Um 17:00 Uhr beginnt die Eröffnung in der Löhrgasse 6 - und Betreiber Yüksel Topal hofft, dass daraus schnell ein neuer Treffpunkt für die Stadt wird.
Ein Traum wird erfüllt
Für Topal ist der Schritt mehr als nur eine Geschäftsidee. "Es ist ein sehr mutiger Schritt - aber auch ein sehr schöner Schritt", sagt er. Gerade in den vergangenen Jahren habe ihm in Bad Hersfeld etwas gefehlt: "Es gibt mittlerweile einfach zu wenige Kneipen hier. Das habe ich in meiner Heimat total vermisst." Mit "Zum Fierche" möchte er genau diese Lücke ein Stück weit schließen. "Hier soll man sich wohlfühlen", betont der Betreiber. Kurzum: "Es kehrt eine Kneipe nach Hersfeld zurück." Ein Name mit viel Heimatgefühl
Der Name der neuen Kneipe kommt nicht von ungefähr. Das "Fierche" erinnert an das berühmte Lullusfeuer beim Lullusfest - dem ältesten Volksfest Deutschlands. Seit Jahrhunderten brennt der Holzstoß jedes Jahr auf dem Marktplatz und gilt für viele Hersfelder als Symbol ihrer Heimat. "Beim Namen habe ich nicht lange überlegen müssen - er steht für unser Lullusfest", fasst Topal zusammen. Natürlich fehlt es dann auch in der neuen Kneipe nicht am "Lullusfeuer". Das traditionsreiche Fest erinnert an den Gründer der Stadt, den Bonifatius-Schüler Lullus. Seit dem Jahr 852 wird es gefeiert - und für viele Hersfelder beginnt mit dem Lollsfest sogar ein neues Jahr. Mittelpunkt ist das "Fierche", das Tag und Nacht brennt und von den Bürgern liebevoll bewacht wird. Für Topal steht dieses Symbol genau für das Gefühl, das er in seiner Kneipe schaffen möchte. "Es steht sinnbildlich für unseren neuen Treffpunkt: warm, herzlich und hier soll die Stadt zusammenkommen."
Bier vom Fass und Fußball auf dem Bildschirm
Zur Eröffnung am Samstag soll natürlich auch gefeiert werden. Frisch vom Fass gibt es Jever, Krombacher und den alten Hochstädter Apfelwein. Für Stimmung sorgt "UWE - DJ & Blasmusik" mit Livemusik. "Außerdem übertragen wir zu unseren Öffnungszeiten Fußball", kündigt Topal an - eine Seltenheit in der Festspielstadt. Hoffnung auf Stammgäste
Für Topal ist die Eröffnung ein Moment zwischen Nervosität und Vorfreude. Unterstützung hat er dabei reichlich bekommen. "Ich habe fleißige Helfer, auf die ich mich immer verlassen kann." Jetzt hofft er vor allem auf die Menschen aus der Stadt. "Ich freue mich auf Stammkunden", sagt er. Besonders wichtig ist ihm, dass sich viele Hersfelder angesprochen fühlen. "Es sollen eben auch die Ur-Hersfelder kommen."Zum Start will er die Kneipe zunächst täglich öffnen. Ob sich "Zum Fierche" tatsächlich zu einem neuen Treffpunkt entwickelt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Hoffnung ist jedenfalls groß - und vielleicht beginnt am Samstag für die Hersfelder Kneipenkultur tatsächlich ein kleines neues Kapitel. (Constantin von Butler) +++