Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: "Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form!" P. Josef Kentenich

Der Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

11.03.2026 / FULDA - Das Wort von Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schoenstatt-Bewegung, klingt zunächst schlicht: "Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form." Aber wenn wir ehrlich sind, kann dieser Satz zweierlei in uns auslösen. Er kann Druck machen – oder er kann befreien. Er kann überfordern – oder Mut schenken. "Sei, was du bist – in bestmöglicher Form."



Das klingt nach Höchstleistung. Nach Optimierung. Nach einem ständigen "Du musst besser werden". In einer Welt, in der wir ohnehin das Gefühl haben, nicht zu genügen, kann dieser Satz wie ein weiterer Anspruch wirken. Bin ich denn gut genug? Reicht mein Glaube? Reicht mein Einsatz?

Reicht mein Leben?

Wenn wir diesen Satz als Leistungsbefehl hören, dann wird er zur Last. Dann klingt er wie ein göttliches Fitnessprogramm: Streng dich an. Werde perfekter. Gib mehr. Aber das wäre ein Missverständnis.

Denn Kentenich meint nicht: "Werde jemand anderes."

Er sagt nicht: "Vergleiche dich." Er sagt nicht: "Übertriff die anderen."

Er sagt: Sei, was du bist. Das ist keine Forderung nach Maskerade, sondern eine Einladung zur Echtheit. Gott hat keinen Menschen zufällig erschaffen. Kein Temperament. Keine Begabung. Keine Lebensgeschichte.

Der Psalmist sagt: "Du hast mich wunderbar gemacht." Nicht austauschbar. Nicht normiert. Wunderbar – einzigartig.

Die eigentliche Tragik unseres Lebens ist nicht, dass wir zu wenig leisten.

Die Tragik ist, dass wir oft nicht wir selbst sind.

"Bestmögliche Form" heißt nicht: fehlerlos. Es heißt: entfaltet.

Ein Same ist vollkommen – und doch ist er noch nicht der Baum.

Er trägt alles in sich, was er werden kann. Aber er muss wachsen.

So ist es auch mit uns. Gott erwartet nicht Perfektion. Er erwartet Wachstum. Bestmögliche Form heißt: meine Stärken nicht verstecken meine Schwächen nicht verleugnen, meine Berufung ernst nehmen, mein Gewissen ernst nehmen, meine Beziehung zu Gott pflegen.

Es heißt: aus dem, was ich bin, das Beste machen – mit Gottes Gnade.

Dieser Satz ist keine Drohung. Er ist ein Vertrauensbeweis. Gott traut mir zu, ich selbst zu sein. Er hat mich nicht als Kopie geschaffen.

Er braucht keine zweite Version eines Heiligen. Er braucht mich.

Die Heiligen sind nicht heilig geworden, weil sie jemand anderes nachgeahmt haben, sondern weil sie ihre eigene Sendung gelebt haben.

"Sei, was du bist" – das ist Befreiung von Vergleich und Konkurrenz.

"Sei es in bestmöglicher Form" – das ist Einladung zur Reifung.

Am Ende geht es um Christus. Jesus war ganz er selbst – und ganz beim Vater. Er hat sich nicht verbogen, nicht angepasst, nicht versteckt.

Und gerade darin war er vollkommen gehorsam.

Wenn wir mit Christus leben, dann wachsen wir in unsere eigene Wahrheit hinein. Nicht aus eigener Kraft. Sondern aus Gnade. Ist dieser Satz Überforderung? Ja – wenn ich ihn ohne Gott höre.

Ja – wenn ich ihn als Leistungsbefehl missverstehe. Ist er eine Ermutigung? Unbedingt – wenn ich ihn als Einladung verstehe.

Eine Einladung, echt zu sein. Eine Einladung, zu wachsen.

Eine Einladung, Gott zu vertrauen, dass er sich etwas gedacht hat, als er mich erschaffen hat. "Sei, was du bist, sei es in bestmöglicher Form."

Das ist keine Last. Das ist Berufung. Und Berufung ist immer ein Wort des Vertrauens. (Stefan Buß) +++

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