Vertrauen schaffen, miteinander lachen

Comedian "Herr Schröder" im Interview: Wie kann Schule spannend bleiben?

Johannes Schröder, besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Herr Schröder" ist ehemaliger Gymnasiallehrer, seit einigen Jahren aber als Comedian tätig.
Foto: Boris Breuer

17.03.2026 / REGION - Der ein oder andere blickt heute gern auf die Schulzeit zurück – auch wenn man das damals kaum zugegeben hätte. Lernen für Klassenarbeiten, Hausaufgaben, Aufsätze und Gedichtvorträge gilt aber auch heute, wie auch vor 30 oder 50 Jahren, weiterhin als Alptraum für Schülerinnen und Schüler. Aber Schule kann auch Spaß machen, oder nicht? Der Comedian "Herr Schröder" erklärt im O|N-Interview, wie wichtig Humor und Realitätsbezug für Schüler sind.



Johannes Schröder, geboren 1974 in Berlin-Charlottenburg, ist ehemaliger Gymnasiallehrer und unterrichtete unter anderem Deutsch und Englisch. Im Zuge eines Sabbaticals zog er nach Toronto, um dort ein Konzept für Comedy- und Bühnenshows zu erarbeiten. Seitdem ist er als Comedian auf Deutschlands Bühnen aktiv und plaudert aus dem Schulalltag. Seine erste Solo-Show fand übrigens vor acht Jahren im Kulturkeller in Fulda statt. Seitdem war er immer wieder in der Region und kommt gern zurück.

Humor schafft Vertrauen und macht wach.

Um das Klima im Klassenzimmer aufzulockern, spielt insbesondere die Beziehung der Lehrkraft zu den Schülern eine gewaltige Rolle, denn nur wer mit alten autoritären Rollen bricht, kann das Vertrauen der Schüler gewinnen. "Lachen ist ein Reflex, der dazu führt, seine eigene Maske abzunehmen, und gemeinsames Lachen führt dazu, dass man sein Gegenüber als weicher und nahbarer sieht", so der ehemalige Lehrer im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Wenn ein Lehrer mit seinen Schülern lachen kann, steigt sofort die Bereitschaft zur Arbeit, da genau dadurch Energie entsteht, die beide Parteien nutzen können.

Auch als Comedian konnte er diese Erfahrung machen: "Wenn ich eine gute oder starke Pointe habe, dann kann ich danach auch wieder etwas Ruhigeres, vielleicht auch Ernsteres machen."

Lehr- und Bewertungsmethoden neu denken

Insbesondere junge Lehrer versuchen, mit alten Verhaltensmustern und Lehrertraditionen zu brechen, bemerken aber immer wieder, dass sie daran scheitern und sich doch wieder den Konzepten von Arbeitsblättern und ständiger Benotung hingeben müssen. Dies sei laut Herrn Schröder dem Schulsystem geschuldet, welches darauf ausgelegt sei, zu bewerten – Noten würden dabei als "altbewährtes" Druckmittel agieren. Durch das ständige Wiederholen und Wiederverwenden von bis zur Unkenntlichkeit totkopierten Arbeitsblättern und zwanzigfach neugeschriebenen Overhead-Projektor-Folien schaffen sich Lehrer zudem Sicherheit und Routine.

"Ich brauche Noten, heißt es dann immer wieder im Lehrerzimmer und bei den Konferenzen", wie der jetzige Comedian aus seiner Lehrzeit berichtet. So würden auch anfangs innovative Lehrer immer wieder in klassische Verhaltensmuster zurückfallen, was dazu führe, dass Schüler den Unterricht weniger spannend wahrnehmen. "Als Lehrer sollte man sich vor allem die Frage stellen: Wo sind meine Schüler emotional, was bewegt sie? Man muss einen Bezug zum realen Leben herstellen", führt er weiterhin aus und verweist darauf, dass man auch mit einfachen Mitteln wie Realbeispielen aus dem Zeitgeschehen den Unterricht wesentlich effektiver und spannender gestalten kann.

Die "Bühne" als Schulfach

Auf der Bühne könne man viel lernen – nicht nur über das Schauspielern, erklärt Herr Schröder. Auch Teambuilding und Persönlichkeitsentwicklung sind Dinge, die man in einer Theatergruppe verinnerlichen kann, aber auch das Thema "Organisation und Finanzen" könne man großartig in dieses Fach einbauen. Dabei sei zudem ein wichtiger Aspekt, nicht nur Fachkenntnisse vermitteln zu wollen, sondern auch den Charakter zu prägen – eine wichtige Aufgabe, die oft in der Schule zu kurz kommt.

Schule könnte also doch spannend werden, wenn die Beziehung zwischen Lehrpersonal und Schülern sich verändert, lockerer wird und Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet. Wer aber noch mehr Geschichten aus dem Klassen- und Lehrerzimmer hören und sich dabei köstlich amüsieren möchte, der kann Herrn Schröder am 31. Mai in der Fuldaer Esperantohalle mit seinem Soloprogramm "Der Rest ist Hausaufgabe" sehen.

"Ich freue mich wirklich darauf, wieder nach Fulda zurückzukommen. Die erste Show stellt immer eine ganz besondere Beziehung zu einem Ort her", so der ehemalige Gymnasiallehrer – das verspricht beste Unterhaltung für alle, die Schule mal aus einer anderen Perspektive erleben wollen.
(Philipp Gerhard) +++

X