Eine Armee im Dienste der Partei
Vortrag von Dr. Klaus Storkmann auf Point Alpha zur Geschichte der NVA
Fotos: Point Alpha Stiftung
11.03.2026 / GEISA/RASDORF -
Fast 35 Jahre lang beobachteten sie hochgerüstet den "Klassenfeind" - auch in der Rhön. Einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Nationalen Volksarmee (NVA), gewährte Dr. Klaus Storkmann in der Gedenkstätte Point Alpha. Deutlich wurde: Die ostdeutschen Streitkräfte waren eine "Parteiarmee", die den Weisungen der SED folgte und - unter Kontrolle des "großen Bruders" in Moskau - zur Absicherung der Macht diente. Später bei den Turbulenzen der Friedlichen Revolution spielte die Truppe eine überraschende Rolle.
Vorläufer der Nationalen Volksarmee war die Kasernierte Volkspolizei (KVP), die im März 1956 offiziell in die neue NVA, die bereits auf dem Papier existierte, überführt wurde. Der Referent sprach deshalb auf Point Alpha nicht von einer Gründung, sondern von einer Legalisierung der Armee. "Das Personal war schon vorhanden, es wurden nur die Uniformen gewechselt", verdeutlichte der Oberstleutnant vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam (ZMSBw) den zahlreichen Besuchern im Haus auf der Grenze.
Wehrdienstleistende hatten eine permanente Gefechtsbereitschaft
War die NVA ebenso wie die ihr unterstellten Grenztruppen zunächst eine reine Freiwilligenarmee, erfolgte mit der Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes von 1962 die Umwandlung zu einer Gesamtstreitkraft aus Berufsoffizieren, Zeitsoldaten und Wehrpflichtigen. Die Ausbildung war straff und oft mit Drill verbunden, das System von oben nach unten rigide disziplinarisch. So wurden bei ideologischen Experimenten nach chinesischem Vorbild sogar Offiziere für eine Zeit "degradiert", damit sie die Härte des Dienstalltags selbst verspürten, um dann später besser führen zu können. NVA am Tag der Wiedervereinigung aufgelöst
Im Warschauer Pakt bildeten NVA-Soldaten zusammen mit der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) die erste strategische Front in der Auseinandersetzung mit der NATO. In dem Bündnis war die NVA allerdings nur "Juniorpartner", das Kommando und die Entscheidungsgewalt lag klar bei den Genossen im Kreml. Erst Mitte der 1980er schöpften die Sowjets mit der Umstellung von Angriffs- auf Verteidigungsplanspielen mehr Vertrauen und gaben der NVA in den Strategieplänen auch für fiktive Kampfhandlungen im Fulda Gap mehr Freilauf und Befugnisse.Zu Beginn der Veranstaltung hatte Benedikt Stock den Referenten vorgestellt und ins Thema eingeführt. Der Geschäftsführende Vorstand der Point Alpha Stiftung freute sich über die gut gefüllten Reihen im Forum im Haus auf der Grenze. Nach dem Vortrag beantwortete Dr. Klaus Storkmann die interessierten Fragen der Gäste. Kritisch bewertet wurde dabei die Einordnung und der die geringen Zugeständnisse für NVA-Soldaten beim Übergang in die neuen Strukturen. "Die Bundeswehr will mit euch nichts zu tun haben, ist als Botschaft mit bitterem Beigeschmack hängen geblieben", resümierte Storkmann. (mis/pm) +++