"Zur Zielscheibe geworden"
Während Rettungskräfte um Leben kämpfen: Heli-Pilot absichtlich angefahren
Foto: Feuerwehr Schotten
11.03.2026 / SCHOTTEN -
Ein Pilot, der plötzlich selbst zur Zielscheibe wird: Während Rettungskräfte auf der B276 bei Schotten (Vogelsbergkreis) um das Leben eines schwer verletzten Motorradfahrers kämpfen, eskaliert die Situation an der Unfallstelle auf erschreckende Weise. Ausgerechnet der Pilot des Rettungshubschraubers "Christoph Gießen" wird von einem Autofahrer angefahren. Ein Video, das der Pilot später selbst in sozialen Netzwerken veröffentlicht, sorgt inzwischen für große Aufmerksamkeit. Bereits am Dienstagmorgen wurde der Clip fast 300.000 Mal aufgerufen.
Die Hintergründe: Am vergangenen Sonntag gegen 14:30 Uhr kam es auf der beliebten Motorradstrecke zwischen Schotten und Laubach zu dem Unfall. Zwei Motorradfahrer aus dem Kreis Gießen waren unterwegs, als es in Höhe der Einmündung zur K222 zu einer Berührung kam. Der 29-jährige nachfahrende Fahrer verlor die Kontrolle, stürzte und rutschte mit seiner Suzuki in einen vorausfahrenden Peugeot. Er wurde schwer verletzt und musste mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Der 33-jährige Yamaha-Fahrer erlitt leichte Verletzungen.
Doch während Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst die Unfallstelle absicherten, kam es zu einem Vorfall, der selbst erfahrene Einsatzkräfte erschüttert. Der Pilot des Johanniter-Rettungshubschraubers schildert die Situation später auf Social Media. "Eigentlich habe ich einen Job als Pilot und nicht als Zielscheibe", erklärt Andreas Hennig in einem emotionalen Beitrag.
Keine Chance mehr zum Ausweichen
Für den Piloten ist die Situation besonders schwer zu begreifen, weil sie mitten in einem laufenden Rettungseinsatz passierte. "Wir haben da um ein Menschenleben gekämpft", erklärt er. Während Rettungskräfte versuchten, den schwer verletzten Motorradfahrer zu versorgen und schnellstmöglich in ein Krankenhaus zu bringen, sei die Situation an der Absperrung eskaliert.Pilot schildert persönliche Betroffenheit nach Vorfall
In seinem Beitrag macht Andreas Hennig deutlich, dass ihn das Geschehen persönlich getroffen hat. "Dass ich vorsätzlich angefahren wurde, ist mir das erste Mal passiert", schreibt er und beschreibt damit eine Situation, die selbst für jemanden mit vielen Einsätzen eine neue, erschreckende Erfahrung ist. Statt sich auf die Rettung eines schwer verletzten Menschen konzentrieren zu können, sei er plötzlich selbst in Gefahr geraten. "Ich bin selbst zur Zielscheibe geworden. Wenn der einzige Helipilot vor Ort nicht mehr fliegen kann, könnte das auch Nachteile für die Versorgung des Patienten haben." Glücklicherweise blieb Hennig jedoch unverletzt. Immer wieder Konflikte an Einsatzstellen
Der Vorfall zeigt einmal mehr ein Problem, das Einsatzkräfte in ganz Deutschland kennen. Immer wieder versuchen Verkehrsteilnehmer, Absperrungen zu umgehen oder Einsatzstellen zu passieren. Doch wenn aus Ungeduld oder Frust sogar Fahrzeuge als Druckmittel eingesetzt werden, wird eine Grenze überschritten. Gerade Menschen, die Leben retten, sollten keine Angst haben müssen, selbst zur Zielscheibe zu werden. (Constantin von Butler) +++