Kurz vor der Wahl
Burgenstadt streitet ums Geld - Solide Finanzen oder "Mogelpackung"?
Fotos: Moritz Bindewald
10.03.2026 / SCHLITZ -
Der Ton war rau, die in wenigen Tagen anstehende Kommunalwahl deutlich spürbar - am Montag wurde in Schlitz (Vogelsbergkreis) der Haushalt für das kommende Jahr beschlossen und damit die finanzielle Grundlage für das verwalterische und politische Tun in 2026 festgesetzt. Vorweg: Auf den ausgeglichenen Haushalt dürfte manch eine Nachbarkommune mit einer Prise Neid blicken.
CDU: "Wir haben Wort gehalten"
Als erster Redner trat Kevin Alles, Fraktionsvorsitzender der CDU, ans Mikrofon. "Wir haben solide Steuereinnahmen und verabschieden einen ausgeglichenen Haushalt", erklärte er. Die Quintessenz seiner Rede: Die CDU habe Wort gehalten. So habe es in diesem Haushalt etwa keine Erhöhung von Steuern oder Gebühren gegeben und Schlitz sei gerüstet für die Zukunft, gar "auf einem guten Weg".
SPD: "Jubelorgie" und "Mogelpackung"
Gänzlich anders bewertete Prof. Dr. Konrad Hillebrand, Fraktionsvorsitzender der SPD, die Lage der Burgenstadt. "Das war eine Jubelorgie", warf er Alles an den Kopf. Der Haushalt sei eine "Mogelpackung", so habe die Gewerbesteuer im vergangenen Jahr etwa "massiv zugenommen". Eine Zustimmung der SPD könne es nicht geben, denn: "Mit diesem Haushalt wird die Öffentlichkeit hinters Licht geführt".
BLS: "Füllhorn" bis "Wahlgeschenke"
Man habe sich mit Anträgen, die den Haushalt belasten, bewusst zurückgehalten, erklärte Dr. Jürgen Marxsen als Vorsitzender der Fraktion der Bunten Liste (BLS). Er warf der CDU vor, "mit dem Füllhorn durchs Land gezogen" zu sein. "Sie haben sich als einzige nicht an den erklärten Wunsch des Bürgermeisters gehalten, Investitionen auf das Nötigste zu beschränken", so Marxsen in Richtung von Alles. Daher werde man das von der CDU vorangetriebene Investitionsprogramm "schweren Herzens" ablehnen.
FPD: Gebot der Stunde verkannt - "Finanz-Fata-Morgana"
Heftig fiel auch die Kritik der FDP-Fraktion aus. Der Haushaltsplan sei eine "Finanz-Fata-Morgana", so deren Fraktionsvorsitzender Jürgen Laurinat. Der angestrebte Haushaltsbeschluss sei ein "Ausverkauf unserer Zukunft. Wer so kalkuliert, baut auf Sand und riskiert mutwillig zukünftige Haushaltslücken." Weiterhin sei der Haushalt gespickt mit "CDU-Nebelkerzen". Man habe das Gebot der Stunde verkannt. "Anstatt den Gürtel enger zu schnallen, werden weiter Wahlgeschenke verteilt", wirft Laurinat den Christdemokraten vor.
Entgegen aller anderen Fraktionen - CDU bringt Haushalt durch
Etwas Ruhe in die Debatte brachte schließlich Siemon. "Die Politik macht immer nur eine Diskussion über das, was kommen wird, aber viel wichtiger ist das IST-Ergebnis", und hier stehe Schlitz entsprechend gut da. In der Abstimmung zeigte sich dann der zu erwartende tiefe Graben. Für Investitionsprogramm und Haushaltsplan überstimmten die CDU-Abgeordneten FDP, BLS und SPD, welche einvernehmlich mit "Nein" votierten. Anders bei den Eigenbetrieben - immerhin hier stimmten alle Stadtverordneten zu. (mmb) +++