"Kommt! Bringt eure Last" in Feldrücken

Weltgebetstag: Nigerianische Frauen erzählen von Lasten und Hoffnung

Am Freitag wurde in der festlich nigerianisch geschmückten Kirche in Ulrichstein-Feldkrücken wie in über 150 Ländern der Erde der Weltgebetstag der Frauen aus Nigeria gefeiert.
Fotos: Dieter Graulich

10.03.2026 / ULRICHSTEIN - Am Freitag wurde in der festlich nigerianisch geschmückten Kirche in Ulrichstein-Feldkrücken (Vogelsbergkreis) wie in über 150 Ländern der Erde der Weltgebetstag der Frauen aus Nigeria gefeiert. "Kommt! Bringt eure Last." lautet ihr hoffnungsverheißendes Motto, angelehnt an Matthäus 11,28-30. In Nigeria werden Lasten von Männern, Kindern, vor allem aber von Frauen auf dem Kopf transportiert.



So zogen zu Beginn des Gottesdienstes drei Frauen unter Trommelbegleitung mit großen Lastpaketen ein. Die erste Frau berichtete, dass sie täglich kilometerweit schwere Brennholzlasten trägt. Die zweite erzählte, dass sie ohne ihren Mann nichts wert sei, und die dritte erwähnte die tägliche Angst vor Entführung und Vergewaltigung. Mit der Frage, wo ihre Seelen Ruhe finden, wurden die Pakete symbolisch für die schwere Last am Altar abgelegt. Danach gab es eine kurze Landinformation mit Bildern, denn das facettenreiche Land ist geprägt von sozialen, ethnischen und religiösen Spannungen. Islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram verbreiten Angst und Schrecken. Die korrupten Regierungen kommen weder dagegen an, noch sorgen sie für verlässliche Infrastruktur. Umweltverschmutzung durch die Ölindustrie und Klimawandel führen zu Hunger. Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt sind die Folgen all dieser Katastrophen.

Glaube an Gott gibt Ihnen Kraft

Nigeria hat eine sehr junge Bevölkerung: 60 Prozent der Menschen sind unter 25 Jahre alt. Die Lebenserwartung liegt bei nur 54 Jahren. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung sind christlich, sie leben vor allem im Süden des Landes. Die andere Hälfte ist muslimisch. Sie leben vorwiegend im Norden des Landes. Sonstige Religionen sind in nur sehr geringen Prozentzahlen vertreten.

Viele Mädchen und junge Frauen werden früh verheiratet. Eine unverheiratete Frau hat kein gutes Ansehen in der Gesellschaft. Es wird Druck auf die Frauen ausgeübt, zu heiraten und Söhne zu gebären. Wird eine Frau Witwe, erfährt sie soziale Ausgrenzung. Infolge des Klimawandels werden die Wege zum Wasser immer länger. Die Frauen tragen das täglich benötigte Wasser auf dem Kopf von der Wasserstelle nach Hause. Diese Alltagslasten sind sichtbar, andere wie häusliche Gewalt bleiben im Verborgenen.

Für viele Menschen ist das Leben in Nigeria nicht leicht. Ihr Glaube an Gott gibt ihnen Kraft. Er ist eine Quelle der Hoffnung. Während des Gottesdienstes wurde ein Stein, der zu Beginn des Gottesdienstes am Eingang mitgegeben wurde, symbolisch für die eigenen Lasten und Sorgen am Altar abgelegt. Auf dem Rückweg erhielten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher einen zusammengerollten Segensspruch mit einer Feder als Symbolik neugefundener Leichtigkeit.

Frauen teilen ihre Geschichten

Drei Witwen berichteten von der gesellschaftlichen Unterdrückung. Danach folgte ein Interview mit einer christlichen Mutter, die von der täglichen Angst, ihrem Glauben und ihrer Hoffnung erzählt. Eine weitere Frau berichtete über die Last von Armut und Verzweiflung. Bekräftigt wurde der Gottesdienst mit Echos aus verschiedenen Winkeln der Kirche. Dazwischen wurden Lieder durch den Projektchor unter der Leitung von Laura Wiebe und Nathali Uhr gesungen. Die Lieder der Gemeinde wurden durch die Organistin Nicole Jost begleitet. Zum Ende des Gottesdienstes wurde man noch meditativ mit einem nigerianischen Yoruba-Lied in einen sog. "Tanz-wie-das-Leben", welcher durch Nicole Sparmer einstudiert wurde, mitgenommen. Nach dem Gottesdienst wurde herzlich zum Verbleib in der Kirche eingeladen um wieder zahlreiche nigerianische Spezialitäten, die ebenfalls durch das Team vorbereitet wurden, zu kosten.

Weitere Mitwirkende waren neben Pfarrerin Eleonore Merkel und Marion Appel, Paula Bauer, Susanne Forgel, Diana Hartmann, Susanne Hofmeister, Zsuzsa Jonas, Katja Jost, Katrin Pfefferkorn, Claudia Rühl, Heidi Rühl, Monika Rühl, Monika Rühl (Kanalstraße), Anke Schleuning, Jasmin Schütter, Tünde Walter, Ingo Appel, der auch die Gestaltung des Kirchenraumes übernommen hatte, sowie der Konfirmand Lewin Müller, der die Technik bediente. Der Weltgebetstag ist die größte und älteste ökumenische Frauenbewegung. Unser Ziel ist eine Welt, in der alle Frauen selbstbestimmt leben können. Als Zeichen der Liebe, des Friedens und der Versöhnung werden mit der Kollekte weltweit Frauen und Kinder unterstützt und gestärkt. (gr) +++

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