Kommunalwahl, Merz, Verantwortung
"Politik ist nicht Zalando": CDU-Fraktionschefin Ines Claus erklärt ihren Kurs
Fotos: O|N / Victor Brühl
11.03.2026 / FULDA -
Ines Claus ist keine Lautsprecherin, sondern eine strategische Integrationsfigur der CDU: werteorientiert, loyal, machtbewusst, aber nach außen moderat und stabilitätsbetont. Sie setzt auf Zusammenhalt statt Zuspitzung, auf Verlässlichkeit statt Schlagzeile - und genau darin liegt die politische Stärke der dreifachen Familienmutter. Dass dieses Bild nicht nur eine Zuschreibung ist, sondern ihrem Selbstverständnis entspricht, wurde auch im exklusiven Redaktionsgespräch mit OSTHESSEN|NEWS deutlich.
Ruhig im Ton, klar in der Haltung und stets mit Blick auf Verantwortung und Stabilität umriss die 48-Jährige bei OSTHESSEN|NEWS ihren Anspruch an Politik zwischen Hessen und Berlin. Im Gespräch ging es unter anderem um die Arbeit der CDU in Bund und Land, die Rolle von Bundeskanzler Friedrich Merz, die bevorstehende Kommunalwahl in Hessen sowie um gesellschaftliche Fragen rund um Familie, Werte und politischen Zusammenhalt.
Claus ist sich sicher: "Die Kommunalwahl ist die wichtigste Wahl"
Mit Blick auf die Kommunalwahl am 15. März 2026 betont Ines Claus die besondere Bedeutung der Abstimmung für den Alltag der Menschen. "Die Kommunalwahl ist die wichtigste Wahl", sagte die CDU-Politikerin. Schließlich werde dort entschieden, was das tägliche Leben unmittelbar präge: "Alles, was unseren Alltag bestimmt, findet in der Kommune statt." Ob Kinderbetreuung, Infrastruktur oder Vereinsleben - vieles werde direkt vor Ort geregelt. Deshalb sei es entscheidend, "genau hinzuschauen, wo man sein Kreuz setzt.""Die Bürger spüren, dass es vorangeht."
Mit Blick auf die Kommunen verweist Ines Claus auf mehrere Reformen, die die CDU-geführte Landesregierung gemeinsam mit der SPD in Hessen auf den Weg gebracht hat. Ziel sei es gewesen, Städte und Gemeinden stärker zu entlasten und ihnen mehr Handlungsspielräume zu geben. "Wir haben erste Schritte unternommen - gemeinsam mit den Kommunen", erklärte Claus. Dabei seien auch Veränderungen in der Hessischen Gemeindeordnung vorgenommen worden, um kommunale Entscheidungen flexibler zu gestalten. Veränderungen brauchen Zeit: "Politik ist nicht Zalando"
Mit Blick auf die Arbeit der Bundesregierung weist Ines Claus die Kritik an der CDU-geführten Politik zurück. "Die Stimmung ist besser, als teilweise behauptet wird", sagte die CDU-Politikerin im Gespräch. Gleichzeitig räumt sie ein, dass politische Veränderungen Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten.Geopolitische Spannungen erfordern internationale Führung
Auch zur Rolle von Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich Ines Claus im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS deutlich. Merz war in der Vergangenheit von politischen Gegnern häufig als "Außenkanzler" kritisiert worden, weil er stark auf internationale Politik und diplomatische Gespräche setzte. Claus sieht genau darin jedoch eine Stärke - gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage."Ich finde es sehr gut, dass wir einen Außenkanzler haben", sagte die Familienmutter. Angesichts der internationalen Konflikte sei diese Rolle wichtiger denn je. "Wenn ich mir die geopolitische Lage anschaue, ist es großartig, dass wir einen Außenkanzler haben." Die Kritik an Merz gehe daher aus ihrer Sicht "völlig ins Leere". Deutschland befinde sich in einer Phase großer internationaler Spannungen. "Wir stehen an den Grenzen eines furchtbaren Krieges in der Ukraine", sagte Claus. Gerade deshalb brauche es politische Führung mit Blick auf die weltpolitische Lage: "Wir leben in Zeiten, in denen es nichts Wichtigeres geben kann, als geopolitisch aufmerksam zu sein."
"Mein Küchentisch ist ein bisschen größer geworden"
Neben der Bundespolitik bleibt für Ines Claus vor allem die Arbeit in Hessen zentral. Als Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag arbeitet sie eng mit Ministerpräsident Boris Rhein zusammen. Für Claus steht dabei besonders das Zusammenspiel im Team im Vordergrund. "Alles geht immer nur als Team", sagte sie im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Gerade in politisch schwierigen Zeiten brauche es eine verlässliche Zusammenarbeit innerhalb der Regierung. "Wir sind die Kraft, die es braucht, wenn es schwierig wird - wir packen es an."