Ja, DAS ist Antisemitismus!
Erfolgreiche Ausstellung im Polizeipräsidium - Was tun gegen Antisemitismus?
Fotos: Jutta Hamberger
24.02.2026 / FULDA -
Vom 15. Januar bis zum 12. Februar war im Polizeipräsidium Osthessen (PPOH) die Ausstellung "Ja, DAS ist Antisemitismus! Jüdische Erfahrungen in Hessen" der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS) zu sehen. Zahlreiche Fuldaer Schulklassen nutzen mit ihren Lehrkräften die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen – und mit Christian Diegelmann und Kira Rehberg vom Stabsbereich Prävention im PPOH über die Ausstellung ins Gespräch zu kommen.
"Wir sind sehr zufrieden mit dem Rücklauf", erklärt Christian Diegelmann. "Uns ging es darum, Schülerinnen und Schüler über aktuelle Entwicklungen im Bereich Antisemitismus zu informieren. Und wir wollen verdeutlichen, was antisemitische Botschaften mit Betroffenen machen oder welche strafbaren Inhalte aktuell kursieren. Das ist vielfach nämlich nicht bekannt. Antisemitische Memes sind schnell im Klassenchat oder mit Freunden geteilt. Dass die Verbreitung extremistischer und antisemitischer Inhalte oft strafbar ist, muss man immer wieder deutlich machen." Diegelmann, der im PPOH auch für die Prävention von politisch motivierter Kriminalität (PMK) zuständig ist, war seit Beginn des neuen Schuljahrs bereits häufig in Schulklassen der drei Landkreise, für die das PPOH zuständig ist, um dort mit Schülerinnen und Schülern über diese Themen zu sprechen.
Antisemitismus ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, sondern mehr als 2000 Jahre alt, auch wenn der Begriff erst seit Ende des 19. Jahrhunderts nachweisbar ist. Vorher sprach man von Antijudaismus. Judenfeindschaft war auch religiös motiviert, weil man das eigene (christliche) Selbstverständnis aus der Gegnerschaft zum Judentum zog. Kirchen zeigten jüdische Schmähplastiken wie z.B. die "Judensau", Juden wurden als Christusmörder bezeichnet, und man ignorierte, dass Jesus Jude war und nach jüdischem Gesetz lebte. So trugen auch die Kirchen zu Gewaltexzessen und Pogromen gegen Juden bei. Erst in den letzten Jahrzehnten haben beide christlichen Kirchen damit begonnen, ihr Verhältnis zum Judentum neu zu bestimmen und die Fehler der Vergangenheit einzugestehen.
Viele Vorurteile gegenüber Juden wurden über Generationen hinweg kolportiert, unabhängig davon, ob sie überhaupt stimmten. Ein besonders perfides Beispiel dafür ist die über 100 Jahre alte Hetzschrift "Die Protokolle der Weisen von Zion", deren Verschwörungsmythen bis heute munter weiterverbreitet werden. Im NS-Staat schließlich wurde der Genozid an Juden staatlich verordnet und industriell durchgeführt: Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurde die sogenannte 'Endlösung der Judenfrage" beschlossen, die systematische Tötung von Menschen aufgrund ihrer "Rasse".
Studiendirektor Thomas Willert und seine Klasse aus der Eduard-Stieler-Schule waren die letzten Besucher der Antisemitismus-Ausstellung im PPOH. Die Schülerinnen und Schüler sind in der Berufsfachschule zum Übergang in die Ausbildung (BÜA). In der Klasse sind auch junge Menschen, die aus verschiedenen Ländern zu uns nach Deutschland gekommen sind. Sie bringen sehr unterschiedliche Kenntnisstände über das sog. Dritte Reich und die Shoah mit und haben mit dem Thema Antisemitismus, Israel und Naher Osten sehr unterschiedliche Berührungspunkte.
Grundlage der Ausstellung sind authentische Fälle, die Menschen genauso widerfahren sind. Genau deshalb berühren diese Fälle auch so. Denn sie berichten von Ignoranz, Gelächter, Ausgrenzung, Relativierung und Beschwichtigung, aber auch von Solidarität. Beim Betrachten der Ausstellung fragten und diskutierten die Schülerinnen und Schüler intensiv. Denn: Mit Vorurteilen konfrontiert werden, Ablehnung aufgrund von Herkunft oder Aussehen zu erfahren, das kannten einige aus eigenem Erleben nur zu gut. Genau das war der Brückenschlag – zu erkennen, was verletzt und ausgrenzt und wie man sich dabei fühlt.
"Wenn ihr heute mitnehmt, dass die Welt nicht eindimensional ist, wenn ihr mitnehmt, dass es gut ist, Fragen zu stellen, statt Vorurteile zu verbreiten, wenn ihr fragt, was kann ich machen?, dann habt ihr viel mitgenommen", verabschiedete Christian Diegelmann die Gruppe nach intensiven zwei Stunden. (Jutta Hamberger)+++