Kulturpreis an Dr. Heiler verliehen
Ich wollte immer begeistern
Alle Fotos: Martin Engel
24.02.2026 / FULDA -
Für die Verleihung des Fuldaer Kulturpreises an Dr. Thomas Heiler hätte man viele Headlines formulieren können. Von "Da muss er jetzt durch, auch wenn es ihm unangenehm ist" über "Vom Schwaben zum Fulda-Experten", "Il pomeriggio è troppo azzurro", "Ehrung des zweitjüngsten Kulturpreisträgers" bis zu "Siegreiche Feldherren und schlafende Chronisten", "Historia magistra vitae", "Rampenlicht war nie sein Habitat" oder "Er hat es wirklich verdient" hätte sich vieles angeboten. Genauer – alle passen perfekt auf diesen Mann und diesen Anlass.
Im Fürstensaal hatten sich die versammelt, denen Kultur und Geschichte ein Anliegen sind. Darunter waren Vertreter:innen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann. Bürgermeister Dag Wehner, Alt-OB und Ehrenbürger der Stadt Fulda Gerhard Möller sowie Stadtbaurat Daniel Schreiner. Professor Dr. Karim Khakzar, Leiter der Hochschule Fulda. Dr. Patrick Liesching, Präsident des Landgerichts Fulda, Thomas Martin von Fuldaer Geschichtsverein, Thilo Bauer, der Geschäftsführer des Verbands deutscher Archivare. Kollegen Heiler wie Jürgen Peter (Kulturamt) Natalya Oldenburg (Musikschule), Christoph Stibor (Theater), Dr. Frank Verse (Vonderau Museum) und Susanne Walther (Villa Walther). Und viele Fuldaerinnen und Fuldaer, die sich ehrenamtlich für Kultur und Geschichte engagieren, kulturbegeistert sind und ‚ihrem‘ Dr. Heiler die Ehre erweisen wollten.
Ein Glücksfall für Fulda
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld ehrte mit Dr. Thomas Heiler den 17. Fuldaer Kulturpreisträger – eine Entscheidung, die in der Stadtverordnetenversammlung einstimmig getroffen worden war. Der seit 1960 verliehene Preis ehrt langjährige herausragende Leistungen im Bereich Geschichte, Kunst, Literatur und Regionalforschung. So sehr Dr. Heiler diesen Preis verdient hat, so sehr bleibt dennoch anzumerken, dass es allerhöchste Zeit wird, mit den nächsten 17 Kulturpreisen schwerpunktmäßig Fuldaer Frauen zu ehren. Denn die kommen in der illustren Riege der Preisträger nur sehr spärlich vor. Habe ich das wirklich verdient?
Wer aus einem Beruf scheide, in dem er viele Jahre und Jahrzehnte tätig gewesen sei, der freue sich natürlich über die Anerkennung seiner Leistung, begann Thomas Heiler seine nicht vorbereitete und doch so brillante Dankesrede. Was er allerdings in den Wochen seit seinem Ausscheiden erfahren habe, habe ihn doch immer wieder fragen lassen, ob er das alles wirklich verdiene. Auf diese pietistisch-protestantische Zweiflerfrage gaben ihm die Fuldaer nun die barock-katholische und selbstbewusste Antwort: Ja, hast Du.Der Kulturpreis setzte so den goldglimmernden Schlusspunkt nach der Festschrift, die Heiler Anfang Februar überreicht worden war und dem Vorsitz des Geschichtsvereins, den er erst letzte Woche übernommen hatte. Er habe immer begeistern wollen, so Heiler – und wir können ihm rückspiegeln, wie sehr ihm das gelungen ist: In Ausstellungen, Vorträgen, Reden und Publikationen.
Hauptstadt des Archivwesens, Hauptstadt der Kultur
Heiler zitierte aus einer Studie von Microsoft Research aus dem Jahr 2025, die beschreibe, wie der Berufe von Historikern durch KI verändert und ersetzt würde. Hinter dieser Annahme stecke ein furchtbares Missverständnis über die Aufgaben, denn es geht ja gerade nicht um reine Informationsbeschaffung und Zusammenfassungen.Lauter Lieblingsmusiken
Die Musikschule Fulda sorgte einmal mehr dafür, einer Ehrung den festlich-musikalischen Rahmen zu geben. Mit Paolo Contes "Azzurro" erklang ein Lieblingsmusiker Dr. Heilers, der den großen Italiener so gern einmal auf dem Domplatz gesehen hätte. Carsten Rupp – sonst eher am Pult der Winfridia aktiv – trug diesen Klassiker mit Daniel Nikolas Wirtz (Gitarre) mit italienischer Leggerezza und Grandezza vor.Mit dem Jazz-Klassiker "On the sunny side of the street" von Jimmy McHugh und Dorothy Fields setzten Daniel Nikolas Wirth und Carsten Rupp einen fröhlichen musikalischen Schlusspunkt. Möge es genauso für Dr. Heiler kommen: Lass die Sorgen auf der Türschwelle liegen, flaniere im Sonnenschein und sei ohne einen einzigen Cent so reich wie Rockefeller.