Trauer Salsa-Legende
«King of Salsa» Willie Colón gestorben
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23.02.2026 / NEW YORK -
Zu seinem elften Geburtstag bekam Willie Colón von seiner Oma Antonia eine Trompete. Das Geschenk sollte das Leben des in der New Yorker Bronx geborenen Jungen prägen. Denn schon damals begeisterte er sich für die afrokaribische Musik, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern tagtäglich im Radio hörten. Dass er selbst einmal als «King of Salsa» gefeiert werden würde, ahnte der nun im Alter von 75 Jahren gestorbene Künstler damals nicht.
Colón sei «friedlich» im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen am Samstag auf Facebook mit. Auch sein Manager Pietro Carlos bestätigte auf Linkedin den Tod des Künstlers. Die Gouverneurin von Puerto Rico, Jenniffer González, zollte in einer Mitteilung auf X Tribut: «Heute verabschieden wir uns mit tiefem Respekt von Willie Colón, Meister der Posaune, Architekt des Salsa-Sounds und ewiges Vorbild unserer kulturellen Identität».
In der Nacht zum Sonntag unterbrach Latin-Superstar Bad Bunny sein Konzert in der brasilianischen Metropole São Paulo und würdigte die Rolle Colóns. Colón sei eine der «Legenden» des Genres und «Inspiration» für viele andere Musiker gewesen, sagte Bad Bunny in einem von einem Fan aufgezeichneten Video. Vor ein paar Monaten noch hatte Colón in einem Musikvideo von Bad Bunny einen Gastauftritt.
Erste Aufnahmen mit 15
Schon mit 15 nahm er seine ersten Lieder auf, mit 17 Jahren brachte Colón - inzwischen zur Posaune gewechselt - seine erste LP heraus: «El Malo». Das war 1967. Die Schallplatte, erschienen beim berühmten Salsa-Label Fania Records, wurde ein Erfolg und sollte Colón wie auch Leadsänger Héctor Lavoe (1946-1993) zu Stars machen.Zusammenarbeit mit Rubén Blades
Gerade die Stücke mit dem aus Panama stammenden Blades - mit dem er sich später über Vertragsfragen zerstritt - stechen durch ihre ungewohnt sozialkritischen Texte hervor. Sehr erfolgreich waren aber auch Colóns Aufnahmen mit der in Havanna geborenen «Queen of Salsa» Celia Cruz (1925-2003) und eigene Interpretationen wie «Idilio» und «El gran varón», die er auch bei seinen zahlreichen Konzerten im Ausland spielte, darunter viele Auftritte im deutschsprachigen Raum.
Großer Experimentierer
Dabei war Colón nach Ansicht von Musikkritikern nicht unbedingt ein Virtuose seines Instruments und auch kein begnadeter Sänger. «Er klang aber immer wie er selbst, authentisch und effektiv», sagte der venezolanische Autor und Salsa-Experte César Miguel Rondón. Gefeiert wurde Colón zudem als brillanter Komponist und Produzent sowie als großer Experimentierer, der verschiedenste Stile fusionierte. «Ich suche immer das Neue und versuche, die Menschen zu überraschen», sagte er selbst in einem Interview der Zeitung «El Tiempo». Das Titellied seines Debütalbums aus 1967, «El Malo» (Der Böse), spielte auf Colón selbst an und blieb bis zuletzt sein Spitzname.Da sein Vater im Gefängnis saß, musste er früh lernen, sich durchzusetzen und seine Schwester, seine Mutter und seine Oma - die Matriarchin der Familie - in Schutz nehmen. «Es gab eine Zeit in New York, da wurde man als Latino verprügelt, wenn man irgendwo an der Ecke stand», sagte Colón im puerto-ricanischen Fernsehen über seine Erfahrungen mit Diskriminierung. «Ich musste keinen Streit suchen, dieser hat stets mich gefunden.»
Colón war auch politisch aktiv
Nebenbei spielte Colón in einigen Kinofilmen und Serien mit. In der mexikanischen Telenovela «Demasiado corazón» mimte er etwa einen Drogenermittler - und steuerte auch den Titelsong bei. Im April 2021 wurden seine Frau und er bei einem Unfall mit ihrem Wohnmobil schwer verletzt - seither war es zunehmend still um den Musiker geworden. (Von Jörg Vogelsänger, dpa) +++
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