Abdeckung oder Rückbau?
Die Region ringt um eine Lösung: Kaliberg-Debatte an der Belastungsgrenze
Archivfoto: K+S
23.02.2026 / NEUHOF -
Der Kaliberg in Neuhof bleibt ein heiß diskutiertes Thema. Seit Jahren stehen K+S, die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" und die Gemeinde in einem komplexen Austausch, um eine Lösung für die salzhaltigen Haldenwässer zu finden. Der Dialog zwischen den Beteiligten ist intensiv, die Gemengelage kompliziert, und die Bürger vor Ort sind verunsichert.
Nun meldet sich Bürgermeister Heiko Stolz gegenüber OSTHESSEN|NEWS zu Wort - mit dem klaren Appell, die Debatte auf eine sachliche und faktenbasierte Grundlage zu stellen. Ihm gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um tragfähige Entscheidungen für Mensch und Natur. "Es ist nicht sehr einfach. Die Gemengelage ist sehr groß. Wir beschäftigen uns damit schon seit einigen Jahren", sagt er.
Der Hintergrund: Seit Jahren ringen K+S, die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" und die Gemeinde um den richtigen Umgang mit den salzhaltigen Haldenwässern und der Zukunft der Halde. Einigkeit besteht darüber, dass die Versalzung eingedämmt und das Trinkwasser geschützt werden muss. Deutlich auseinander gehen die Meinungen jedoch bei der Frage, wie der Berg selbst behandelt werden soll - Rückbau oder Abdeckung. Gesucht wird eine Lösung, die Umweltbelastungen reduziert und gleichzeitig den Bergbau langfristig ermöglicht.
Gutachten der Bürgerinitiative sorgt für Verunsicherung
Die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" hatte Anfang des Jahres ein Gutachten vorgelegt, das Prognosen über mögliche Entwicklungen enthielt und damit viele Menschen verunsicherte. Parallel dazu wurde eine offizielle Bestandsanalyse erstellt, die die aktuelle Lage am Berg auf Grundlage gesicherter Daten dokumentiert und im März vorgestellt werden soll."Die Prognosen der Bürgerinitiative waren sehr weitreichend", so Bürgermeister Stolz. "Diese müssen wir nun mit der offiziellen Bestandsanalyse vergleichen. Mich interessiert: Wo liegt die Wahrheit?" Die Gemeinde schlüpft dabei vor allem in eine Rolle des Vermittlers zwischen den Parteien und setzt auf eine realistische Faktenlage.
"Unsere Hoheitsaufgabe ist es, das Trinkwasser zu schützen"
Ein zentrales Thema bleibt das Trinkwasser. Durch Haldenwässer kann Salz ins Grundwasser gelangen und langfristig die Qualität beeinträchtigen. "Diese Versalzungsprozesse müssen aufgehalten werden", betont Stolz. "Unsere Hoheitsaufgabe ist es, das Trinkwasser zu schützen." Einig seien sich alle Beteiligten, dass gehandelt werden müsse. Grundlage der weiteren Schritte sind sowohl die Prognosen der Bürgerinitiative als auch eine offizielle Bestandsanalyse.Der Berg selbst rückt in den Mittelpunkt
Neben der Versalzungsfrage rückt immer wieder der Berg selbst in den Mittelpunkt der Debatte. Dabei stehen sich zwei grundlegend unterschiedliche Ansätze gegenüber. Die Bürgerinitiative fordert einen weitgehenden Rückbau der Halde, um die Ursache der Salzbelastung dauerhaft zu beseitigen. Aus ihrer Sicht kann nur eine deutliche Verkleinerung des Berges verhindern, dass weiterhin große Mengen salzhaltiger Wässer entstehen.Wirkung statt Ideologie
Für Stolz steht dabei weniger die Ideologie als vielmehr die Wirkung im Vordergrund. "Mir ist jedes Maßnahmenpaket recht, das die Umweltbelastungen im Rahmen hält", betont er. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die wirtschaftliche Perspektive nicht ausgeblendet werden dürfe: "Der Bergbau muss aber auch am Leben erhalten werden - das ist eine ähnliche Position, die die Bürgerinitiative auch hat."Zuversicht trotz anhaltender Differenzen
Die Gemeinde will die Gespräche konstruktiv fortsetzen. Stolz zeigt sich zuversichtlich: "Wir sind auf einem konstruktiven Weg gelandet - ich hoffe, dass wir das beibehalten: Das ist die Grundlage." Seine Botschaft an alle Beteiligten ist eindeutig: Dialog, realistische Fakten und pragmatische Lösungen stehen im Vordergrund - Polarisierungen bringen niemanden weiter. (Constantin von Butler) +++