"Einfach machen!"
Sparkassen-Forum 2026 begrüßt Extremschwimmer André Wiersig
Fotos: Moritz Rös
14.02.2026 / BAD HERSFELD -
Der Mensch und die Natur - ein, so scheint es oftmals, unüberwindliches Dilemma. Gerade im Kontext des stetig weiter fortschreitenden Klimawandels stellt sich immer öfter die Frage: Kann die Wirtschaft prosperieren, ohne dass dies übermäßig zulasten der Umwelt geschieht?
Der Paderborner ist Extremschwimmer. Er durchquert die herausforderndsten Meeresstraßen der Welt – mit bloßer Muskelkraft. Bekannt wurde er in Deutschland vielen, als er als erster Mensch von der Nordseeküste ausgehend eine Strecke von mehr als 50 Kilometern zur Hochseeinsel Helgoland zurücklegte. Im Kontext dieses außergewöhnlichen Hobbys wurden die Meere - besser: Der Meeresschutz - über die Jahre hinweg zu Wiersigs persönlichem Herzensthema, infolgedessen er sogar das Ehrenamt des Botschafters der UN-Ozeandekade bekleidete.
Dauerkrisen und schier übermenschlicher Extremsport
Feierlich begrüßt wurden die rund 450 in der Stadthalle von Bad Hersfeld anwesenden Gäste von Ingo Lange, Vorstand der Bad Hersfelder Sparkasse: "Seit über 200 Jahren bieten wir als Sparkasse Dienstleistungen von und für Menschen. Persönliche Begegnungen sind dabei die Basis unseres Wirtschaftens. Umso mehr begrüße ich die langjährige Partnerschaft mit der Hersfelder Zeitung, mit der wir gemeinsam alljährlich die heutige Veranstaltung ausrichten."Dabei verwies Lange auch auf die aktuellen Schwierigkeiten in der Welt: "Die regelbasierte Ordnung scheint sich an vielen Stellen aufzulösen. Scheinbar geraten die Weltordnung und die subjektiv empfundene Sicherheit ins Wanken. Die Herausforderungen durch die Dauerkrisen der vergangenen Jahre werfen ihren Schatten – insbesondere auch auf die Wirtschaft. Dennoch konnten wir zuletzt wieder erfreuliche Nachrichten aus der Wirtschaft vernehmen – die deutschen Exporte sind seit 2 Jahren des Rückgangs im Dezember 2025 endlich wieder gewachsen. Es scheint trotz aller Krisen wieder bergauf zu gehen."
Wiersig nennt hier die innere Ruhe, sich stundenlang nur auf das Schwimmen konzentrieren zu können, fernab der Bürden des sonstigen Alltags. Seine Faszination für das Extremschwimmen führt er aber vor allem auch auf die brachiale Schlichtheit des Sports zurück. Dabei gäbe es kein Geschnörkel, keinen unnötigen Luxus, nur das absolut Allernötigste – eine Badehose, eine Schwimmbrille, vielleicht noch eine Badekappe.
"Man braucht natürlich auch eine Mannschaft, die auf einen vom Boot aus aufpasst. Eine Mannschaft, auf die man sich verlassen kann. Leute, denen man bedingungslos vertraut."
"Als würde mir jemand den Arm abreißen!", jede Menge Planung und überaus neugierige Meeresbewohner
Häufig würden die Routen und das ‚Drumherum‘ Monate bis Jahre im Voraus geplant. Für eine besonders schwierige Route im Bereich der Seychellen habe sich, so Wiersig, in einem ganzen Jahr lediglich ein kurzes Zeitfenster von etwa ein bis drei Tagen ergeben, in dem die Strömungsverhältnisse so abestimmt sind, dass ein Schwimmen von einer Insel zur anderen überhaupt möglich ist. Natürlich sind starke Strömungen bei weitem nicht das einzige Problem, mit denen sich Wiersig auf seinen Reisen durch die Ozeane dieser Welt konfrontiert sieht. Regelmäßig treffe er auch auf viel zu verspielte Delfine, übermäßig anhängliche Robben, sowie auch neugierige Haie. Bei Letzteren gäbe es allerdings nicht wie landläufig häufig angenommen, einen ausgeprägten Hunger auf Menschenfleisch – es gelte nur, dem Hai das Gefühl zu vermitteln, seine Anwesenheit wahrzunehmen. Eine grundsätzliche Aggressivität von Haien dem Menschen gegenüber verneint Wiersig vehement.
Beim Publikum glänzte Wiersig auch mit seiner gekonnten Selbstironie: "Die Leute denken immer, ich wäre als Extremschwimmer ein ebenso durchtrainierter Typ. Aber ihr seht ja: Die Realität sagt etwas anderes. Oder häufig treffe ich Leute, die glauben, ich lebe auf einer Insel mitten im Meer - aber ich lebe in Paderborn... in Paderborn! Und Paderborn ist keine Insel", und fügte mit einem Augenzwinkern als Anspielung auf den Klimawandel hinzu: "Naja, jedenfalls noch nicht!"
Ökonomie und Umweltschutz – unvereinbare Gegensätze?
In der an Wiersigs Vortrag anschließenden Diskussion wurde das Thema der Veranstaltung vertieft. In seinem Vortrag hatte Wiersig betont, man dürfe nicht immer nur den Blick auf das Negative richten; nicht nur auf das schauen, was schiefläuft in der Welt.Ingo Lange thematisierte daraufhin die Ausgangsfrage der Veranstaltung: "Wie kriegen wir Ökonomie und Umweltschutz zusammen? Wir alle wissen: Es ist richtig und wichtig, effizient und schonend mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Aber was können wir alle tun, um etwas zur Nachhaltigkeit beizutragen?"
Zum Ende der Diskussion brannte Markus Pfromm noch die Frage nach der Jugend im Kontext von Nachhaltigkeit und Umweltschutz unter den Nägeln. Wiersig zeigte sich gegenüber der jungen Generation optimistisch: "Nachhaltigkeit wurde in den letzten Jahren als Begriff zwar zusehends ausgehöhlt, missbraucht, auch von der Werbung. Ich denke aber, die Jugend, die junge Generation, hat eine andere Beziehung zum Konsum - viele junge Menschen schauen nicht nur auf das Geld, nicht nur auf den Preis, sondern fragen sich auch: Wo kommt das Produkt eigentlich her? Wie wurde es produziert? Das macht mir Hoffnung."