Tag der Werte an der Richard-Müller-Schule
"Visionen für ein friedliches Miteinander mit Leuchtschrift in Himmel schreiben"
Gemeinsames Lernen in einer von Toleranz und Offenheit geprägten Atmosphäre ist in der Richard-Müller-Schule (RiMS) gelebte Realität.
Fotos: Privat
14.02.2026 / FULDA -
Gemeinsames Lernen in einer von Toleranz und Offenheit geprägten Atmosphäre ist in der Richard-Müller-Schule (RiMS) gelebte Realität. Jährlich wird mit einem "Tag gegen Rassismus" mit vielfältigen Aktionen und Workshops das Thema neu reflektiert und erhielt in diesem Jahr auch einen neuen Schwerpunkt, der sich schon im Tagestitel niederschlägt: "Tag der Werte", zeigt sich doch in der heutigen Zeit, wie nötig unsere Gesellschaft Impulse für ein friedliches und wertvolles Miteinander braucht.
Bei der Auftaktveranstaltung im Handelszentrum startete Torsten Schumacher die Veranstaltung mit einem musikalischen Statement von Revolverheld "Alors on danse", das eine von Rechtsextremismus und Rassismus durchzogene Gesellschaft skizziert. Dass es dazu nicht kommen dürfe, davon sprach Schulleiter Jörg Demuth und sagte, dass dieser Tag ein Zeichen für Diskriminierungsfreiheit sein soll. Es handele sich nicht nur umPräventionsmaßnahmen, sondern die vielfältigen Aktionen und Workshops ermöglichten einaktives, tolerantes und demokratisches Miteinander zur Gestaltung des Schulalltags. Im Profil der Schule zeige sich dies in der mehr als zehnjährigen Teilnahme bei "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Als Gäste begrüßte Demuth Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Fulda, Ahmed Selcuk Özkan, Landeskoordinator Hessen von Schule ohne Rassismus, Ursula Flacke, Autorin, Claudia Hümmler-Hille, die ehemalige Direktorin der Schule und Dr. Michael Imhof, Verleger und Lokalhistoriker. Besonders dankte der Schulleiter Rolf Pauthner und Dr. Larbi Tajani, die für die Organisation des Tages verantwortlich waren.
Gunter Geiger, der sich freute, an der Veranstaltung teilzunehmen zu können, betonte, erkomme immer gern in die RiMS, da hier großartige, gesellschaftliche Arbeit in Hinblick auf Werte der Menschlichkeit stattfinde. Das Bistum sei gerne Kooperationspartner der Schule, da man gleiche Werte teile. Geiger erinnerte an die Verantwortung, die das Siegel "Schule ohne Rassismus" mit sich bringt, und zeigte auf, dass die Schule dies im besten Sinne zu leben versuche.
Dies bestätigt Schulsprecher Leon Fichtner als Teil der Schülervertretung und zeigte sich stolz auf das Siegel, das auf Initiative der damaligen Schülerschaft hervorgegangen ist - Pate ist übrigens der ehemalige Fußball-Nationalspieler Sebastian Kehl. Fichtner dankte für das Engagement der damaligen und aktuellen Schulleitung, die das Projekt auch mit der Organisation des "Tages der Werte" immer wieder neu belebe. Die RiMS und ihre Schülerschaft sähen Vielfalt als Stärke.
Ahmed Selcuk Özkan von der Hessische Landeszentrale für Politische Bildung, Leiter des "Netzwerks Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage", freute sich, an einer seiner Netzwerkschulen sprechen zu dürfen. In seiner Einarbeitungsphase habe er die RiMS als Schule kennengelernt, die sich auch ohne große mediale oder tagesaktuelle Anlässe, an ihr Versprechen hält, sich der Utopie einer Schule ohne jegliche Form von Diskriminierung anzunähern. Dieses Engagement ehrte Özkan mit der Verleihung der ersten Urkunde der Initiative an eine hessische Schule.
Impulse für den Tag lieferte Ursula Flacke mit einem Blick auf die Entwicklung des freien Willens und der freien Meinung vom Urknall bis heute. Beginnend der Schilderung, wie in der Schöpfung der Welt die Kreativität und der Wille zur Gestaltung entstanden seien, fragtesie sich und ihr Publikum: "Schränken Rassismus, fehlender Respekt vor dem Menschen neben dir den Schöpfungswillen ein?". Sie forderte dazu auf, 90 Jahre zurückzublicken, als kein Recht mehr auf eigene Meinung bestanden habe, sondern Gehorsam und "Stiefellecken" an der Tagesordnung gewesen seien. "Krönung" dieser fatalen Entwicklung sei die Ermordung unzähliger Menschen, allein von sechs Millionen jüdischen Mitmenschen gewesen. Immer wieder bezog Flacke in ihre eindringliche Präsentation das Grundgesetz mitein, zitierte Artikel daraus. Sie lenkte den Blick auf Elisabeth Selberts Kampf für die Verankerung der Gleichberechtigung von Frau und Mann im Grundgesetz und die Kraft und Verdienste der Trümmerfrauen. Immer wieder verwies sie auf Gefahren, denen die freie Meinung ausgesetzt gewesen ist. Dabei stellte sie fest, dass der Mensch sich von anderen Lebewesen durch die Fähigkeit zu denken unterscheide, was viele wohl noch nicht wüssten. In der heutigen Zeit sei Social Media als Quelle von Kreativität, aber auch als neues Korsett der Meinungsäußerung zu sehen. Angst vor Ausgrenzung und Hass, Angst sich selbst zu leben führe dazu, zu einer leicht manipulierbaren Marionette zu werden, "wortlos den Smartphones verfallen, eingesperrt in Filterblasen und Algorithmen." "Visionen für ein friedliches Miteinander sollten wir mit Leuchtschrift in den Himmel schreiben", formulierteFlacke einen eindringlichen Wunsch und wünscht den Zuhörenden den Mut, sich selbst zu erkennen: "Demokratie fängt bei dir an, es gilt, dafür reif zu werden."
In den anschließenden Workshops konnten alle Schülerinnen und Schüler ein bisschen mehr dieser Reife erlangen, z. B. bei der Auseinandersetzung mit jüdischem Leben in Fulda während der NS-Zeit (Leitung: Herr Dr. Imhof, Frau Hümmler-Hille), Was wirklich wichtig ist – Werte (Frau Gebala, Kath. Akademie) oder Menschenrechte und Minderheiten (Herr Hussein Al-Dawdi, grenzenlos). Die Arbeitsergebnisse aus den Gruppen wurden in einer gemeinsamen, von Rolf Pauthner moderierten Abschlussveranstaltung am Mittag präsentiert und diskutiert, zu der Jochen Kohlert als Vertreter des Magistrats der Stadt Fulda teilnahm und sich begeistert zeigte. (ms/pm) +++