Vom Nebeneinander zum Miteinander
In Fulda verwurzelt - Neujahrsempfang in der Ahmadiyya Moschee
Neujahrsempfang in der Ahmadiyya Moschee mit Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld
Fotos: Carina Jirsch
06.02.2026 / FULDA -
Seit 1984 ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Fulda, und ihr Neujahrsempfang gehört zu den traditionellen Veranstaltungen zu Beginn des Jahres. Wie in jedem Jahr waren interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreter anderer Religionsgemeinschaften und der lokalen Politik der Einladung in die Moschee an der Edelzeller Straße gefolgt.
Vielfalt der Gäste und Selbstverständnis der AMJ
Der Neujahrsempfang war bestens organisiert, die Gästebetreuer der Gemeinde kümmerten sich von Einparken über Schuhe ausziehen bis Weg in den Frauenbereich der Moschee umsichtig um alles. Warum Frauenbereich? Weil der im oberen Stockwerk liegende Männerbereich nur über eine Treppe zu erreichen ist und für den ein oder anderen Besucher so vielleicht schlecht zugänglich gewesen wäre. Grundsätzlich ist die gesamte Moschee für alle Besucher:innen zugänglich.
Unter den Gästen waren u.a. Mitglieder aus dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ und vom Runden Tisch der Religionen, Vertreter des Polizeipräsidiums Osthessens, Pfarrer Marvin Lange, Andreas Goerke (FSSQ), Christine Fischer (SPD), die Bürgermeister Timo Zentgraf (Künzell) und Ronny Günkel (Hilders), Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sowie Hammad Härter vom Vorstand der Hilfsorganisation Humanity First, die 1995 durch die Ahmadiyya Muslim Jamaat AMJ gegründet wurde.
Die AMJ ist eine religiöse Reformgemeinde, wobei ‚Reform‘ bedeutet, zu den Ursprüngen des Islam zurückzukehren. Gegründet wurde die AMJ 1889, und sie hat in Mirza Masroor Ahmad ihr spirituelles Oberhaupt. Etwa 10 Millionen Mitglieder gibt es weltweit, die Religionsgemeinschaft finanziert sich ausschließlich über Spenden der Mitglieder und hat weltweit 15.000 Moscheen. In Deutschland hat die AMJ 60.000 Mitglieder, 280 lokale Gemeinden und 82 Moscheen – eine Minderheit, verglichen mit den hier lebenden 6 Millionen Muslimen. In Fulda hat die AMJ ca. 430 Mitglieder. Sie versteht sich als Teil der Fuldaer Gesellschaft und gestaltet das Zusammenleben in der Stadt aktiv mit.
Jahresrückblick der AMJ in Deutschland
Der Neujahrsempfang begann mit einer Rezitation aus dem Koran, vorgetragen von Aaalischan Abbasi. Es folgte ein Video-Jahresrückblick 2025 für die AMJ in Deutschland. Klar, dass ein solcher Rückblick auf die Schokoladenseiten fokussiert und zeigt, wie die Gemeinschaft die eigenen Werte in die Tat umsetzt. Der zentrale Wert der AMJ – Liebe für alle, Hass für keinen – drückt sich in allen Aktivitäten aus, und es ist wichtig und richtig, das zu zeigen. Allerdings wirkte es in diesem Video doch sehr geschönt und vereinfacht. In Sachen Religion ist aber nichts einfach, sondern alles komplex.
In Fulda verwurzelt
Imam Ijaz Ahmed Janjua stellte die vielfältigen Aktivitäten der AMJ in Fulda da – vom traditionellen Neujahrsputz über die Monatstreffen zu unterschiedlichen Themen, die Aktivitäten der Frauen, dem gemeinsamen Fastenbrechen in Hilders, der Teilnahme am Runden Tisch der Religionen und der Interkulturellen Woche oder dem Stadtteilfest im Südend. Neu ist die überarbeitete Website der Moschee (www.moschee-fulda.de) und eine frisch gedruckte Informationsbroschüre, die Besucher:innen kostenlos mitnehmen können.
Die drei Grußworte wurden von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, dem Hilderser Bürgermeister Ronny Günkel und Hammad Härters, dem Bundesvorstand der AMJ Deutschland, gesprochen. OB Wingenfeld bedankte sich ausdrücklich für die klare Haltung der Gemeinde zum Miteinander und für die Wertschätzung kultureller Vielfalt. Das entspreche ganz dem hessischen Credo, dass Hesse sei, "wer das sein will und sich hier und heute zu uns bekennt" – formuliert hatte das so einst Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn. In einer wachsenden Stadt wie Fulda, in der inzwischen 140 Nationen lebten, gelänge Zusammenleben nur mit gegenseitigem Respekt und Anerkennung. In diesem Sinne sei die Ahmadiyya ein Brückenbauer.
Bürgermeister Ronny Günkel aus Hilders hob die schöne Tradition des gemeinsamen Fastenbrechens hervor, bei der man sich mit Respekt und Neugier begegne. Bundesvorstand Hammad Härter erklärte, wie wichtig es sei, die eigenen Werte ins Zentrum zu stellen, denn "diese Werte kommen von dem gemeinsamen Gott, den wir mit allen teilen." Jedem Menschen stünde es offen, eine wahre und lebendige Beziehung zu Gott zu leben.
Danach ging es zum ausgesprochen leckeren asiatischen Buffet – Raum und Gelegenheit für Austausch, Gespräch und Kennenlernen – ein schöner Abschluss der Veranstaltung. (Jutta Hamberger) +++