Scharfsinnige Gedanken

Ehemaliger CDU Generalsekretär Ruprecht Polenz zu Gast im Wohnzimmer

Ruprecht Polenz hat in seinem Buch "Tu was! Kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie" scharfsinnige Gedanken zusammengetragen.
Fotos: Marvin Myketin

07.02.2026 / FULDA - Ist die Demokratie in Gefahr, und wenn ja, wie kann man gegensteuern? Ruprecht Polenz hat in seinem Buch "Tu was! Kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie" scharfsinnige Gedanken zusammengetragen.



Für die Omas gegen Rechts und dem Stadtteiltreff "Welcome in Wohnzimmer " Grund genug, den 79-jährigen ehemaligen CDU-Generalsekretär zu einer Lesung mit anschließender Diskussion einzuladen. Die Resonanz war stark: Jeder Platz im "Wohnzimmer" war besetzt. Für die Omas gegen Rechts begrüßte Cornelia Thiessen-Westerhoff.

Sie wies unter anderem darauf hin, dass Polenz Mitbegründer des Netzwerkes : Compass Mitte" ist, in dem sich Christdemokraten zusammengefunden haben, die die christlichen und liberalen Werte der Partei stärker betonen wollen.

"Von der Fuldaer CDU ist da niemand dabei" bemerkte sie. Polenz selbst räumte ein, dass ihm derzeit die konservative Komponente in der Union zu stark sei. "Demokratie muss man lernen", postulierte der CDU'-Politiker. Er gehöre zu den zwei Dritteln der Deutschen, die sich Sorgen um die Demokratie machten. Dabei sei es ein Glück, in einer solchen Staatsform zu leben. Lediglich 24 Länder auf der Welt seien Demokratien im Sinne des Grundgesetzes. Demokratie lerne man durch Ausprobieren; sie sei kein Zuschauersport. "Wer in seinem Leben noch nie einen Kompromiss ausgehandelt hat, weiß nicht, was Demokratie heißt".

"Zum Trainieren böten Vereine, Kirchen und Gemeinden vielfältige Möglichkeiten. Und die Staatsform lohne sich. Es ging den Menschen in Deutschland nie besser als heute". Die Feinde der Demokratie würden jedoch die Wahrheiten verkehren; Polenz nannte Donald Trump und die AfD. Ein Verbotsverfahren gegen die Rechtspopulisten befürwortete er. Als politisches Mittel gegen die AfD empfahl er, nicht immer über Migration, sondern über Demografie zu reden. Ohne Zuwanderung würde Deutschlands Bevölkerung jährlich um 1,7 Millionen Menschen schrumpfen, "einmal München ", und ohne Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund müssten schon jetzt sämtliche Krankenhäuser in Deutschland dichtmachen. Gegen rechtes Gedankengut empfahl Polenz Zivilcourage.

Sexistischen oder rassistischen Sprücheklopfern solle man im Alltag entgegentreten. Auch könne jeder zum Influencer werden, indem er in sozialen Medien Beiträge, die ihm gefallen, liken oder teilt. Damit könne sich die Reichweite solcher Artikel verhindern oder gar vertausendfachen. Zudem rief Polenz auf, sich in demokratischen Parteien zu engagieren. "Suchen Sie nicht die Partei, mit der Sie zu 100 oder 90 Prozent einverstanden sind, die werden sie nicht finden".

Er selbst bezifferte seine Zufriedenheit mit der CDU bei 70 Prozent, "im Bund manchmal weniger", aber in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen deutlich höher Und als Tipp für den Alltag empfahl er, öfter einmal "Danke" zu sagen. Das bestärkte Engagierte und machte gute Laune. Die finde man bei der AfD nämlich nicht. (Bernd Götte) +++

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