Sechs Monate Handyverbot

Sind die Smartphone-Schutzzonen wirksam? Das Halbjahres-Fazit

Das Smartphone-Verbot während der Schulzeit stößt nicht überall auf Zustimmung
Symbolbild: Pixabay

14.02.2026 / REGION - Seit Beginn des Schuljahres 2025/2026 gilt an Hessens Schulen ein Handyverbot. Die vielfach diskutierte und von Schülern kritisierte Maßnahme ist nun seit über einem halben Jahr im hessischen Schulgesetz verankert. Wie ist die Bilanz nach fast sechs Monaten? Konzentrieren sich Schüler nun wirklich besser auf den Unterricht? Und wie konsequent werden die Gesetze innerhalb der Schulen durchgesetzt und kontrolliert? Wir haben bei Elias Philipp Herzog, Kreisschülersprecher im Landkreis Hersfeld-Rothenburg und Dr. Ulf Brüdigam, Direktor der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda, nachgefragt, inwiefern sich das Gesetz auf den Schulalltag auswirkt.



Elias Philipp Herzog äußerte schon im vergangenen Jahr Kritik zum geplanten Gesetz. Ein Handyverbot sei nicht zeitgemäß und es wäre viel wichtiger, die Medienkompetenz zu stärken, statt mit Verboten rückschrittig zu werden, betonte er im Gespräch mit O|N nochmals. Die Handynutzung sei auch in vielen Bereichen nicht gesunken, sondern würde weiterhin im Geheimen praktiziert werden. "Man hat durch das Verbot ein Klima der Angst geschaffen, welches nur mehr Heimlichtuerei herbeiführt", so Herzog. Aus diesem Grund würden sich viele Schüler tatsächlich noch schlechter konzentrieren als zuvor.

Dass im Geheimen weiterhin das Smartphone verwendet wird, ist auch Dr. Ulf Brüdigam von der Freiherr-vom-Stein-Schule bewusst. Dieser zieht aber bisher eine positive Bilanz – auch wenn die Umsetzung für die Lehrkräfte arbeitsintensiv ist. Sollten Schüler bei unerlaubter Nutzung erwischt werden, haben die Lehrer die Befugnis, das mobile Endgerät einzuziehen und bis zum Ende des Unterrichtstages zu verwahren. "Die Schüler sind sensibler für die Nutzung geworden", so der Schulleiter. "Es gibt auch öfters Konflikte beim Einsammeln. Das zeigt, wie verwurzelt die Sucht ist und wie wichtig dementsprechend die neuen Regelungen sind", führte er weiterhin aus. Für den schulischen Gebrauch dürfen Schüler der Sekundarstufe II in bestimmten Zonen das Smartphone benutzen. In den unteren Klassen gibt es ein generelles Verbot ab Betreten des Schulgeländes.

Fakt ist: Die Meinungen bleiben wie auch zuvor gespalten. Längerfristig muss abgewartet werden, inwiefern sich das Verbot tatsächlich positiv auf die Entwicklung und das Lernverhalten von Schülern auswirkt. Stand jetzt hat sich die Handynutzung wohl nicht überall merklich verringert und auch nicht überall hat das Gesetz Früchte getragen. Andererseits können durch die klareren Regeln Verstöße gegen die Schulordnung einfacher wahrgenommen werden und man kann erkennen, dass sich etwas am Verhalten der Schüler ändert. Wie sich das Verbot in der Zukunft weiterhin auswirkt, bleibt abzuwarten. (pg)+++

Elias Philipp Herzog, Kreisschülersprecher im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Foto: FDP Hersfeld-Rothenburg
Dr. Ulf Brüdigam ist Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda
Archivfoto: O|N/ Laura Struppe

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