40 Jahre voller Abenteuer

"Mein Werk soll mit mir zu Ende gehen" - Griebel schließt seine Bergsportschule

Rainer Griebel schließt zum September 2026 seine Bergsportschule Rhön.
Fotos: Rene Kunze

01.02.2026 / POPPENHAUSEN (WAKU) - Ob den Mont Blanc in Frankreich, die Alpen in Italien oder die Steinwand in Poppenhausen (Landkreis Fulda): Er hat sie alle erklommen! Rainer Griebel ist Bergsteiger durch und durch - eben einer, der die Welt gesehen und auf unzähligen Gipfeln seine Spuren hinterlassen hat. Vor rund 50 Jahren machte er sein Hobby zum Beruf und gründete nur ein Jahrzehnt später seine eigene Bergsportschule. "Ich habe mich voll und ganz dem Sport verschrieben", erzählt er stolz im exklusiven Gespräch.


Wir von OSTHESSEN|NEWS haben den heute 76-Jährigen vor Ort getroffen, um herauszufinden, was für ein Mensch eigentlich hinter Rainer Griebel steckt. Direkt zu Beginn wurde deutlich spürbar : Bergsteigen ist seine ganz große Passion, sein Rückzugsort und ein Anker in allen Lebenslagen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er nach 40 Jahren Betrieb seine Schule schließen wird - und das tut er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

"Die Anfänge waren blutig, wir haben nicht immer alles richtig gemacht"

Rainer Griebel entdeckte das Bergsteigen für sich, als er gerade einmal 21 Jahre alt war. Er studierte Mathematik und Geografie - arbeitete später als Gymnasiallehrer an der Marienschule Fulda. Damals war das Klettern noch eine echte Nischensportart, die im Laufe der Zeit aber immer mehr an Beliebtheit gewonnen hat. Während seines Studiums spezialisierte er sich auf Themen rund um Gletscher und irgendwann führte eins zum anderen. Die Steinwand, heute die wohl bekannteste Felsformation der Rhön, war damals noch weitgehend unberührt - bis Griebel und ein Freund begannen, sie zu erkunden. "Die Anfänge waren blutig, denn wir haben nicht immer alles richtig gemacht", lässt er die Zeit mit einem Schmunzeln im Gesicht Revue passieren. Mit 26 Jahren wurde er Bergführer, trat in zahlreichen Talkshows auf und reiste von Ort zu Ort.

"Mir kamen immer neue Ideen, die ich eingebracht habe"

1986 fasste er den Entschluss, eine eigene Bergsportschule aufzumachen und seinen sicheren Beruf als Lehrer an den Nagel zu hängen. "Das war damals etwas Besonderes, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen", erzählt er. Die Schule (Georgstraße 23 in Poppenhausen) bietet rund 200 Quadratmeter Kletterfläche und die Steinwand liegt nicht weit entfernt. Neben Kursen vor Ort organisierte Griebel auch Wanderungen und Touren in vielen Ländern, die großen Zuspruch fanden. "Mir kamen immer wieder neue Ideen, die ich eingebracht habe", sagt er.

Über all die Zeit hat er seine Leidenschaft voll ausgelebt. Er blickt jetzt auf unzählige schöne, aber auch schwere Momente zurück - Erfahrungen, die ihn geprägt haben. "Man wird älter. Eigentlich wollte ich mit 70 aufhören, aber es hat sich nicht ergeben", erzählt er. Nun, sechs Jahre später, ist für ihn im September Schluss. Die Schule weitergeben, möchte er nicht. "Ich möchte, dass mein Werk mit mir zu Ende geht", sagt er abschließend gegenüber O|N.

Dem Sport selbst bleibt Rainer jedoch treu - nur eben in einem anderen Rahmen. Und nach all den Jahrzehnten voller Einsatz hat er sich diesen ruhigeren Lebensabschnitt mehr als verdient. (js)+++

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