Firmenpleiten erreichen Zehn-Jahres-Hoch

Überschuldet und insolvent: Osthessen rutscht tiefer in die finanzielle Krise

Die Lage spitzt sich zu! Nach Jahren der Entspannung kehrt die Überschuldung zurück.
Symbolbild: Pixabay

23.01.2026 / REGION - Die finanzielle Lage in Osthessen spitzt sich zu. Nach Jahren der Entspannung kehrt die Überschuldung zurück - und gleichzeitig erreichen Firmenpleiten ein neues Zehn-Jahres-Hoch. Zahlen von Creditreform zeigen: Sowohl private Haushalte als auch Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. Die Entwicklungen greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig.



Nach sechs Jahren rückläufiger Zahlen ist die Zahl überschuldeter Menschen in Osthessen 2025 wieder deutlich gestiegen. Insgesamt gelten 11.868 Bürger über 18 Jahre als überschuldet - 475 mehr als im Vorjahr. Die Schuldnerquote erhöhte sich von 6,26 auf 6,43 Prozent. Zwar liegt Osthessen weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt, doch der Trend zeigt klar nach oben. "Die Trendwende ist da - und sie kommt mit Ansage", sagt Wolfram Busold, Geschäftsführer der Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG: "Nach Jahren des Angst-Sparens sind die finanziellen Puffer vieler Menschen schlicht aufgebraucht."

"Überschuldung ist kein Randphänomen"

Besonders auffällig: Überschuldung betrifft längst nicht mehr nur klassische Risikogruppen. Laut SchuldnerAtlas geraten zunehmend Menschen mit mittlerem oder sogar überdurchschnittlichem Einkommen in finanzielle Schieflagen. Busold stellt klar: "Überschuldung ist kein Randphänomen mehr." Viele hätten ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzt - trotz stabilem Einkommen und geregeltem Alltag.

Ein Warnsignal ist der gleichzeitige Anstieg harter und weicher Überschuldung. Juristisch relevante Fälle wie Privatinsolvenzen nahmen ebenso zu wie anhaltende Zahlungsstörungen. "Wenn beide Formen gleichzeitig steigen, spricht das für eine breite strukturelle Verschlechterung der privaten Finanzen", erklärt Busold. Besonders junge Menschen unter 30 Jahren und Ältere über 60 Jahre sind betroffen. "Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit."

Mittelstand steht enorm unter Druck

Parallel dazu verschärft sich die Lage bei den Unternehmen. 2025 meldeten deutschlandweit 23.900 Firmen Insolvenz. In Osthessen ist der Anstieg besonders deutlich: Allein im Landkreis Fulda stieg die Zahl der Insolvenzen von 36 auf 45. Zuletzt sorgte die Schließung von Goodyear in Fulda für Aufsehen. "Viele Betriebe sind hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung", so Busold. Das setze vor allem den Mittelstand massiv unter Druck.

"Hohe Kosten, Bürokratie und Konjunkturschwäche"

Auch die Folgen sind gravierend: Gläubiger müssen bundesweit Schäden von rund 57 Milliarden Euro verkraften, Hunderttausende Arbeitsplätze sind betroffen. Und der Blick nach vorn bleibt düster. "Hohe Kosten, Bürokratie und die anhaltende Konjunkturschwäche werden das Insolvenzgeschehen weiter antreiben", warnt Busold. Osthessen steht damit vor einer finanziellen Bewährungsprobe - bei Verbrauchern wie bei Unternehmen. (Constantin von Butler) +++

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