Nachfolger für Praxis gesucht
Rente ja, Abschied nein: Hausarzt Raschkewitz ringt um Zukunft seiner Patienten
Fotos: Erik Spiegel
26.01.2026 / BURGHAUN -
Durch ein Instagram-Video wird seine Geschichte publik und macht klar: Ihm liegt etwas an seiner Arbeit - und vor allem an den Menschen. Hausarzt Klaus-Peter Raschkewitz geht bald in seine vollverdiente Rente, freut sich aber nicht nur auf die Zeit mit seiner Verlobten Petra und den Kindern sowie Enkelkindern, sondern sorgt sich auch um die Zukunft seiner geliebten Praxis: Es gibt aktuell niemanden, der die Praxis in der Gemeinde Burghaun (Landkreis Fulda) weiterführt.
Das Video stellt eine Parodie zur bekannten Serie "Bergdoktor" dar und macht mit Charme und Witz auf die leider sehr aktuelle Herausforderung aufmerksam: Ohne Raschkewitz ist die Praxis - und so auch die Versorgung der etwa 1.200 Patienten - seinem Ende geweiht. Bereits seit 34 Jahren existiert sie in der Schlossstraße 5. Nun möchte er seinen Kittel bildlich weitergeben. Im Video macht er klar: "Ich wünsche mir, dass es weitergeht und die Patienten, die ich über die Jahre betreut habe und die mir ihr Vertrauen entgegengebracht haben, weiterversorgt werden." Ein großes Problem: der Ärztemangel. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erklärt der Arzt die aktuelle Situation und bietet Einblicke, wie es weitergehen könnte.
Es soll weitergehen, doch: "Ich spüre den Ärztemangel extrem"
"Wenn ich komplett aufhöre und schließen muss, was wird aus den Patienten? Sie stehen alle erstmal alleine da", sorgt sich Raschkewitz. Auch sein langjähriges Wissen würde so mit der Zeit verloren gehen. "Ich verstehe die Angst, selbstständig zu sein, man ist selbst verantwortlich. Aber darin liegen auch die Vorteile. Man kann nach seiner eigenen Medizin handeln und die direkte, enge Verbindung zu den einzelnen Patienten ist etwas ganz Besonderes." So hat der Hausarzt zahlreiche persönliche Geschichten mit seinen Patienten. An der Seite eines Patienten hatte er mal einen Herzinfarkt und weitere Krankheiten durchgestanden. Aber auch lustige und kuriose Erlebnisse gab es in den vielen Jahren. "Es kam mal eine Patientin zu mir, die früher schon immer da war. Sie wurde von einem Schwein gebissen und brachte dann Schwartenmagen mit, angeblich von diesem Schwein", lacht er. Allgemein sei im gesamten Ort das ländliche Vertrauen und die Freundlichkeit spürbar. All das - diese Geschichten und auch das Behandeln - wird ihm fehlen. Die Hoffnung bleibt: Versorgung muss gesichert werden
Die gesamte Situation belastet den 66-Jährigen sehr: "Das macht mir viele schlaflose Nächte. Ich weiß nicht, wie es für die Patienten und ihre Versorgung weitergeht. Außerdem fürchte ich mich davor, selbst nicht mehr helfen zu können." Voller Herzblut war er für seine Patienten da und so hofft er, dass auch sein Nachfolger mit Leidenschaft und Hingabe arbeitet. "Es ist wirklich eine tolle Praxis und ich hoffe, dass diese Versorgungsstelle nicht wegbricht." Der Wunsch ist klar: "Ich wünsche mir, dass sich jemand findet, der für alle Patienten da ist und Freude am Kontakt mit den Patienten hat."