Minister greift zur Bohrmaschine

Großer Bahnhof für Haus zum Roten Ochsen - Denkmalpreis-Plakette hängt

Minister Timo Gremmels bohrt Löcher für die Denkmalpreisplakette
Fotos: Marvin Myketin

16.01.2026 / FULDA - Über 50 Gäste blockierten am Donnerstagmittag die Mittelstraße in Fulda – zur Verwunderung von Autofahrern und Passanten. Kein Wunder, denn einen Minister mit der Bohrmaschine sieht man nicht alle Tage in Aktion. Und obwohl Timon Gremmels (SPD) vermutlich eher selten handwerklich unterwegs ist, wurde er der ehrenvollen Aufgabe voll gerecht: Am Haus zum Roten Ochsen prangt jetzt neben dem Eingang die Plakette, die belegt, dass die denkmalgerechte Sanierung dieses Schmuckstücks preiswürdig ist.


Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hatte bei der Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises in Schloss Biebrich im letzten Jahr spontan versprochen, die Plakette am ausgezeichneten Objekt eigenhändig anzubringen. "Und was man versprochen hat, muss man auch halten", sagte er beim Ortstermin. Zuvor habe er sich von der hervorragenden Küche des Restaurants Tondas überzeugen lassen und war voll des Lobes für Kunst und Kulinarik. Gremmels betonte, die gelungene Sanierung sei das Ergebnis des außergewöhnlichen Engagements der Eigentümerfamilie Mans sowie der engen Zusammenarbeit mit Denkmalbehörden, der Stadt Fulda und Fachleuten aus Architektur, Planung, Restaurierung und Handwerk. Sie habe Vorbildfunktion und zeige, wie sich denkmalgeschützte Gebäude erfolgreich bewahren und zeitgemäß nutzen lassen. "So trägt Denkmalschutz zu Identität, nachhaltiger Bauentwicklung und lebendigen Innenstädten bei. Dieses herausragende Zeugnis der Fuldaer Stadtgeschichte beeindruckt mich sehr und macht deutlich, dass der Einsatz der Preisträger und aller an der Sanierung Beteiligten sich gelohnt hat."

Geld der Lottospieler für die Denkmalpflege

Martin J. Blach, Sprecher der Geschäftsführung von Lotto Hessen, erklärte: "Die Familie Mans hat gezeigt, dass mit Mut, Leidenschaft und viel Liebe zum Detail etwas Besonderes entstehen kann – ein Ort, der Geschichte und Moderne auf besondere Weise verbindet. Diesen vorbildlichen Einsatz für unser kulturelles Erbe unterstützt Lotto Hessen über den Hessischen Denkmalschutzpreis und die Erträge der Rubbellose seit inzwischen 40 Jahren. Die heute angebrachte Plakette soll das Engagement der Eigentümer sichtbar machen und andere inspirieren – jetzt und in Zukunft."

Die Bauherren Alexandra und Michael Mans hatten bei dieser Gelegenheit die wechselvolle Geschichte des Gebäudes und der aufwendigen Sanierung noch einmal Revue passieren lassen. "Die Mittelstraße hieß früher ‚Nächst dem Roten Ochsen‘, was einmal mehr dessen Bedeutung zeigt", sagte Mans. Ein Denkmal zu erwerben habe für ihn und seine Familie im Wortsinn bedeutet, erst mal darüber nachzudenken. Schnell sei klar geworden, dass man dem Anspruch des Hauses nur mit Profi-Handwerkern gerecht werden würde. "Dann haben wir es zu einem Familienobjekt ausgeweitet. Die vier Kinder Julian, Janis, Noah und Sophia waren von Anfang an mit im Boot. "Und mein Vater hat den Schutt von der Baustelle mit seinem Trecker abgeholt", berichtet der Hausherr, der sich ausdrücklich auch für die unterstützende Begleitung der hiesigen Denkmalschutzbehörde bedankte.

"Konzept des Tondas matcht"

"Dass wir dann auch noch unseren Wirt Antonin Krejbich und seine Frau als Pächter gefunden haben, die hier ihr tolles Gastrokonzept mit tschechischem Bier und Barbecue umgesetzt haben, hat einfach gematcht", freut sich Mans, der die Gäste einlud, nach der Schildanbringung im Tondas gleich etwas "gegen die Dehydrierung" zu tun.

Im hellen Gastraum des Tondas fallen sofort die außergewöhnliche Einrichtung und die großen Fenster auf, die der historischen Gestaltung entsprechen. Und ein großes Porträt fällt ins Auge: Es stellt den bekannten Fuldaer Kaufmann Robert Kircher dar, der Erbauer und Eigentümer des Hauses und Namensgeber der Robert-Kircher-Straße war. Eines Tages sei eine ihr unbekannte Dame gekommen und habe ihre Rührung zum Ausdruck gebracht, berichtet Hausherrin Alexandra Mans. "Ich muss immer weinen, wenn ich hier vorbeikomme", habe sie gesagt und auf Nachfrage erklärt, sie sei die Frau des Enkels von Robert Kircher und freue sich so, dass das Haus wieder sein ursprüngliches Erscheinungsbild erhalten habe. "Und dann kam Barbara Kircher und brachte uns das Porträt, das bislang bei ihr hing, weil sie fand, es gehöre einfach hierher." Seitdem blickt Robert Kircher zufrieden aus seinem Rahmen auf die gelungene Sanierung des "Roten Ochsen". (Carla Ihle-Becker)+++

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