Mit 780 km/h
"Es klang beängstigend": Bundeswehr-Tornados im 400-Meter-Tiefflug
Symbolbild: Pixabay
17.01.2026 / GEMÜNDEN -
Was war das für ein Lärm? An den vergangenen drei Abenden hörten O|N-Leser über der Gemeinde Gemünden (Felda) im Vogelsbergkreis gegen halb acht einige Flieger am Himmel. Erstmal nichts Ungewöhnliches, wären die Flugzeuge nicht tief und mit hoher Lautstärke unterwegs gewesen.
"Es klang beängstigend vier Flieger innerhalb einer Viertelstunde zu hören", schreibt uns ein Leser. Was waren das für Flieger und warum flogen sie drei Abende in Folge über die Gemeinde? Ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr klärt auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS auf: "Bei dem gemeldeten Flugbetrieb handelt es sich um Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders aus Büchel im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz, die von Nörvenich (Nordrhein-Westfalen) aus Nachtflüge durchführten."
Trainingsflüge über Gemünden
Dabei lag die Gemeinde Gemünden unter einem Streckenabschnitt genau dieses Nachttiefflugsystems. "Am 13. Januar flogen vier Tornado auf der Nachttiefflugstrecke über Gemünden. Am 14. Januar flogen drei Tornado auf der Strecke über Gemünden", so der Sprecher. Am Donnerstagabend flog noch einmal ein Tornado. Dabei waren die Tornado in etwa 400 Meter über Grund, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 780 km/h."Die Flüge wurden im Rahmen des normalen Trainingsflugbetriebs unter Beachtung der flugbetrieblichen Bestimmungen durchgeführt." Der Sprecher erklärt weiter: "Im Gegensatz zu militärischen Tiefflügen am Tag, die im Rahmen der freien Streckenplanung durchgeführt werden, wurde für die Durchführung von militärischen Tiefflügen in der Nacht aus Sicherheitsgründen ein Korridorsystem eingerichtet, welches besondere Anforderungen an die Hindernisfreiheit erfüllt. Diese Korridore sind etwa zehn Kilometer breit und erstrecken sich über weite Teile des Bundesgebiets. Innerhalb der Korridore sind Flüge bis zu einer Mindestflughöhe von 1.000 Fuß (ca. 300 m) über Grund zulässig und können montags bis donnerstags zwischen 30 Minuten nach Sonnenuntergang und 24 Uhr Ortszeit durchgeführt werden."
Bürger können Beobachtungen melden
Vonseiten der Bundeswehr wird betont, dass versucht werde, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Deutschland und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von rund 800 km/h, gäbe es jedoch keine ausreichend dimensionierten, unbewohnten Gebiete, über denen der militärische Flugbetrieb ohne jegliche Lärmbelastung für die Bevölkerung durchgeführt werden könne. "Um die Ausbildungsflüge zur Nachtzeit auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren, werden diese Einsätze hauptsächlich in den Herbst- und Wintermonaten absolviert. Dadurch, dass in dieser Jahreszeit die Dunkelheit wesentlich früher eintritt, können auch die entsprechenden Nachtflüge früher durchgeführt und beendet werden." In den Sommermonaten müssten solche Flüge deutlich nach 22 Uhr Ortszeit durchgeführt werden.Für die Bürger hat die Bundeswehr im Internet allgemeine Informationen zum militärischen Flugbetrieb bereitgestellt. "Auch ein Bürgertelefon ist eingerichtet, sodass sich die Bevölkerung auch unmittelbar mit ihren Beobachtungen an uns wenden kann." (lu) +++