Volles Haus beim Infoabend

Kaliberg wird zum Sanierungsfall erklärt: "Neuausrichtung ist erforderlich"

Wie kann der Kalibergbau in Neuhof künftig nachhaltig, umweltverträglich und verantwortungsvoll gestaltet werden?
Archivbilder: O|N / Carina Jirsch

15.01.2026 / NEUHOF - Das Gemeindezentrum ist komplett gefüllt, Stühle werden nachgestellt, viele Besucher stehen. Der Infoabend der Bürgerinitiative (BI) Umwelt Neuhof zeigt eindrucksvoll, wie sehr das Thema Kaliberg die Menschen bewegt. Zwischen fachlichen Gutachten, politischen Rahmenbedingungen und deutlichen Worten der Bürgerinitiative geht es vor allem um eine zentrale Frage: Wie kann der Kalibergbau in Neuhof künftig nachhaltig, umweltverträglich und verantwortungsvoll gestaltet werden?



"Eigentlich wollten wir pünktlich anfangen, aber wir müssen noch mehr Stühle stellen", sagt Hubert Enders von der BI Umwelt Neuhof gleich zu Beginn. Der volle Saal sei ein starkes Zeichen. Die Bürgerinitiative arbeite "unermüdlich für unsere gemeinsamen Ziele" und mache deutlich: "Wir sind viele - und hoffen, noch weitere Mitstreiter zu gewinnen." Enders betont, dass es der BI nicht um Emotionalität gehe. "Wir verwenden Fakten als Grundlage für unsere Arbeit."

Dabei wird schnell klar: Die BI ist nicht grundsätzlich gegen den Bergbau. "Wir sind für den Bergbau in Neuhof - allerdings nachhaltig und in Einklang mit Mensch und Natur. Die Technik dafür hat K+S - sie muss nur angewendet werden." Immer wieder stellt Enders die entscheidende Frage: "Wie geht es nach 2035 weiter?"

Eckpunktevertrag als Wendepunkt

Zentraler Bezugspunkt des Abends ist die Eckpunktevereinbarung, die im Mai 2023 einen Neustart markierte. Dr. Karl-Ludwig Ruppel spricht von einem Durchbruch: "Im Mai 2023 kam es zu einem Neustart durch die Eckpunktevereinbarung. Das war ein Paukenschlag zum Schutz der Menschen." Möglich geworden sei dies nur durch den öffentlichen Druck. "Dieser Vertrag dient dem Schutz der Menschen und dem Schutz des Naturraums."

Ruppel lobt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde: "Mit Heiko Stolz haben wir die Vereinbarung zustande bekommen und über die vergangenen Jahre konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten können - das ist nicht selbstverständlich." Die Eckpunkte sehen nachhaltigen Bergbau vor, ohne weitere Vergrößerung der Halde. Klar sei auch: "2035 endet die Erlaubnis für die Aufhaldung auf dem Kaliberg."

Gleichzeitig übt Ruppel scharfe Kritik an K+S. Sein deutlichstes Statement sorgt für spürbare Reaktionen im Saal: "987 Tage sind vergangen seit der Eckpunktevereinbarung, in der K+S noch keinen einzigen Kompromiss angeboten hat. Das Unternehmen bleibt in seinem Schneckenhaus - man will das Problem offensichtlich aussitzen."

Monte Kali als ökologisches Problem

Der Monte Kali ist längst mehr als ein markantes Landschaftsbild. "Der Sanierungsfall Monte Kali ist eine doppelte Herausforderung für die Region. Für die Menschen ökonomisch und für die Natur ökologisch", sagt Ruppel. Seine Bewertung ist eindeutig: "Der Monte Kali ist ein Symbol von Neuhof, aber ein akuter Sanierungsfall." Daraus folge zwingend: "Eine grundlegende Neuausrichtung ist erforderlich."

Sabine Waschke erinnert an die frühere Planung von K+S. "Durch die historische K+S-Abfallplanung aus 2022 wäre es zur größten Müllhalde der Welt gekommen." Das habe einen massiven Widerstand ausgelöst. "Nachhaltiger Bergbau ist uns wichtig." Die BI habe zunehmende Schäden festgestellt. "Die Ergebnisse haben unsere Vermutungen bestätigt: Die Umwelt wird durch Sickerwässer geschädigt." Die Minimierung dieser Sickerwässer gehöre zu den Kernpunkten der Vereinbarung.

Deutliche Warnungen aus der Wissenschaft

Für die fachliche Einordnung sorgt der Geologe Dr. Ralf Erhard Krupp. Seine Analyse fällt alarmierend aus. "Wir haben massive Veränderungen in der Grundwassersituation." Die Halde könne langfristig nicht stabil bleiben. "Unterhöhlte Bereiche können einstürzen." Besonders kritisch: "Etwa die Hälfte des Haldenwassers versickert ins Grundwasser." Die Konsequenz sei eindeutig: "Solange Salz an der Oberfläche liegt, werden wir das Problem nicht gelöst bekommen."

Auch Dr. Peter Veckenstedt spricht Klartext: "Die Kalihalde ist ein Sanierungsfall." Es brauche "dringend zielgerichtete Maßnahmen". Eine Entsalzung könne "in wenigen Jahren Wirkung entfalten", doch die Sickerwässer blieben "auf absehbare Zeit das größte Problem".

Gemeinde setzt auf Dialog

Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) bewertet den Abend als wichtiges Signal. "Diese Veranstaltung zeigt, dass die Bürger Interesse an ihrer Gemeinde haben. Der Saal ist so voll wie bei sonst keiner Veranstaltung im Jahr." Die Gemeinde sehe sich als Vermittler. "Wir sind die Schnittstelle zwischen den einzelnen Akteuren." Sein Appell zum Abschluss: "Wir müssen im Dialog bleiben. Der Dialog heißt, dass wir zusammenbleiben."

Nach den Vorträgen entwickelt sich ein reger Austausch mit den Gästen. Fragen, Anmerkungen und Diskussionen zeigen: Das Thema Kaliberg wird Neuhof noch lange beschäftigen. (Constantin von Butler) +++

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