Sitzung des Sicherheits- und Resilienzrates
Innenminister Poseck: "Krisenvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe"
Foto: Hessisches Ministerium des Inneren, für Sicherheit und Heimatschutz
14.01.2026 / WIESBADEN -
Vorbereitung ist das A & O: Am Mittwoch hat im Innenministerium eine Sitzung des Sicherheits- und Resilienzrates stattgefunden, zu der Innen- und Heimatschutzminister Roman Poseck (CDU) die Vertreter aller Ressorts der Hessischen Landesregierung eingeladen hatte. Das bereits 2023 gegründete Gremium, dem alle Ministerien der Landesregierung angehören, beschäftigt sich mit der Vorbereitung auf Krisen und der Steigerung der Widerstandsfähigkeit Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) hierzulande. Ein Schwerpunktthema in der Sitzung war aus aktuellem Anlass auch der Stromausfall in Berlin und mögliche Konsequenzen für Hessen.
Hessen sei gut auf Krisenfälle vorbereitet: "Unser ressortübergreifender Sicherheits- und Resilienzrat beschäftigt sich mit der Vorbereitung auf Krisen und der Steigerung der Widerstandsfähigkeit von KRITIS. Er sorgt dafür, dass die einzelnen Maßnahmen des Landes ineinandergreifen. Die in dem Gremium erarbeitete Resilienzstrategie identifiziert Schwachstellen, stellt die staatliche Handlungsfähigkeit in Krisenlagen sicher und steuert das Handeln insgesamt." Zahlreiche konkrete Maßnahmen wurden bereits angestoßen oder umgesetzt, so der Minister, etwa in der zivilen Alarmplanung, der technischen Behördenkommunikation oder der Orientierung an Referenzszenarien. "Darüber hinaus haben wir zu aktuellen Sicherheitsthemen einen ‚Gemeinsamen Sicherheitsdialog‘ mit Vertretern hessischer Ministerien, Sicherheitsbehörden, der Bundeswehr und US-Streitkräfte sowie der Wirtschaft initiiert."
Auf mögliche Ausfälle vorbereitet sein
Zum Schutz von KRITIS gehört für den Innenminister auch die Verringerung von Vulnerabilitäten. "Deshalb hat die Innenministerkonferenz vor Weihnachten in Bremen auf hessische Initiative hin gefordert, dass Veröffentlichungsregeln in Fachgesetze und EU-Regelungen entsprechend angepasst werden, damit sensible Daten von KRITIS und Sicherheitsbehörden nicht mehr verpflichtend veröffentlicht werden müssen. Solche Informationen können gezielt für Angriffe missbraucht werden." Dieser Forderung habe sich jüngst auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft angeschlossen. "Gleichzeitig bleibt es unsere Aufgabe, die Bevölkerung transparent zu informieren und auf Krisen vorzubereiten. Hier gilt es, ein verantwortungsbewusstes Gleichgewicht zwischen Informationsfreiheit und Schutzinteresse zu finden."
Lang andauernder Stromausfall: "Haben im Katastrophenschutz gezielt vorgesorgt"
Doch die Länder brauchen auch Unterstützung von der Bundesebene: "Der vom Bund angekündigte Gesetzentwurf für ein KRITIS-Dachgesetz ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um verbindlichere gesetzliche Regelungen für den KRITIS-Schutz zu schaffen. Der Bundesrat hat beschlossen, die Schwelle für die Einstufung als KRITIS abzusenken, damit Schutzmaßnahmen schon früher greifen." In Berlin sei deutlich geworden, dass auch Anlagen unterhalb des bisherigen Schwellenwertes von 500.000 Personen weitreichende Folgen nach sich ziehen könne. Jede Einrichtung trage daher Verantwortung für ihre eigene Vorsorge.
Abschließend heißt es: "Krisenvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe. Selbstschutz und Selbsthilfe sind dabei ebenso wichtig wie staatliche Strukturen. Sie entlasten Einsatzkräfte und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nur wenn Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln, sind wir krisenfest und widerstandsfähig."
Anlaufstellen und Informationsquellen in einem Krisenfall
Und auch zum Weckeffekt können Sirenen genutzt werden, um die Bevölkerung auf besondere Gefahrenlagen aufmerksam zu machen. Die Hessische Landesregierung fördert den Ausbau des Sirenennetzes durch die Kommunen. Warnapps und Sirenen können von den Leitstellen unmittelbar angesteuert werden. In Krisensituationen schalten die örtlichen Behörden Krisentelefone und bieten entsprechende Anlaufstellen vor Ort an, wo sich Bürger hinwenden können. Sollte es erforderlich sein, wird die Bevölkerung über Lautsprecherdurchsagen informiert. Meist sind auch Krisenseiten im Internet vorbereitet, die im Akutfall aktiv geschaltet werden.
Ebenso bei Stromausfall kommt das Konzept der örtlichen Anlaufstellen, die häufig unter dem Schlagwort "Leuchtturm" bekannt sind, zur Anwendung. Dabei werden die Feuerwehrhäuser, die Rathäuser und ähnliche Liegenschaften besetzt und dienen als Kommunikationsplattform: Hier können die Bürger Informationen von den Behörden erhalten und umgekehrt auch Informationen zur Lage mitteilen sowie Hilfe rufen, wenn dies bspw. aufgrund ausgefallener Telefonnetze anders nicht möglich ist. Für das Land Hessen wird gerade eine entsprechende Rahmenempfehlung erarbeitet, um die bisherigen Anlaufstellen weiter zu optimieren. (pm/nk)+++