Jedes zehnte Paar betroffen

Unerfüllter Kinderwunsch als global relevantes Gesundheitsproblem anerkannt

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist sehr belastend für Paare
Symbolbild: pixabay

04.01.2026 / REGION - Ungewollte Kinderlosigkeit ist für viele Betroffene ein Problem, mit dem sie sich häufig alleingelassen fühlen. In der Bundesrepublik Deutschland ist nahezu jedes zehnte Paar im gebärfähigen Alter davon betroffen. Als ungewollt kinderlos gelten Paare, die trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft erreichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun erstmals eine weltweite Leitlinie zur Unfruchtbarkeit veröffentlicht. Damit wird Unfruchtbarkeit als global relevantes Gesundheitsproblem anerkannt. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, stehen Patientinnen und Patienten weltweit jedoch in sehr unterschiedlicher Qualität zur Verfügung und stellen zum Teil eine erhebliche finanzielle Belastung dar.



Behandlungsmöglichkeiten und Angebote sind vielfältig

Im Fokus der Behandlung steht stets ein individueller Ansatz. Dieser orientiert sich in erster Linie am Zyklus der Frau, bezieht jedoch immer beide Partner mit ein. Denn sowohl beim Mann als auch bei der Frau können behandlungsbedürftige Erkrankungen vorliegen, die zu einem unerfüllten Kinderwunsch führen. Zur Diagnostik gehören unter anderem Blutentnahmen zur Bestimmung des Hormonstatus, Ultraschalluntersuchungen sowie die Überprüfung der Durchlässigkeit des Gebärmutterhals-Schleims für die Spermien. Auch die Eileiter werden auf ihre Durchgängigkeit untersucht. Finden sich Hinweise auf Erkrankungen wie Endometriose oder Myome, kann gegebenenfalls ein operativer Eingriff notwendig sein. Beim Mann wird ein Spermiogramm durchgeführt, um die Qualität der Spermien zu beurteilen.

In einem ersten Schritt können Zyklusmonitoring, Zyklusoptimierung und die gezielte Bestimmung des optimalen Zeitpunkts für den Geschlechtsverkehr dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Sind diese Maßnahmen ausgeschöpft, kann nach individueller Planung eine assistierte Befruchtung erfolgen. Zu diesen Verfahren zählen die Insemination, die In-vitro-Fertilisation (IVF) sowie die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel 50 Prozent der Kosten, abhängig vom Einzelfall und nach vorheriger Klärung mit der jeweiligen Krankenkasse.

Da das Thema für viele Menschen mit Scham behaftet ist und Betroffene oft das Gefühl haben, sich ihrem Umfeld nicht anvertrauen zu können, spielt auch die psychosoziale Beratung eine wichtige Rolle. Insgesamt sollte ungewollte Kinderlosigkeit stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken. Ein offener, sensibler Umgang und der Abbau von Tabus können dazu beitragen, betroffene Paare zu entlasten und ihnen mehr Unterstützung zu bieten. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend möchte Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützen. Das Informationsportal Kinderwunsch (www.informationsportal-kinderwunsch.de) bietet Betroffenen niedrigschwellig fundierte Informationen. Darüber hinaus können hier erste Ansprechpartner sowie spezialisierte Kinderwunschzentren gefunden werden. (Adrian Böhm) +++



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