Bilderserie (1) von Martin Engel

In Traumwelten entführt: Dirk Denzers Winter-Varieté gastiert in Domstadt

Das Duo Elja zeigte eine bezaubernd-akrobatische Strapaten-Nummer
Alle Fotos: Martin Engel

28.12.2025 / FULDA - Zum fünften Mal bereits gastiert Dirk Denzer mit seinem Winter-Varieté in Fulda, und auch dieses Mal ist der Zuspruch groß. "Wir sind zu 92 Prozent ausgelastet", erzählte Dirk Denzer beim Presseempfang in der Barockbar des Hotels Maritim. Eine enorme Leistung, denn die Konkurrenz durch Varietés, Ballettvorführungen und Weihnachtszirkusse zwischen den Jahren ist enorm.


Es ist immer ein Wagnis

"Wir haben die kürzeste Varieté-Spielzeit in Europa. Und die Konkurrenz ist riesig. Denn wir alle konkurrieren um dieselben Künstler", so Denzer. Klar, Künstler können sich nicht vierteilen, sondern nur einen Vertrag unterschreiben, und jeder Veranstalter will die besten haben. Einige Künstler waren schon in Fulda zu sehen, Denzer hat aber auch viel Neues im Programm. Die Artisten kommen aus Portugal, Polen, der Ukraine, Frankreich, Russland, Schweden und den USA. Eine Denzer’sche Spezialität ist die Live Band Jadoo Ananda, die alle Nummern begleitet und in der Denzer Gitarre spielt.

"Es ist ein irres Wagnis, heute Premiere, Generalprobe und ersten Durchlauf gleichzeitig zu spielen", erklärte er. Aber in diesem Jahr sei es anders nicht möglich gewesen, was schlicht und ergreifend am kalendarischen Fall der Feiertage liegt. Auf die Frage, ob denn die Traumwelten, in die das Winter-Varieté entführe, auch in der wirklichen Welt hülfen, antwortete Denzer fast schon philosophisch: "Wir können diese Traumwelt im gegenwärtigen Augenblick erleben, und uns sagen, ‚jetzt ist alles gut‘. Und das sollte man dankbar annehmen."

Ein Alleskönner als Conférencier

Als Conférencier hatte Denzer Bert Rex gewonnen, der von renommierten Varieté-Häusern bis Firmen-Events, Festivals und Kreuzfahrtschiffen schon überall moderiert hat. Seine fast 70 Jahre merkt man Rex nicht an, wohl aber sein umfassendes Können als Moderator, immer haarscharf auf der feinen Linie zwischen Klamauk, Kalauer und Humor balancierend. Genauso gekonnt spielte er mit der ‚Angst‘ des Publikums, sich beteiligen und auf die Bühne zu müssen.

Wie man Menschen animiert, aktiviert und aufstachelt, weiß Rex genau. Auch die Fuldaer:innen hatte er nach wenigen Minuten gewonnen. Man muss einfach gesehen haben, wie er unsere kindliche Lust auf Zaubertricks und Magie durch den Kakao zieht, egal ob mit indischen Seilen, Schwammbällen, Wiener Würstchen, Hypnose oder Bumerang-Karten. So gab es bei Umbauten zwischen den Nummern nie Leerlauf, sondern immer etwas zu lachen.

Geschicklichkeit ohne Ende: Jongleure

Gleich mit mehreren Nummern war der Amerikaner Michael Menes im Programm vertreten. Ob als fantastische Stelzenfigur Spike, bei der Jonglage mit Therapie-Bällen, wie man sie vom Physiotherapeuten kennt oder beim gekonnten Spiel mit vier Beinen – er verzauberte, weil er mit ganz wenig Mitteln große Wirkung erzielte.

Mit zwei Jonglage-Nummern war Almut Sarrazin dabei. Einmal zauberte sie als verspielte Elfe ihre Keulen aus überdimensionierten Glockenblumen, dann überzeugte sie bei einer Antipoden-Jonglage auf sich drehenden Pilzen. Das ist eine alte und ausgesprochen anspruchsvolle Form der Jonglage, denn die Artistin jongliert und balanciert die Bälle, Ringe oder Keulen mit den Füßen.

Körperbeherrschung pur: Artisten

Elodie und Benjamin Benelo zeigten Hand-zu-Hand-Akrobatik mit atemberaubenden Balancen, es verschlug einem beim Hinsehen immer wieder den Atem. Wieviel Kraft, wieviel Ausdauer, wieviel Körperbeherrschung ist notwendig, um so eine Nummer auf die Bühne zu bringen. Die beiden sind schon im Cirque du Soleil aufgetreten, in unterschiedlichen Revuen und Galas und auf Kreuzfahrtschiffen – und sorgten überall für Begeisterungsstürme. Natürlich auch in Fulda.

Die Zwillingsschwestern Julia und Ele führten als Duo Elja eine Strapaten-Nummer vor. Dabei wirbelten sie an zwei Luftschlaufen synchron, verschlungen, verflochten, über- und untereinander durch die Luft. Immer wieder gab es dabei auch Haltefiguren. Beide machten das mit so viel Eleganz, Anmut und Ästhetik, es war bewunderungswürdig. In ihrer zweiten Nummer zeigten sie eine Doppeltrapez-Darbietung, bei der sie mit rasender Schnelligkeit Positionen wechselten und immer wieder miteinander verschmolzen.

Die Schwedin Cecilia Hedlund begeisterte mit ihrer Handstand-Equilibristik auf Stühlen. Was sie zunächst auf einem Tisch, dann auf zwei, drei und vier Stühlen vorführte, war eine Klasse für sich. Sie begab sich dabei im wahrsten Sinn des Wortes ohne Seil und doppelten Boden in schwindelnde Höhen (bis zu 4m hoch) und zeigt außergewöhnliche Handstände. Die Fuldaer waren hin und weg.

Das Duo Acroart besteht aus den beiden polnischen Künstlern Anna und Lukas. Die beiden haben eine Cyr-Wheel-Nummer erfunden, bei der mit einem großen einringigen Rad Kunststücke vorgeführt werden. Eine wunderbare Kombination aus Artistik, Tanz und Akrobatik. Begeisternd auch die Trampolin-Show zum Schluss des Abends – da hielt es eigentlich niemanden mehr auf den Sitzen.

Ins Träumen kommen: Poeten des Varietés

Zwei ganz besondere Künstler spielten sich in die Herzen der Fuldaer. Zum einen der Ungar Gabor Vosteen, der zeigte, dass man mit Blockflöten nicht nur Musik, sondern auch Comedy machen kann. Was für ein Witz, welche Spielfreude und Virtuosität! Und vor Vosteen hätte sicher keiner gedacht, dass man Mozarts Kleine Nachtmusik oder Beethovens Ode an die

Freude auch aus Nasenlöchern und Ohren flöten kann! Denn bei bis zu fünf Flöten gleichzeitig reicht natürlich der Mund alleine nicht aus.

Genauso faszinierend die ukrainische Künstlerin Natalia Morozova, die Sandmalerei vorführte. Wie sie emotional berührende Geschichten erschafft, wie die Bilder ineinanderfließen, das ließ alle in der Orangerie staunen. Natalia Morozova nahm uns auf eine Europa-Tour mit – stellvertretend für uns reiste in ihren Sandbildern ein junges Paar – vom Eiffelturm über den schiefen Turm von Pisa zum Big Ben, nach New York, dann ins Kolosseum, zur Rialto-Brücke und den Gondeln in Venedig und am Schluss natürlich auch nach Fulda. Herrlich.

Mit Standing Ovations bejubelte das Publikum zu den von der Decke herunterschwebenden Luftballons die Leistungen aller Künstlerinnen und Künstler – ein wahrhaft weihnachts-winter-fröhlicher Abend mit vielen magischen Momenten in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Orangerie. Sollten Sie noch keine Karten haben, kümmern Sie sich besser schnell darum, denn es gibt nur noch wenige freie Plätze.

Auch in diesem Jahr sammelt das Winter-Varieté wieder für das Hilfsprojekt "hand in hand", bei dem die Balashram Residential School im indischen Odisha unterstützt wird – ein Internat, das bedürftigen Kindern kostenlosen Unterricht, ein Zuhause und Gesundheitsversorgung bietet. Es gibt also viele gute Gründe, ins Winter-Varieté zu gehen! (Jutta Hamberger) +++

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