Im Hohen Dom zu Fulda
Requiem Dagmar Dregger: Ein reiches Leben ging zu Ende
Fotos: Martin Engel
23.12.2025 / FULDA -
"Gut, dass Sie da sind, es wird nämlich Zeit. Lasst mich einfach heimgehen", das seien Dagmar Dreggers Worte gewesen, als er sie das letzte Mal besucht habe, so Stefan Buß. So groß Trauer und Schmerz auch seien, so schön sei es aber auch, dass Dagmar Dregger ihr langes und erfülltes Leben zuhause habe beenden können und friedlich einschlafen durfte. Im Hohen Dom zu Fulda nahmen Familie, Freunde und Weggefährten Abschied von der Frau des früheren Fuldaer Oberbürgermeisters Dr. Alfred Dregger.
Macht hoch, die Tür
Beziehungsreich begann das Requiem mit dem bekannten Adventslied "Macht hoch, die Tür". Es ruft zur Vorbereitung auf die Ankunft Christi auf und mahnt uns, sich für Gott zu öffnen. Das konnte man im Requiem als Botschaft in zwei Richtungen verstehen: Als begleitendes Gebet für die Verstorbene, die nun in und bei Gott ankommt, aber auch als Trost für ihre Hinterbliebenen, die trotz aller Traurigkeit Gottes Liebe nicht vergessen sollen.Zwei Texte, die auf unterschiedliche Weise die Zumutungen der Heiligen Nacht verdeutlichen, die in dieser Glühwein-, Geschenke- und Weihnachtsliederseligen Zeit oft unterzugehen drohen. Das Schöne liegt nahe beim Schrecklichen. Trauern in der Adventszeit ist besonders schwer, aber vielleicht auch auf besondere Weise tröstlich.
Stark im Leben, weise im Alter
Über die Jahre hatte sich zwischen Stefan Buß und Dagmar Dregger eine sehr persönliche Beziehung entwickelt. Einmal monatlich besuchte er sie und brachte ihr die Kommunion. Die Besuche habe Dagmar Dregger immer zelebriert. Am Anfang stand ein ihr besonders wichtiges Heilig-Geist-Gebet, dann Gebet und Gesang, eine meditative Stille, dann in einem anderen Raum das Kaffeetrinken und beim Abschied stets die Aufforderung, ein Buch von einem bereitliegenden Bücherstapel mitzunehmen. "Das sollte ich bis zum nächsten Mal gelesen haben, denn darüber wollte sie dann mit mir sprechen. Ich gestehe, manchmal habe ich aus Zeitmangel aber nur ein paar Kapitel geschafft." Ein Leben in bewegten Zeiten
"Dagmar Dregger hat viel gesehen, helle und dunkle Zeiten, bewegte und stille. Sie hat gesellschaftliche Umbrüche erlebt und persönliche Freuden und Verluste getragen", so Stefan Buß. Ganz besonders schmerzlich waren der Tod ihres ältesten Sohns Wolfgang (1972) und der Tod ihres Mannes (2002).Geboren als Tochter eines Fabrikanten in Recklinghausen verweigerte sie sich der vom Vater vorgesehenen Ausbildung als Schneiderin und wählte stattdessen selbstbewusst das Studium der Volkswirtschaft. "Das war damals alles andere als eine Frauendomäne", so Stefan Buß. An der Universität Marburg lernte sie Alfred Dregger kennen und ging 1950 mit ihm nach Fulda. "Die glücklichste Zeit meines Lebens waren die OB-Jahre in Fulda", habe sie immer wieder gesagt. Zu Lebzeiten ihres Mannes war sie die Frau im Hintergrund – sie ließ ihm die große Bühne und managte die Familie. Aber sie war immer viel mehr als die Frau an seiner Seite, noch dazu war sie von 1974 bis 1989 politisch aktiv im Kreistag.
Sie wirkte auf persönlicher und politischer Ebene
Für die politische Familie, also die CDU der Stadt, des Landkreises, des Kreistags, Hessens und Deutschlands sprach Staatssekretär Michael Brand, MdB. Heute nehme man Abschied von einer besonderen Frau. Sie sei nie nur die Frau an der Seite ihres Mannes gewesen, sondern eine eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Gesprächspartnerin. Sie sei eine echte Dame gewesen – mit Stil, Charme, Klugheit und Humor. Heute würde man das Ehepaar Dregger wohl als "Power Couple" bezeichnen, ein Begriff, den es zu ihrer Zeit noch nicht gegeben habe. "Ich habe sie als starke Frau kennengelernt, also jemanden mit Haltung, hochgradig interessiert an politischen Vorgängen und umfassend informiert. Gespräche mit Dagmar Dregger waren immer bereichernd."