"Wir wollen einfach Danke sagen"
Mehr als nur Geschenke: Anonyme Wichtel berühren das Marienheim
Wenn Nächstenliebe Geschenkpapier trägt: Kurz vor Weihnachten hat eine anonyme Wichtelaktion im Marienheim für große Freude und bewegende Momente gesorgt. Geburtstagskind in der Mitte: Schwester Mercilit.
Fotos: Mathias Schmidt
23.12.2025 / FULDA -
Wenn Nächstenliebe Geschenkpapier trägt: Es war eine dieser stillen Adventszeiten, in denen der Duft von Tannenzweigen durch die Flure zog und draußen die Dunkelheit ein wenig früher kam als sonst. Im Alten- und Pflegeheim Marienheim in der Kanalstraße in Fulda herrschte dennoch reges Leben - getragen von Menschen, die jeden Tag füreinander da sind. Und inmitten dessen ein Beweis: Ein Akt wahrer Nächstenliebe befeuert immer den nächsten.
Kurz vor Weihnachten hat eine anonyme Wichtelaktion im Marienheim für große Freude und bewegende Momente gesorgt. Mehr als 60 liebevoll gepackte Geschenke wurden unangekündigt an der Rezeption abgegeben - bestimmt für alle Mitarbeitenden der Einrichtung.
Schwester Maria Labouré Storch, Einrichtungsleitung im Haus der St. Vinzenz Soziale Werke gGmbH, saß an diesem Morgen an ihrem Schreibtisch. "Schwester Maria", hatte eine Kollegin von der Rezeption gesagt, "da hat jemand angerufen. Jemand möchte etwas zum Wichteln bringen. Ganz anonym."
Man lächelte. Vielleicht ein kleiner Adventskalender, dachten sie. Ein paar Kärtchen. Eine nette Geste. Doch dann kam jemand. Still. Freundlich. Und stellte über 60 liebevoll verpackte Päckchen auf den Tresen. "Ich möchte das anonym abgeben", sagte die Person nur. "Alles Weitere steht geschrieben."
Rührende Aktion zu einer besonderen Zeit
Die Aktion fiel in eine besondere Zeit für das Haus. Schwester Maria ist die letzte Vinzentinerin im Marienheim. Erst im Oktober verstarb ihre Mitschwester Anna Bonifatia Huschenbett, die 64 Jahre im Haus tätig war und dieses über vier Jahrzehnte als Einrichtungsleitung geprägt hatte. Sie hatte das Marienheim mitaufgebaut. In der Stadt war sie eine bekannte Persönlichkeit, unter anderem durch ihre langjährige Arbeit an der Severikirche. In der Rezeption steht ein gerahmtes zu ihren Ehren.
"Hier ist jeder Teil des Ganzen - wie bei einem Mosaik"
"Dass uns kurz vor Weihnachten dann auch so eine nette Geste erreicht, ist bewegend", sagt Schwester Maria im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Die Freude war riesengroß." Sie wusste sofort: "Das gehört uns allen." Denn im Marienheim ist niemand "nur" Reinigungskraft oder "nur" Hauswirtschaft. "Hier ist jeder ein Teil des Ganzen - wie bei einem Mosaik. Fehlte ein Stein, ist das Bild nicht vollständig." Also wartete man. Man wartete auf den richtigen Moment.
Bei einer gemeinsamen Fortbildung - alle Bereiche vereint - wurde die Aktion in ein kleines vorweihnachtliches Beisammensein eingebettet. Es gab Pizza, warmen Glühwein, Lachen und dieses besondere Gefühl von Zusammenhalt. Und dann: das Wichteln. Über 65 Geschenke. Genau so viele, wie es Mitarbeitende gab. "Einer nach dem anderen zog ein Los, gespannt wie ein Kind an Heiligabend. Aus den Päckchen kamen gebastelte Sterne, Schlüsselanhänger, Marmelade, Gewürze, Glühweingewürz, Engelsfiguren oder Weihnachtskerzen", erzählt Schwester Maria weiter. "Doch es ging gar nicht um den materiellen Wert. Es war diese Wertschätzung - dass sich jemand Gedanken gemacht hat, ohne etwas dafür zu erwarten."
Die Freude im Team war entsprechend groß. Viele Mitarbeitende zeigten sich gerührt von der anonymen Geste, die gerade in der arbeitsintensiven Vorweihnachtszeit als starkes Zeichen wahrgenommen wurde. "Vielleicht", sagte Schwester Maria später, "erreichen wir unsere Weihnachtswichtel über die Zeitung. Vielleicht hören sie, wie viel Freude sie geschenkt haben. Denn wir möchten einfach sagen: Diese Überraschung hat unser Team sehr berührt."
Und das an einem Ort, an dem Menschlichkeit zählt. An dem kleine Gesten Großes bewirken. Und an dem Weihnachten nicht nur ein Datum ist - sondern ein Gefühl. (Mathias Schmidt) +++