Klinikum im Fokus der Debatten
Augen zu und durch: Kreistag beschließt Haushalt mit 32,7 Millionen Euro Defizit
Fotos: Moritz Rös
16.12.2025 / BAD HERSFELD - Den kommunalen Parlamenten bleibt kein Spielraum mehr: Auch der Kreistag im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat am Montag einen defizitären Haushalt für das kommende Jahr beschlossen. Auch Anpassungen an den eingebrachten Entwurf bringen keinen entscheidenden Vorteil. Das planmäßige Minus beträgt im Ergebnishaushalt rund 32,7 Millionen Euro.
Das Gesamtvolumen beträgt im Ergebnishaushalt rund 327 Millionen Euro. Vor allem der laufende Betrieb am Klinikum verursacht Kosten, die auch vom Landkreis weiterhin mit vielen Millionen Euro unterstützt werden müssen. Dazu belasten die Ausgaben für den Neubau am Standort in Bad Hersfeld den Haushalt der nächsten Jahre. Am Klinikum und seinen längst beschlossenen und in der Umsetzung befindlichen Maßnahmen wollen die Kreistagsmitglieder nicht rütteln. Und doch stand eben jenes Klinikum im Zentrum der Haushaltsdebatten.
"Alles andere als einfach"
Der Landrat erklärte zusammenfassend in einer Pressemitteilung: "Die Planungen für den kommenden Haushalt waren alles andere als einfach. Der Neubau des Operationszentrums ist für die Zukunft unseres Gesundheitswesens unverzichtbar. Dies sehen Bund und Land auch so. Die notwendigen Mittel für diesen Übergang muss allerdings maßgeblich der Landkreis aufbringen. Ohne die eingeplanten notwendigen Mittel für unseren Klinik-Konzern hätten wir einen positiven Ergebnis- und Finanzhaushalt. Das ist in Hessen nicht selbstverständlich und sollte beim Genehmigungsprozess eine gewichtige Rolle spielen. Durch die Anpassungen des Kreisausschusses konnten wir das Defizit auf knapp über 30 Millionen Euro reduzieren.""Es wurde alles getan, um den Forderungen des Landes gerecht zu werden. Dies sollte bei der abschließenden Genehmigungsentscheidung berücksichtigt werden. Wichtig ist: Erneut konnte durch große Kraftanstrengungen die Erhöhung der Kreis- und Schulumlage verhindert werden. Unsere Kommunen tragen bereits eine enorm große Last, weitere Belastungen, die durch die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises getragen werden müssten, sind nicht akzeptabel, mutmaßlich gesetzeswidrig und würden wohl auch in den Kommunalparlamenten auf Widerstand stoßen. So jedenfalls die Rückmeldung zahlreicher Städte und Gemeinden im Landkreis", führte Warnecke aus.
31 Ja- und 22 Nein-Stimmen
Neben der CDU lehnten auch die Alternative für Deutschland und drei Mitglieder der UBL/Bürger-Herz-Fraktion den Kreishaushalt ab. Den insgesamt 22 Nein-Stimmen stehen 31 Ja-Stimmen von Sozialdemokraten, Bündnis 90/Grünen, FDP und Freie Wähler gegenüber. Ein Vertreter der UBL enthielt sich der Stimme.Landrat Torsten Warnecke kritisierte den Schlingerkurs der Landesregierung, etwa bei den zusätzlichen Mitteln und deren Berücksichtigung in den Haushalten. Er verteidigte vehement, dass die Kreis- und Schulumlage nicht erhöht werde. Die Kommunen könnten nicht noch stärker belastet werden. "Einige Kommunen im Landkreis sind schon gehängt", sagte der Landrat und kritisierte die ablehnende Haltung der Christdemokraten. Aus den Reihen der Sozialdemokraten hieß es, man habe den CDU-Landräten vertraut und den Haushalten zugestimmt.
Klinikum ja - Blankoschecks nein
Auch die Ausstellung eines Blankoschecks für das Klinikum und deren Finanzierung ärgerte etwa die CDU und die UBL. "Die Kreistagsmehrheit hat nach einer Hinterzimmerrunde einen Blankoscheck ausgestellt. So wurde zusätzlich eine Garantieerklärung abgegeben, bei der unlimitiert bis zur Inbetriebnahme des Klinik-Neubaus gezahlt wird", sagte Tim Schneider (UBL/Bürgerherz).Nun muss der Kreishaushalt für das kommende Jahr noch vom Regierungspräsidium Kassel genehmigt werden. Möglich, dass der Landkreis nachbessern muss. Stellt sich die Frage, an welcher Stellschraube überhaupt noch gedreht werden kann, ohne am Ende die Steuerzahler über die Kommunen noch mehr zu belasten. Vor der Kommunalwahl im kommenden Frühjahr will das sicher niemand. (Hans-Hubertus Braune) +++