Erhalt der Kulturlandschaft
726 neue Pflanzen für den Eisenberg: Naturschutzprojekt stärkt das VSG "Knüll"
Fotos: Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg e.V.
22.12.2025 / NEUENSTEIN/KIRCHHEIM -
Die weitläufigen Wiesen rund um den Eisenberg im Vogelschutzgebiet (VSG) "Knüll" zählen zu besonders wertvollen Lebensräumen. Dank der extensiven Bewirtschaftung sowie der Vielzahl an Hecken, Säumen und einzelnen Bäumen bietet das Gebiet nicht nur Wandernden ein attraktives Ausflugsziel, sondern auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Rückzugsraum. Für das VSG prägend sind hier vor allem Arten wie Neuntöter, Raubwürger und Wiesenpieper.
Traditionell entstanden Hecken entlang von Flurgrenzen: Dort wurden beim Ackern oder Mähen anfallende Steine abgelegt und bildeten als Lesesteinriegel die Basis für Gehölzansiedlung. Früher dienten diese Hecken als natürlicher Weidezaun, Wind- und Erosionschutz und als Brennholzquelle. Durch das regelmäßige "Auf-den-Stock-Setzen", das Zurückschneiden der Gehölze auf etwa 20 bis 30 Zentimeter, trieben die Sträucher kräftig neu aus und blieben in Bodennähe dicht. So entstand wertvoller Lebensraum, Nahrung und Schutz für viele Vogelarten. Bleibt diese Pflege jedoch über Jahrzehnte aus, verlieren Hecken ihre ökologische Funktion: Sie verkahlen, werden durchlässig und entwickeln sich langfristig Baumreihen, in der nur wenige Arten Lebensraum finden. Genau diese Entwicklung zeigt sich am Eisenberg: Viele der Hecken sind überaltert und benötigen wieder eine regelmäßige Pflege.
Pflegemaßnahmen 2024: Auf-den-Stock-Setzen und Entnahme großer Bäume
Große Bäume – darunter auch Fichten – wurden entfernt, um die Heckenstrukturen zu stärken. So erhalten die Hecken mehr Licht, Wasser und Nährstoffe. In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich das Verhältnis von Bäumen und Sträuchern innerhalb der Hecken verschoben, sodass ein Teil von diesen weichen musste. Das Schnittgut wurde zum Teil als Totholzhaufen belassen, der Rest zu Hackschnitzeln verarbeitet und thermisch verwertet. Die Pflege wurde von einem Lohnunternehmer aus der Region und auf Gemeindefläche teilweise vom Bauhof der Gemeinde Neuenstein durchgeführt.
Neuanlage einer fünfreihigen Hecke
Als weitere Maßnahme wurde eine neue Hecke gepflanzt. Dank der Unterstützung der Landwirte Alfred Mandt und Kurt Kolbe wurde entlang deren Grundstücksgrenze eine fünfreihige Hecke angelegt. Verwendet wurden heimische Gehölze wie Weißdorn, Heckenrose, Pfaffenhütchen sowie Laubgehölze wie Mehl- und Elsbeere. Die steinigen Bodenverhältnisse am Eisenberg stellten den Forstdienstleister Thomas Müller und sein Team vor einige Herausforderungen: Der steinreiche Oberboden machte die Pflanzung von 726 Pflanzen schwierig, sodass ein Bohrer am Bagger zur Hilfe kam. In den ersten Jahren schützt ein Zaun die jungen Pflanzen vor Wildverbiss. An den Maßnahmen zur Heckenpflege und -pflanzung wurden temporär Infoschilder installiert, welche über die Maßnahmen informieren.