Tolle Aktion mit Tradition
"Es tut gut, Gutes zu tun" - Weihnachtsbaumverkauf für Straßenkinder in Kenia
Fotos: E. Reinhardt
07.12.2025 / EICHENZELL -
Der Duft von Glühwein, frisch gegrillter Bratwurst und selbstgebackenen Plätzchen liegt in der Luft, Weihnachtsmusik erklingt und zwischen all dem Trubel steht eine Aktion, die seit Jahrzehnten fast die ganze Region bewegt. Am Samstag fand auf dem Bolze-Hof in Eichenzell-Kerzell (Landkreis Fulda) der traditionelle Weihnachtsbaumverkauf zugunsten der Straßenkinder in Kisumu (Kenia) statt. Und wie jedes Jahr kamen zahlreiche Besucher, um nicht nur einen Nordmann-Tannenbaum aus dem Wallrother Forst mitzunehmen, sondern gleichzeitig Gutes zu tun.
Das Weihnachtsbaumteam (WBT) in Kerzell existiert seit über 30 Jahren. Doch der Ursprung liegt in einer einzelnen Biografie: Im Leben von Entwicklungshelfer Josef Reith, der über zwei Jahrzehnte in Kenia arbeitete und das Projekt "Pandipieri" in Kisumu mit aufbaute.
"Uns ist wichtig, dass die Tradition weitergeht"
Andreas Scheibelhut, seit Anfang des Jahres Vorsitzender des Weihnachtsbaumteams, sagte im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS: "Wir sind ein tolles Team. Es ist uns wichtig, dass diese Tradition weitergeht - für Kerzell und für die Kinder in Kenia." Sein Kollege Günther Schmitt, Schwager des verstorbenen Initiators, ergänzt: "Wir haben in all den Jahren weit über 500.000 Euro gesammelt. Im Frühjahr konnten wir wieder mehr als 20.000 Euro überweisen. Das Geld kommt dort wirklich an und das ist das Schöne." Nicht nur im Winter, sondern auch bei einem Sommerfest wird für den guten Zweck gesammelt. Von Nordmanntannen über Plätzchen bis hin zum Kochbuch
Auf dem Hof herrschte am Vormittag reger Betrieb, denn zahlreiche Kerzeller Vereine und viele freiwillige Helfer packten gemeinsam an, um den Weihnachtsbaumverkauf zu einem besonderen Ereignis zu machen. Die Besucher konnten sich über eine große Auswahl an Nordmanntannen aus dem Wallrother Forst freuen und zugleich verschiedene Köstlichkeiten genießen - von frisch gegrillter Bratwurst und Kuchen bis hin zu selbstgemachten Klopsen.Auch süße Leckereien wie selbstgebackene Plätzchen wurden angeboten, und ein liebevoll gestalteter Weihnachtsbasar lud mit handgemachten Geschenkideen zum Stöbern ein. Zusätzlich konnten die Gäste ein Kochbuch erwerben, von dem drei Euro pro Exemplar direkt an das Straßenkinderprojekt gespendet werden. Für musikalische Stimmung sorgte der Musikverein Lyra Kerzell, der vormittags ein kleines Konzert gab.
Warum die Hilfe jetzt besonders wichtig ist
Die Lage des Projekts "Pandipieri" sei angespannt, betont Schmitt. "Ein Teil des Budgets ist weggebrochen, nachdem internationale Gelder gestrichen wurden. Jede Unterstützung aus Kerzell hilft ganz konkret, dass Kinder weiter eine Ausbildung oder überhaupt eine Perspektive bekommen." Immer wieder fliegen Unterstützer des Projekts selbst nach Kenia, um zu sehen, wie die Hilfe ankommt. "Nächstes Jahr fliege ich selbst wieder hin. Zwei, drei Wochen. Es ist wichtig, sich ein eigenes Bild zu machen. Wer einmal die Slums sieht, weiß, wie gut es uns geht", erzählt er weiter. "Es tut gut, Gutes zu tun"
Was wünschen sich die Organisatoren vom heutigen Tag? Ganz klar: "Dass viele Menschen kommen, einen Baum kaufen und vielleicht noch ein paar Plätzchen oder etwas vom Basar mitnehmen. Alles, was übrig bleibt, geht an die Kinder in Kisumu", sagt Schmitt. Und ein weiterer Gedanke begleitet sie: "Es geht auch darum, Bewusstsein zu schaffen. Zwei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Wenn man einmal dort war, wird einem klar, wie privilegiert wir hier leben. Gestern war Tag des Ehrenamtes. Heute leben wir das. Und wir wünschen uns, dass noch mehr junge Menschen mithelfen. Zweimal im Jahr anpacken - mehr braucht es nicht."