Jugend in Bewegung

Schulstreik: Formiert sich auch bei uns Widerstand gegen die neue Wehrpflicht?

Derzeit laufen in vielen deutschen Städten "Schulstreik gegen Wehrpflicht"-Proteste.
Foto: picture alliance / Jochen Tack

07.12.2025 / REGION - Die Bundesregierung ist nach einem langen hin und her zu einer Entscheidung gekommen. Viele Jugendliche reagieren darauf mit deutlicher Unzufriedenheit. Daher ist für Freitag erneut eine Demonstration angekündigt - diesmal jedoch nicht wie vor einigen Jahren freitags für den Klimaschutz, sondern gegen die neuen Pläne zum Wehrdienst.



Grund für die "Schulstreik gegen Wehrpflicht"-Proteste ist: Viele Jugendliche haben das Gefühl, nicht am Entscheidungsprozess beteiligt worden zu sein, deshalb gehen Betroffene dagegen auf die Straße. Passend zum Thema hat OSTHESSEN|NEWS auch eine Straßenumfrage gemacht, um zu sehen, wie die Menschen in Fulda zu dem Thema stehen.

Es gab in circa 90 Städten, quer durch ganz Deutschland, Schulstreiks. Die Streiks richten sich gegen den Vorschlag der Bundesregierung, alle nach 2008 geborenen Männer verpflichtend mustern zu lassen. Auf Anfrage erklärt das Kultusministerium gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Es war auch eine kleine Demo in Fulda geplant gewesen. Allerdings nicht in der Größenordnung der größeren Städte. Im Umfeld mancher Schulen wurden Flyer verteilt, mit dem Ziel, über den Schulstreik zu informieren."

Ambivalente Haltung zum Wehrdienst

Maximilian Kramlich, Bezirksschülersprecher der Gymnasien in Unterfranken und zugleich Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des SPD-Unterbezirk Rhön-Haßberge, betont im Gespräch mit O|N, dass er sich in dieser Frage als Politiker äußert - nicht als Schülersprecher. "Es ist absolut nachvollziehbar, dass Schülerinnen und Schüler streiken. Der Wunsch, keinen Wehrdienst leisten zu wollen, ist verständlich", sagt er.

Für den jungen SPD-Politiker persönlich sei die Situation jedoch ambivalent: "Der Wehrdienst sollte auch künftig auf Freiwilligkeit beruhen." Einerseits könne er die individuellen Bedenken gut nachvollziehen, andererseits sei die Verteidigung der Demokratie eine grundlegende Aufgabe. "Vielleicht lässt sich diese eines Tages nicht mehr ausschließlich mit Worten schützen", so Kramlich.

Die Schülervertretung Fulda erklärt gegenüber O|N: "Wir verstehen diese Reaktionen sehr gut. Die Debatte berührt nicht nur ein politisches Thema, sie betrifft unmittelbar das Leben und die Zukunft junger Menschen. Gerade deshalb darf sie nicht über ihre Köpfe hinweg geführt werden."

"In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Schülerinnen und Schüler in Fulda und bundesweit ihre Stimme erhoben. Der Schülerstreik vom 5. Dezember zeigte eindrucksvoll, wie tief die Sorge darüber sitzt, dass Entscheidungen zur möglichen Einführung der Wehrpflicht ohne ausreichende Beteiligung der jungen Generation getroffen werden", erklärt die Schülervertretung weiter.

Schulen weisen darauf hin, dass das Fernbleiben vom Unterricht während der Unterrichtszeit grundsätzlich als unentschuldigtes Fehlen gilt. Teilnahme an Demonstrationen kann daher in vielen Fällen zu disziplinarischen Maßnahmen führen. Der Wehrdienst ist ein kontrovers diskutiertes Thema, das unerlaubte Verlassen des Unterrichts bleibt jedoch eine schulrechtlich relevante Pflichtverletzung. (Nicolas Kraus)+++

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