Helios St. Elisabeth im Wandel

Gefäßchirurgie, Notfallversorgung, Ausbildung: Darauf setzt die Klinik

Im OSTHESSEN|NEWS-Pressegespräch mit Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) spricht Claudia Holland-Jopp über die Zukunft der Helios St. Elisabeth Klinik.
Fotos: Carina Jirsch

23.12.2025 / HÜNFELD - "Oft ist den Bürgern gar nicht bewusst, was sie hier für ein Schätzchen haben, was hier vor Ort alles geboten wird", schwärmt Claudia Holland-Jopp (41). Sie hat im Sommer 2025 die Zügel der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld von Sebastian Mock übernommen. Damit ist die Gesundheitsökonomin jetzt verantwortlich für die Einrichtung mit über 300 Mitarbeitern und die mehr als 7.000 stationäre und rund 10.000 ambulante Patientinnen und Patienten, die jährlich versorgt werden.



Im OSTHESSEN|NEWS-Pressegespräch mit Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) spricht Claudia Holland-Jopp über die Zukunft der Klinik. Welche Schwerpunkte werden gesetzt? Was verändert sich für Patienten und wo liegen die Herausforderungen der Zukunft?

Heimeligkeit, Arbeitsplätze und regionale Verbundenheit

"Gesundheit betrifft jeden – in schönen Momenten wie einer Geburt und in schwierigen Zeiten", erklärt Holland-Jopp, die bei Helios nicht nur den Standort Hünfeld, sondern auch Bad Kissingen und Meiningen als Geschäftsführerin verantwortet. Ihr Ziel: eine qualitative, hochwertige Versorgung anzubieten und den Klinikaufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch Tschesnok, der nicht als Rathauschef, sondern als Mitgesellschafter über die Stiftung Bürgerhospital und St.-Elisabeth-Krankenhaus Hünfeld mit am Tisch saß, ist sich bewusst: "Das Besondere an unserem Krankenhaus ist die Heimeligkeit: das Gefühl, nicht nur einer von vielen zu sein."

Den Blick auf den Betrieb richtend, betont die Krankenhaus-Chefin: "Wir versuchen immer, mit Partnern vor Ort zu arbeiten. Die Verbundenheit zur Region ist uns wichtig." Das sei mit diversen Vorteilen verbunden, etwa kurzen Lieferketten, Nachhaltigkeit und Ortskenntnis. Auch für die Region bietet das Vorteile: "Man darf nie vergessen, dass so eine Klinik gut bezahlte Arbeitsplätze über das eigene Personal hinaus bietet", so Tschesnok.

Für den Bürgermeister steht dabei fest: "Das wichtigste ist natürlich die wohnortnahe Versorgung der Hünfelderinnen und Hünfelder, genauso darf man aber auch nicht den Altkreis vergessen. Viele Menschen wünschen sich eine Behandlung in unserem Krankenhaus."

Holland-Jopp ist angekommen - die neue Chefin sitzt fest im Sattel

Bereits Ende Juli hat Holland-Jopp die Verantwortung als Chefin für die Hünfelder Klinik übernommen, im Rahmen des neuen Drei-Länder-Clusters. Eine "große Freude", meint sie. In der Anfangszeit habe sie sich orientiert, die Menschen kennengelernt, sich mit Ideen und Konzepten vertraut gemacht. Besonders lobt und dankt sie den Mitarbeitern: "Ich bin mit offenen Armen empfangen worden."

In dieser Zeit sei sie auch auf die niedergelassenen Ärzte zugegangen, habe verdeutlicht: "Diese Klinik hat Zukunft." Das sei wichtig gewesen, um der Unsicherheit zu begegnen. "Unser Eindruck ist: Sie ist gut angekommen", lobt Tschesnok die Neue.

Notfallmedizin als Basis, Gefäßchirurgie als Spezialität

Die Klinik setzt künftig auf verschiedene Versorgungsbereiche: Gefäßmedizin wird dabei neben der Chirurgie, Unfallchirurgie, und inneren Medizin ein Schwerpunkt sein. "Unser Ziel ist eine hochwertige, wohnortnahe Grund- und Regelversorgung", so Holland-Jopp. Die Gefäßchirurgie soll dabei gezielt ausgebaut werden. Das Konzept hierzu wurde bereits im Juni vorgestellt.

Ein fachkundiges interdisziplinäres Team von Ärzten mit hoher Fachexpertise, Gefäßassistentinnen, speziell ausgebildeten Physiotherapeuten und fachkundigen Pflegekräften kümmert sich um Patienten mit Erkrankungen der Venen und Arterien. Mit diesen gezielten personellen Erweiterungen und der Anschaffung modernster Technik baut Helios diesen wichtigen Versorgungsbereich am Standort weiter aus.

Neue Rettungswache direkt an der Klinik geplant

Mit Blick auf die Notfallversorgung der Hünfelder hatte Tschesnok eine Überraschung parat: Auf dem Gelände der Klinik soll eine neue DRK-Rettungswache entstehen. Über Details hierzu schwieg sich der Bürgermeister allerdings aus. Klar sei lediglich, dass die neue Wache den bereits bestehenden Notarztstandort ergänzen solle.

Wachsen werde das Krankenhaus entsprechend der aktuellen Planungen hingegen nicht. "Es gibt zwar die Fläche hierfür, aber aktuell nicht den Bedarf. Mit 158 Betten sind wir solide aufgestellt und diese Größe macht am Ende ja auch den Charme der Einrichtung aus", so Tschesnok.

Die Krankenhausreform in der Praxis - so begegnet Helios der Herausforderung

Auch wenn die politische Debatte über die Krankenhausreform in der öffentlichen Debatte in den Hintergrund getreten ist; für Krankenhäuser ist sie jetzt eine Realität, mit der es umzugehen gilt. "Wie stellen wir uns für die Zukunft auf?" - das sei auch eine Frage, der man sich in Hünfeld stellen müsse, sagt Holland-Jopp. Innerhalb der Helios-Gruppe versuche man, Schwerpunkte zu setzen und sich gegenseitig so zu ergänzen. "Wir bieten dem Patienten eine Versorgung aus einer Hand, die im Cluster verbundenen Standorte arbeiten dabei eng zusammen", erklärt Holland-Jopp.

Innerhalb der Region gelte es ebenfalls, sich zu komplettieren. Am Beispiel der Blinddarm-OP lasse sich ableiten, was das bedeutet. "Das ist eine Leistung, die wir dem Maximal-Versorger in Fulda gut abnehmen können. So kann das Klinikum sich dann um kompliziertere Eingriffe kümmern", meint Tschesnok. Für ihn ist außerdem klar: "Mit Helios als Partner ist die Reform eine Chance. Wenn wir als kommunales Krankenhaus alleine hier stehen würden, sähe die Lage ganz anders aus."

Für den Bürgermeister der Haunestadt steht überdies fest: Es kann nicht jeder Experte für alles sein. Quantität heißt in der Medizin eben doch oft Qualität. So gelte es fortlaufend zu evaluieren, wo die eigenen Stärken liegen und wie man sich mit anderen Einrichtungen und Partnern ergänzen könne.

Zufriedene Mitarbeiter - erstarkender Ausbildungsstandort

Potenziale sieht Holland-Jopp auch im Bereich der Ausbildung. "Wir wollen die Klinik auch in diesem Bereich stärken", erklärt sie. Aktuell bilde man Pflegefachkräfte und die Kauffrau für Büromanagement aus. Weitere Sparten sollen dazu kommen. "Damit die jungen Menschen vor Ort die berufliche Zukunft finden und nicht in andere Regionen abwandern."

Das sei nur möglich, dank "sehr vieler sehr engagierter Mitarbeiter, die für dieses Haus brennen, ihre Heimat und Familie hier gefunden haben." Tschesnok berichtet, die Verbundenheit der Mitarbeiter reiche bis weit ins Rentenaltern. "Viele kommen immer wieder zurück, um sich auszutauschen und wiederzutreffen." Das zeuge von einer Verbundenheit über das aktive Tun hinaus.

Holland-Jopp fügt an, dass auch die Bewerber-Situation sehr gut sei - über alle Bereiche hinweg. "Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ passt es." Viele seien durch Mund-zu-Mund-Propaganda an die Klinik gelang. "Das ist immer auch ein guter Grad-Messer für die Stimmung im Team. Niemand empfiehlt einen Arbeitsplatz, an dem er selbst nicht glücklich ist."

Ein Haus im Wandel der Zeit - "Wir nehmen die Challenge an"

Das Gesundheitswesen ist aktuell im Wandel. Immer weniger Menschen haben einen Hausarzt, oft wird stattdessen der Notruf 112 gewählt. Eine Entwicklung, die auch Holland-Jopp beobachtet. Gleichzeitig muss die Klinik einen Generationenwechsel durchlaufen. Auch baulich werde regelmäßig geschaut, wo gehandelt und ertüchtigt werden muss. "Herausforderungen gibt es überall. Wir nehmen die Challenge an und machen das Beste draus", zeigt sich die Klinik-Chefin gelassen.

Trotz bundesweiter Klinikschließungen sieht sich die Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld gut für die Zukunft aufgestellt. Ihre rund 450-jährige Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. (Moritz Bindewald) +++

X