Full House in Ehringshäuser Theaterklause

"Der Vorname": Eine tiefgründige Komödie, die begeistert

Die Ehringshäuser Laienspielgruppe hat das französische Theaterstück, das vielen aus der hinreißenden Verfilmung mit Christoph Maria Herbst bekannt sein dürfte, auf die Bühne der Theaterklause gebracht: "Der Vorname".
Fotos: goa

30.11.2025 / GEMÜNDEN - Alles scheint so schön: eine Familie, in der man Nettigkeiten austauscht, man ist zum Essen eingeladen und es gibt erfreuliche Neuigkeiten – eine Schwangerschaft führt zur Diskussion über den Vornamen des künftigen Erdenbürgers. Die Ehringshäuser Laienspielgruppe hat das französische Theaterstück, das vielen aus der hinreißenden Verfilmung mit Christoph Maria Herbst bekannt sein dürfte, auf die Bühne der Theaterklause gebracht. Wie von dem eingespielten Team nicht anders zu erwarten: beste Unterhaltung, die auch die Tiefgründigkeit des Stoffes gebührend rüberbringt. Ein am Ende stehendes Publikum des ausverkauften Hauses war (wieder einmal) begeistert.



Unter der Regie von Thomas Tomaschewski führte das fünfköpfige Ensemble die Zuschauer durch groteske Irrungen und Wirrungen, Abgründe tun sich auf, die heile Welt gerät völlig aus den Fugen – und das nur wegen eines -zugegebenermaßen recht besonderen- Vornamens: Adolphe. Wer hätte gedacht, dass die Diskussion derart verhängnisvolle Kreise ziehen könnte und schwelende Minenfelder freigelegt werden: alles, was im zwischenmenschlichen Bereich jahrelang akkurat unter den Teppich gekehrt wurde, wird nun seziert und gnadenlos freigelegt: heimlicher Neid, unbewältigte Verletzungen, hartnäckige Vorurteile. Immerhin können die Zuschauer sich in Ehringshausen darauf verlassen, dass sie von Dunja Werneburg, Frank Schmitt, Yannis Schlosser und Laura Krumbein äußerst kurzweilig zu einem gütlichen Ende geführt werden. Einer fehlt in der Aufzählung noch, denn Gernot Krumbein muss eine besondere Würdigung erfahren: wie er mit jeder Pore den "vermeintlich schwulen Musiker" Claude verkörpert, der dann auch noch wegen der Beziehung zur Mutter der anderen angefeindet wird, das ist großes Theater. Sein feiner Orchesterfrack mit weißer Fliege und dem orangenen Schal ist ihm nicht nur vom Sitz her auf den Leib geschnitten, sondern Krumbein verleiht Claude eine bravouröse inhaltliche Größe und Würde – besser hätte Tomaschewski diese wichtige Rolle nicht besetzen können.

"DER VORNAME"

Darsteller: Dunja Werneburg, Gernot Krumbein, Frank Schmitt, Yannis Schlosser und Laura Krumbein Regie: Thomas Tomaschewski, Souffleusen: Sandra Petry-Krumbein, Yvonne Schäfer, Johanna Diehl und Evgeniia Reitz

Technik: Florian Harres und Janik Preiß, Maske: Ulrike Tomaschewski, Frisuren: Anja Seipp, Bühne: Winfried Keßler, Thomas Tomaschewski

Bestens unterhaltene Theatergäste erheben am Ende und applaudieren um die Wette, als die fünf Darsteller sich nochmals vor einem sehr gelungenen Bühnenbild präsentieren. Die Zuschauer nehmen einige wichtige Erkenntnisse mit nach Hause: Vorsicht bei Ultraschallbildern! Vorsicht bei "heiler Welt"! Nicht jede ‚Laienspielgruppe‘ beschränkt sich darauf, "nur" Laienspiel anzubieten: in Ehringshausen nennt man es besser ‚ambitioniertes Lokal-/Regionaltheater‘.

"Der Vorname" wird bis zum 7. Dezember noch mehrere Male aufgeführt, Restkarten sind noch erhältlich. Beim dankenden Schlusswort sorgte Regisseur Tomaschewski zum letzten Vorhang des Abends für ein Ooooh: Der Zweijahresturnus meint es gut mit den vielen Fans, denn an Silvester stehen wieder zwei Aufführungen von "Dinner for One" in der Theaterklause an. Tomaschewski selbst wird dann wieder mit Dunja Werneburg die Bühne entern. (goa) +++

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