Konzern reagiert auf Black-Friday-Streik
Machtkampf am umsatzstärksten Tag: Beschäftigte von Amazon revoltieren
Archivfoto: Hans Hubertus Braune
29.11.2025 / BAD HERSFELD -
Am Black Friday, dem Tag, an dem Händler weltweit Rekorde schreiben, brennt in Deutschland ein anderes Thema lichterloh: Tausende Beschäftigte von Amazon und SportScheck Stationär gehen auf die Straße. Während Konsumenten Schnäppchen jagen, kämpfen die Mitarbeitenden um faire Löhne, Respekt und stabile Tarifstrukturen. Inmitten des wichtigsten Handelstages des Jahres verschärft sich ein Konflikt, der seit Jahren schwelt - und der nun eine neue Dimension erreicht.
Pünktlich zum 28. November 2025 ruft ver.di die Beschäftigten in zahlreichen deutschen Amazon-Standorten zum Streik auf - darunter Bad Hersfeld, Dortmund, Werne, Koblenz, Rheinberg, Graben sowie erstmals Mönchengladbach und Frankenthal. Der Arbeitskampf ist Teil eines weltweiten Aktionstages unter dem Motto "Make Amazon Pay".
Gewerkschaft erhöht Druck auf Amazon
Silke Zimmer, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, findet deutliche Worte: "Für unsere Kolleginnen und Kollegen bei Amazon und SportScheck Stationär herrscht angesichts von Arbeitsverdichtung und Willkür-Bezahlung das ganze Jahr Black Friday."Sie hebt hervor, warum die Belegschaft seit Jahren Druck macht: "Deswegen streiken sie: Die Beschäftigten brauchen gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Vergütung für alle anstatt Bezahlung, wie es den Unternehmen gerade in den Kram passt." Für Zimmer ist klar: "Mit der Behandlung nach Gutsherrenart muss Schluss sein."
Black Friday als Belastungshöhepunkt
Der weltweite Aktionstag trifft Amazon an einer empfindlichen Stelle. Der Black Friday bedeutet für die Mitarbeitenden massive Zusatzbelastung - körperlich wie mental. ver.di spricht von permanenter Überwachung, enormer Arbeitsverdichtung und wachsendem Druck.SportScheck Stationär: Beschäftigte zeigen rote Karte
Nicht nur Amazon steht am Black Friday im Fokus. Auch Mitarbeitende des stationären Einzelhändlers SportScheck, der inzwischen zur Cisalfa-Gruppe gehört, verstärken ihren Protest. Die Tarifgespräche zur Anerkennung der Flächentarifverträge waren Anfang November gescheitert.Amazon reagiert auf Streikaufruf
Amazon äußerte sich in einer Stellungnahme ausführlich zum Arbeitskampf und den Vorwürfen. Oliver Kentschke von Amazon Corporate Communications betonte zunächst: "Noch nie waren wir so gut auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet. Kunden können sich wie immer auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung ihrer Bestellungen verlassen."Er hob zudem hervor, dass die Beschäftigten in Deutschland von fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen profitieren. "Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liegt bei 15,65 Euro brutto pro Stunde aufwärts. Über 50 Standorte zahlen schon heute Einstiegslöhne von 16,00 Euro und mehr."
Zusätzlich zu den Löhnen biete Amazon zahlreiche Extras, erläuterte Kentschke. Dazu zählten die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen mit bis zu 4.500 Euro pro Jahr, die Kostenübernahme des Deutschlandtickets, die betriebliche Altersvorsorge sowie Familienboni. "Nicht umsonst ist die Hälfte der Kollegen schon seit über fünf Jahren bei uns", so Kentschke weiter.
Er unterstrich, dass der Streikaufruf keine Auswirkungen auf die Kundenbestellungen habe. Amazon verfüge über ein Netzwerk aus 23 großen Logistikzentren, 9 Sortierzentren und 70 Verteilzentren. Selbst wenn an einzelnen Standorten zu Aktionstagen oder Weihnachten mediale Aufmerksamkeit entstehe, blieben die Lieferungen pünktlich und zuverlässig. Darüber hinaus werde die Stammbelegschaft von 12.000 saisonalen Aushilfen unterstützt. Das Unternehmen arbeite eng mit seinen Mitarbeitenden zusammen, um die Arbeitszufriedenheit weiter zu verbessern. (pm/cb) +++