Erste Enthüllung der Jubiläumssaison
Parzival erobert die Stiftsruine: Thieß Brammer wird Hauptdarsteller
Fotos: Hans-Hubertus Braune
28.11.2025 / BAD HERSFELD -
Ein junger Künstler, ein mythischer Stoff und eine traditionsreiche Bühne: Bei den Bad Hersfelder Festspielen 2026 wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Am Donnerstag wurde offiziell bekanntgegeben, wer eine zentrale Figur der Jubiläumssaison verkörpern wird - und die Wahl fällt auf einen Schauspieler, der sowohl künstlerisch als auch biografisch perfekt zur Rolle passt. Der Parzival ist gefunden - und Thieß Brammer heißt er.
Brammer, Jahrgang 1990 und ausgebildet an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, übernimmt die Titelrolle der großen Festspielproduktion im Sommer 2026. Regisseur Michael Schachermaier bringt seine eigene Parzival-Fassung zur deutschen Uraufführung - ein Projekt, das inhaltlich wie emotional bedeutend ist. Der zugrunde liegende Stoff aus dem frühen 13. Jahrhundert stammt von Wolfram von Eschenbach und erzählt die Suche nach dem Heiligen Gral, dem legendären Kelch des Letzten Abendmahls. In der Stiftsruine soll der jahrhundertealte Text zum Leben erwachen - getragen von einem Hauptdarsteller, der ihn gleichzeitig jung, verletzlich und kraftvoll verkörpert.
Regisseur Schachermaier erklärt seine Wahl
Für Regisseur Michael Schachermaier stand früh fest, wen er für diese Aufgabe braucht. Er sagt: "Als der Gedanke aufkam, Parzival in Bad Hersfeld auf die Bühne zu bringen, war für mich sofort klar, die Titelrolle nur mit Thieß Brammer besetzen zu können. Aus vorherigen gemeinsamen Arbeiten ist ein großes Vertrauen, eine Neugier, eine gemeinsame künstlerische Sprache vorhanden." Die perfekte Besetzung
Damit zeichnet Schachermaier das Bild eines Schauspielers, der keine Angst davor hat, sich selbst infrage zu stellen - eine Eigenschaft, die für die Figur des Parzival bedeutend ist, der im Verlauf der Geschichte selbst eine Reise zwischen Unschuld, Scheitern und Erkenntnis durchläuft.Schließlich betont der Regisseur den emotionalen Kern seiner Wahl: "Er schafft es, sich dem Publikum und darüber hinaus zur Gänze auszuliefern, kraftvoll und weich zugleich. Thieß ist ein höchst emphatischer Schauspieler und genau deshalb muss gerade er Parzival in Bad Hersfeld sein. Ich freue mich darüber, diese gemeinsame Reise nicht nur mit einem ungemein talentierten Spieler antreten zu dürfen, sondern auch mit einem Freund!"
Brammers persönlicher Blick auf die Rolle
Für Brammer selbst ist die Einladung nach Bad Hersfeld ein Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn. Er war Ensemblemitglied am Theater Freiburg, hat an der Berliner Volksbühne ebenso gespielt wie am Theater Oberhausen und kennt sowohl klassische als auch moderne Rollen. Nun beginnt für ihn ein neuer Abschnitt.Zwischen den Zeilen wird deutlich, wie zentral ihm die Verbindung zwischen Bühne und Publikum ist. Er will nicht nur spielen, sondern Menschen berühren - und die Festspiele bieten ihm mit der einzigartigen Atmosphäre der Stiftsruine dafür eine ideale Bühne.
Ein Blick auf den Weg des Schauspielers
Thieß Brammer wurde 1990 in Berlin-Kreuzberg geboren und wuchs in Schleswig-Holstein auf. Schon mit 14 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Schauspielerei im Theaterjugendclub des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters. Seine Ausbildung begann 2011 an der Hochschule Ernst Busch. Bereits während des Studiums stand er an der Berliner Volksbühne auf der Bühne.Brammer arbeitete unter anderem mit Amir-Reza Koohestani, Christina Tscharyiski, Lily Sykes und Ewelina Marciniak. Er spielte Rollen wie den Faust in einer hybriden Virtual-Reality-Inszenierung, Petrucchio in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" oder Josef K. in Kafkas "Der Prozess". Auch filmisch hat er Spuren hinterlassen - etwa in "Unruhezeiten" oder im polnischen Kinofilm "Cudowne zycie".
Wiedersehen mit einem bekannten Regisseur
Die Zusammenarbeit mit Schachermaier ist keine neue. Beide verbindet eine fast zehnjährige künstlerische Geschichte, beginnend 2016 mit "Die unendliche Geschichte" am Theater Oberhausen. 2020 folgte "Das Kalte Herz" in Freiburg. Die Festspiele 2026 sind also nicht zufällig ein gemeinsamer Schritt - sondern der nächste logische. (Constantin von Butler) +++