"Muss erst jemand tot auf dem Platz liegen?"
Drei Jahre Sperre nach Jugend-Eklat: Gegenspieler lebensbedrohlich verletzt
Symbolbild: Pixabay
28.11.2025 / FULDA -
Nach zwei erschütternden Ausschreitungen bei Jugendspielen des HGM Fulda - einer Spielgemeinschaft aus Horas, Gläserzell und Maberzell - zog der Verein Mitte November die Notbremse und nahm seine U19 kurzerhand aus dem laufenden Wettbewerb. OSTHESSEN|NEWS hatte bereits ausführlich über die dramatischen Vorkommnisse und die Entscheidung berichtet. Jetzt wurde es offiziell: Die Verhandlung vor dem Kreissportgericht Fulda hat stattgefunden - und sie hat es in sich.
Das Sportgericht setzte sich aus dem Vorsitzenden Andreas Hoffmann und den beiden Beisitzern Bernhard Haase sowie Kreisjugendwart Alfred Wess zusammen. Sie haben im Zuge der Vorfälle nach der A-Jugend Partie zwischen HGM Fulda gegen JVF Burghaun/Haunetal das Urteil gesprochen. Auf eine mündliche Verhandlung konnte aufgrund der guten Zusammenarbeit der beteiligten Vereine verzichtet werden. Hervorgehoben wird hier nochmal eine gute Aufarbeitung vom FV Horas.
Andreas Hoffmann erklärt exklusiv gegenüber OSTHESSEN|NEWS: "Wir müssen natürlich die Schwere des Vergehens bewerten, und wenn da jemand auf die Intensivstation muss. Wie weit soll es denn gehen? Muss erst jemand tot auf dem Platz liegen bleiben?" Diese Aussage zeigt, dass man bei solchen Vergehen keine Milde walten lassen und hart durchgreifen sollte, damit sich so etwas Tragisches nicht wiederholt.
Zur Situation
Bereits während der Partie begannen die Eskapaden, zwei Platzverweise und gegenseitige Beleidigung - die der Schiedsrichter nicht wahrnahm. So war die Atmosphäre schon sehr aufgeheizt. Das grob unsportliche Verhalten des Trainers von HGM Fulda, dessen Platzverweis die Situation noch weiter eskalieren ließ, trug erheblich zur Spannung bei.Das Sportgericht machte unmissverständlich klar, wie gravierend die Vorfälle einzustufen sind: Die Attacken mehrerer HGM-Spieler und eines Betreuers werteten die Richter als gemeinschaftliche Gewaltaktion. Eine solche Gruppenschlägerei gilt als besonders schwer - erst recht, wenn sie, wie hier, in lebensbedrohlichen Verletzungen endet. Für das Gericht war daher eindeutig: Jeder Beteiligte trug zu einem "besonders schweren Fall" bei - selbst jene, die sich über die dramatischen Folgen nicht bewusst waren.
Das Sportgericht kam in seinem Urteil zu folgenden Entscheidungen:
HGM Fulda:375 Euro Geldstrafe wegen Ausschreitungen und falscher Angaben
1 Jahr Platzverbot
200 Euro Geldstrafe
Spieler mit roter Karte im Spiel:
Sperre bis 1. April 2026 (max. 6 Pflichtspiele)
Zwei Haupttäter:
3-jährige Sperre wegen lebensbedrohlicher Verletzung eines Gegenspielers
Spieler mit "Kung-Fu-Tritt":
2-jährige Sperre
Betreuer:
1 Jahr Platzverbot
200 Euro Geldstrafe
Zwei Spieler (HGM und JFV):
Freispruch mangels Beweis
Auf zusätzliche Maßnahmen - etwa ein Seminar zur Konfliktlösung - verzichtete das Sportgericht. Eine solche Schulung war nach den Vorfällen bereits angeordnet worden, hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg gezeigt.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; HGM Fulda kann beim Verbandsgericht weiterhin Berufung einlegen. Weiter noch erläutert Hoffmann im Gespräch mit O|N: "Der HFV wird das Urteil auch noch einmal prüfen. Anscheinend steht sowas in Frankfurt auf der Tagesordnung."
Abschließend erklärt das Kreissportgericht: "Allen Vereinen sollte klar werden, dass Gewalt, ob verbal oder körperlich, im Fußball keinen Platz hat. Sie sollten mögliche Konsequenzen erkennen und Betreuer wie Spieler regelmäßig in Themen wie Fair Play, Konfliktbewältigung und Deeskalation schulen. Der Hessische Fußballverband bietet hier geeignete Maßnahmen an." (Nicolas Kraus)+++