O|N-Arzt Adrian Böhm klärt auf
Für Zukunft ohne Gewalt: Orange Day gegen Femizide
Alle vier Minuten wird in Deutschland eine Frau Opfer von Gewalt. Die aktuellen Statistiken des Innenministeriums und des Bundeskriminalamts zeichnen ein alarmierendes und erschütterndes Bild: Im vergangenen Jahr wurden 132 Frauen durch ihren Partner oder ehemaligen Partner getötet.
Symbolfotos: Pixabay
26.11.2025 / REGION -
Alle vier Minuten wird in Deutschland eine Frau Opfer von Gewalt. Die aktuellen Statistiken des Innenministeriums und des Bundeskriminalamts zeichnen ein alarmierendes und erschütterndes Bild: Im vergangenen Jahr wurden 132 Frauen durch ihren Partner oder ehemaligen Partner getötet. Bei weiteren 308 Frauen kam es zu einem Mord- oder Tötungsversuch, also im Durchschnitt nahezu einmal pro Tag. Insgesamt wurden mehr als 135.000 Frauen Opfer partnerschaftlicher Gewalt. Expertinnen und Experten gehen zudem von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da viele Betroffene aus Scham, Angst oder mangelnden Unterstützungsangeboten keine Anzeige erstatten.
Der Dienstag, der 25. November 2025, markiert den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. International wird dieser Aktionstag, auch bekannt als Orange Day, seit Jahren genutzt, um auf die weltweite Problematik von Gewalt, Diskriminierung und struktureller Benachteiligung von Frauen aufmerksam zu machen. Die Vereinten Nationen wählten die Farbe Orange als Symbol für eine Zukunft ohne Gewalt. Gebäude, Institutionen und öffentliche Plätze werden an diesem Tag oft in orangefarbenes Licht getaucht, um ein sichtbares Zeichen der Solidarität zu setzen.
Ein zentraler Begriff im Zusammenhang mit partnerschaftlicher und geschlechtsspezifischer Gewalt ist der des Femizids, also der Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Femizide treten häufig nach dem Ende einer Beziehung auf, ihre Ursachen sind jedoch vielfältig. Sie reichen von krankhafter Eifersucht über extreme Verlustängste bis hin zu tief verankertem Frauenhass. Auch innerfamiliäre Tötungen, etwa an Müttern oder Großmüttern, werden in diese Kategorie eingeordnet. Femizide gelten weltweit als Ausdruck struktureller Ungleichheit und patriarchaler Machtverhältnisse.
Ziel des Aktionstages ist es daher nicht nur, der Opfer zu gedenken, sondern auch die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Immer wieder findet sich auf Demonstrationen der eindringliche Appell: "Schützt nicht eure Töchter, sondern erzieht eure Söhne." Prävention beginnt bei der Erziehung und Aufklärung, setzt sich fort in gesellschaftlicher Sensibilisierung und endet nicht zuletzt bei ausreichenden Schutz- und Hilfsangeboten für betroffene Frauen und deren Kinder. Doch viele Frauenhäuser und Beratungsstellen sind chronisch unterfinanziert und können der steigenden Nachfrage kaum gerecht werden.
Gleichzeitig trägt jede und jeder einzelne Verantwortung. Zivilcourage ist ein entscheidender Baustein im Kampf gegen Gewalt. Hinweise auf Gewalt, im privaten Umfeld ebenso wie im öffentlichen Raum, sollten ernst genommen werden. Bei konkretem Verdacht auf häusliche Gewalt ist es wichtig, die zuständigen Behörden zu informieren. Bei akuter Gefahr muss unverzüglich die Polizei unter der Notrufnummer 110 alarmiert werden. Betroffene Frauen müssen ermutigt werden, sich aus gewaltvollen Beziehungen zu lösen und Hilfe anzunehmen. Unterstützung bietet rund um die Uhr das bundesweite Hilfetelefon unter der Nummer 116 016 oder als Chat unter https://www.hilfetelefon.de/. Diese Hilfe ist anonym, kostenfrei und in vielen Sprachen verfügbar. Jeder durchgeführte Femizid ist einer zu viel. Nur als Gesellschaft gemeinsam können wir dafür sorgen, dass diese schrecklichen Taten in Zukunft verhindert werden können. (Adrian Böhm) +++
O|N-Arzt Adrian Böhm.
Archivfoto: O|N