Arbeiten, Wohnen, Leben
Syrer im Autopark: "Mit Saied fachlich und menschlich das große Los gezogen"
Fotos: goa
26.11.2025 / ROMROD -
Zehn Jahre nach "Wir schaffen das!" kommen die Menschen zu sehr unterschiedlichen Bewertungen zum zurückliegenden Jahrzehnt. Längst nicht alles ist gelungen, doch so manche Geschichte verdient es besonders, erzählt zu werden.
Die von Saied Fawal, der aus Syrien floh und nach Romrod-Zell (Vogelsbergkreis) kam, ist eine solche. Im Autopark Lang öffnete man ihm trotz Sprachbarriere die Tür – zehn Jahre danach genießt er höchste Anerkennung in fachlicher und zwischenmenschlicher Hinsicht.
"Ich will arbeiten"
Schon nach wenigen Wochen wurde er einer Unterkunft in Romrod – Zell zugewiesen. "Dort lernte ich Eleonore und Rudi Hansel kennen, die mir gerade in der Anfangszeit sehr geholfen haben, zum Beispiel mit regelmäßigem Sprachunterricht", blickt der Geflüchtete zurück. Doch monatelange Untätigkeit ging für ihn gar nicht: "Ich will arbeiten, ich kann nicht einfach nur herumsitzen.""Keinen Moment bereut"
Der 30jährige Syrer wohnt seit ein paar Jahren in Lauterbach. Zu seinen Hobbies zählt er den Gang ins Fitnessstudio, Autofahren und Bergwandern: der Königssee und Österreich haben ihn schon begeistert. Seine Aufenthaltsgestattung werde immer nur um zwei Jahre verlängert, doch Fawal hofft, dass sie bald unbefristet erteilt wird und sein Antrag auf Einbürgerung Erfolg hat."Wir haben dem Saied die Hilfe gerne zuteilwerden lassen und mussten es noch keinen Moment bereuen, ganz im Gegenteil", sagt Björn Lang, Geschäftsführer und Inhaber des Autoparks, der seit der Gründung vor 42 Jahren durch Vater Rüdiger als Subaru-Händler firmiert. Björn Langs Wertschätzung geht weit über das fachlich-berufliche hinaus, denn auch menschlich passe es haargenau, wie er versichert. "Saied und ich haben abseits der Arbeit schon Nächte hindurch sehr angeregte Gespräche geführt, mal sind es richtig ernste Themen, mal gehen sie einher mit viel Lachen.
Es ist ein fast schon brüderliches Verhältnis geworden, wir begegnen uns privat und im Arbeitskontext auf Augenhöhe." Bei aller Begeisterung weiß er, dass dieser "Vorzeigemensch" (O-Ton Björn Lang) eben so wenig verallgemeinert werden kann wie ein anderer Syrer, mit dem er es auch in der Werkstatt versucht hatte. "Das hat nicht gepasst und wir haben uns wieder getrennt." Langs Botschaft lautet: "Bitte nie verallgemeinern, sondern den Menschen eine Chance geben! Nach fast zehnjähriger Betriebszugehörigkeit von Saied Fawal können wir jedenfalls sagen: Wir haben alles richtig gemacht und mit ihm das große Los gezogen!" (goa) +++