Haushalt 2026
Landrat Stolz sieht Main-Kinzig-Kreis "weiterhin handlungsfähig und verlässlich"
Fotos: Pressestelle MKK
22.11.2025 / MKK -
Die derzeitigen Haushaltsberatungen für das kommende Jahr im Main-Kinzig-Kreis sind geprägt von "weiterhin sehr herausfordernden Rahmenbedingungen für die Kommunalfinanzen", wie Landrat Thorsten Stolz (SPD) erklärt. Denn die aktuellen internationalen und nationalen Verwerfungen, Krisen und Herausforderungen haben unmittelbare Auswirkungen und finden finanziell ihren Niederschlag im vorgelegten Zahlenwerk. Beispielhaft nennt der Landrat die anhaltende wirtschaftliche Stagnation, gleichzeitig steigende Ausgaben und Aufgaben im Jugendhilfe- und Sozialhilfebereich sowie die unzureichende Krankenhaus- und Pflegefinanzierung.
Noch im Sommer zeichnete sich nach ersten Kalkulationen eine dramatische Finanzierungslücke von bis zu 90 Millionen Euro ab. "In zahlreichen und intensiven Konsolidierungs-, Optimierungs- und Beratungsrunden innerhalb der Kreisverwaltung und den einzelnen Dezernaten ist es gelungen, dieses Defizit erheblich zu reduzieren und trotz aller Widrigkeiten spätestens mit der finalen Beschlussfassung in Dezember einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen", berichtet der Landrat. Am 31. Oktober wurde der umfangreiche Finanzplan zur Beratung in den Kreistag eingebracht.
Wie schon in der jüngsten Kreistagsitzung von Thorsten Stolz ausgeführt, "ist die aktuelle Schieflage der Kommunalfinanzen, insbesondere die dramatische Entwicklung in den Landkreisen, nicht hausgemacht, sondern der Tatsache geschuldet, dass die Landkreise, immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, ohne dafür eine angemessene Kostenerstattung zu erhalten". Erschwerend komme hinzu, dass der Landkreis über keine finanziellen Reserven mehr verfügt, um aus eigener Kraft heraus Finanzierungslücken zu schließen oder Defizite zu decken. Reserven und freie liquide Mittel sind seit 2024 nicht mehr vorhanden.
Diese Zielsetzung zeige sich in der im Haushaltsentwurf abgebildeten Agenda mit unvermindert hohen Anstrengungen für Bildung und Schule, Glasfaserausbau und Digitalisierung, den Ausbau der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie für die Themen Klimaschutz, Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV. Zudem setze der Main-Kinzig-Kreis mit dem Bau des Azubi-Campus neue Impulse für Arbeit, Ausbildung und Fachkräftesicherung. Zudem gehe es darum, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren und bürgerschaftliches Engagement nach Kräften zu unterstützen.
Durch das Zusammenspiel von Homeoffice, mobilem Arbeit und einer intelligenten Raumlogistik verfolgt die Kreisverwaltung mit hoher Dynamik das Konzept der geteilten Arbeitsplätze (Desksharing). Damit wird es in den nächsten Jahren möglich sein, angemietete Büroflächen freizugeben und mittelfristig 700.000 Euro pro Jahr einzusparen.
Wie der Landrat bereits in seiner Rede im Kreistrag ausgeführt hatte, ist der vorgelegte Haushaltsentwurf "kein Wünsch-Dir-Was-Konzert, aber ein wichtiger Impuls, um entscheidende Politik- und Handlungsfelder bewusst zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und die Infrastruktur zu stärken". Zu dieser Stärkung zählen auch die Investitionsförderungen für die Main-Kinzig-Kliniken in Höhe von 6 Millionen für den Ausbau der zentralen Notaufnahme einschließlich Neustrukturierung der Anästhesie in Gelnhausen, den Umbau der Inneren Medizin in Schlüchtern sowie den Aufbau einer geriatrischen Tagesklinik in der Bergwinkel-Stadt.
Neben der Konsolidierung und Stärkung der kreiseigenen Alten- und Pflegezentren nennt Thorsten Stolz die Akademie für Gesundheit und Pflege als weiteres Beispiel des Gestaltungswillens. Für die gemeinnützige GmbH geht es nach der erfolgreichen Eröffnung des neuen Physio-Campus vor rund drei Monaten mit dem Erwerb eines Nachbargrundstücks nun um die Arbeiten für den Erweiterungsbau am Bildungshaus in Gelnhausen. "In der neuen Akademie erweitern wir die Ausbildungsplätze für bis zu 800 Nachwuchskräfte im Bereich der Pflege, aber auch in weiteren Gesundheitsberufen", erläutert der Landrat.
Beispielhaft ist aus Sicht des Landrates auch der Einsatz und Ausbau der erneuerbaren Energien. Schon heute nimmt der Main-Kinzig-Kreis in Hessen einen vorderen Platz ein. Mittlerweile gibt es 17.700 Photovoltaikanlagen, 26 Biomasseanlagen, 29 Wasserkraftanlagen und 111 Windkraftanlagen, die ausreichend Strom für alle privaten Haushalte im Landkreis liefern. Im Sinne der Nachhaltigkeit werde zudem das innovative Projekt des Wasserverbandes Kinzig am Stausee in Ahl vorangetrieben. Ziel ist es hier, bis zu 9 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aufzubereiten, das der Region nach dem letzten Planungsstand ab 2031 zur Verfügung steht.
"Die genannten Bespiele unterstreichen, dass wir trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen intensiv an der Zukunftsfähigkeit der Region im Sinne der Bürgerinnen und Bürger arbeiten und in einem hohen Maß Verantwortung übernehmen", macht der Landrat deutlich.
Eckdaten und Kennzahlen des Haushaltes 2026:
- Fehlbetrag Ergebnishaushalt: 6.303.687 Euro
- Ordentliche Erträge 822.642.000 Euro
- Ordentliche Aufwendungen 828.945.687 Euro
- Defizit Finanzhaushalt 18.762.056 Euro
- Liquiditätskredite laut HH-Satzung 70.000.000 Euro
- Summe der Investitionen 105.111.200 Euro (pm/ems) +++
Archivbild: O|N