Jahrestagung des Landkreistags
Woide fordert: "Es brauch harte Reformen" - Sozialleistungen anpacken
Fotos: Rene Kunze
21.11.2025 / FULDA -
"Braucht es immer nur mehr Geld? Ich sage nein, es braucht harte Reformen", spricht der neu gewählte Präsident des Hessischen Landkreistages Klartext. Am Freitagmorgen wurde der Fuldaer Landrat Bernd Woide in dieses wichtige Amt gewählt. (Lesen Sie hier mehr.) Gleich zum Amtsantritt widmet er sich den harten Realitäten unserer Zeit.
Am Freitag tagte der Verbund der Hessischen Landkreise - der Landkreistag - im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses. Zu den vorab angekündigten Themen zählen die Entwicklung auf der Bundes- und Landesebene unter anderem die Besorgnis erregende Situation der Kreisfinanzen mit ihren Auswirkungen zum Beispiel auf die Krankenhausfinanzierung, die Finanzierung des ÖPNV und weitere öffentlicher Aufgaben. Weiterhin thematisiert wurde der Stand der Arbeiten an der Umsetzung des von Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU) vorgeschlagenem "Zukunftspakts für starke Kommunen".
Fort mit der deutschen Über-Regelung, zurück zum Vertrauen
Außerdem widmete sich der Landrat der deutschen Regelungs-Wut und kritisierte das Bestreben, Einzelfallgerechtigkeit mit jedem Gesetz zu gewährleisten. "Das hat nicht funktioniert und wird auch nie funktionieren", ist er sich sicher. Stattdessen brauche es wieder mehr Spielräume, Raum für Ermessensentscheidungen. Deutschland sei aus gutem Grund von unten nach oben aufgebaut und strukturiert worden. Kommunale Selbstverwaltung - dorthin müsse man zurück. "Die Situation auf dem Land eine andere ist als in der Metropole", meint er und bringt das Beispiel des Linienverkehrs und der Nachmittagsbetreuung in SchulenKlares Signal: Ländlicher Raum ist nicht defizitär, sondern Zukunftsträger
Breiten Applaus bekommt der erfahrene Landrat bei zwei Punkten: an Land und Bund gerichtet appelliert er zu mehr Vertrauen und weniger Misstrauenskultur - von den versammelten Vertretern fordert er, den ländlichen Raum nicht als defizitär zu betrachten, sondern seine Stärken zu sehen. "Wenn wir Ort sind, treffen wir beinahe ausschließlich Menschen, die hier gern leben. Dörfer haben sich viele Dinge bewahrt, die in urbanen Zentren vor einigen Jahrzehnten verloren gegangen sind."Seine Ansprache schloss er mit den Worten: "Bei allen Schwierigkeiten und allen Problemlagen - Wir leben doch in einem Land mit Frieden, Freiheit und wo man seine Meinung sagen kann. Das ist nicht selbstverständlich".
Innenminister sieht Kommunen als Stützpfeiler der Demokratie
Hier sei Hessen auf einem guten Weg, habe gar "Maßstäbe gesetzt". Von einem "Feuerwerk an Initiativen und Maßnahmen" zugunsten der Kreise und Städte sprach der Minister. "Das machen wir, weil wir wissen, wie wichtig die kommunale Ebene ist. Sie sind Stützpfeiler für die Demokratie. Hier entscheidet sich, welches Vertrauen die Menschen unserem Staat entgegenbringen", so Poseck.Gemeinsam Kommunale Interessen selbstbewusst vertreten
Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld ist nicht nur Gastgeber des Landkreistags, sondern auch Erster Vizepräsident des Hessischen Städtetags. Er betonte, wie wichtig es ist, dass die kommunale Familie zusammen steht. "Es gilt kommunale Interessen selbstbewusst zu vertreten, sonst gehen sie unter", so Wingenfeld. Im Anschluss folgte die Festrede von Prof. Dr. Hans-Günter Hennecke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages. Auch er stellte die Frage: "Ist das der Weg, den wir in diesem Land gehen wollen?". (Moritz Bindewald) +++