Neuer Klang im Dom
Domorganist Max Deisenroth verbindet Improvisation, Kirche und Emotionen
Seit dem 1. September füllt ein neuer Klangmeister den Dom von Fulda mit Musik: der frisch ernannte Domorganist, Max Deisenroth.
Fotos: Niklas Mönke
28.11.2025 / FULDA -
"Die Orgel hat mich schon immer fasziniert", sagt er und lächelt. Seit dem 1. September füllt ein neuer Klangmeister den Dom von Fulda mit Musik: der frisch ernannte Domorganist, der nicht nur die Tasten beherrscht, sondern die Menschen bei den Gottesdiensten emotional erreichen möchte. Vom autodidaktischen Klavierspiel als Kind über ein Maschinenbaustudium bis hin zur Leidenschaft für Orgelmusik - sein Weg ist so facettenreich wie das Instrument, auf dem er spielt.
Max Deisenroth ist seit dem 1. September der neue Domorganist von Fulda. Der 34-Jährige kommt damit nach Osthessen zurück. Geboren und aufgewachsen ist er in Nidderau (Main-Kinzig-Kreis). Musik gehört seit seiner Kindheit zu seinem Leben. "Schon als Kind habe ich versucht, mir das Klavierspielen selbst beizubringen. Später, ab Ende der Grundschule, habe ich dann regulären Klavierunterricht genommen, nachdem ich mir vieles bereits autodidaktisch beigebracht hatte. Die Orgel jedoch übte von Anfang an eine ganz besondere Faszination auf mich aus", sagt Deiseroth im Interview mit OSTHESSEN|NEWS.
"Vom ersten bis zum letzten Moment ein Genuss"
"Wir hatten einen tollen Organisten bei uns im Ort, der mir die ersten Schritte gezeigt hat." Der Traum vom Orgelspieler wurde an diesem Punkt geboren. In kommenden Jahren tat der 34-Jährige alles, um diesen auch in die Wirklichkeit umsetzen zu können. Über kleinen Umweg - das Maschinenbaustudium - kam er schließlich zu seiner Berufung und studierte katholische Kirchenmusik und Orgelimprovisation an der Hochschule für Musik in Freiburg. "Es war vom ersten bis zum letzten Moment des Studiums ein Genuss", so Deisenroth. Er machte einen Master in Orgelimprovisation und Konzertexamen in Berlin bei Prof. Wolfgang Seifen.
Mit der Stellenausschreibung eines neuen Domorganisten in Fulda war Deisenroth Feuer und Flamme. "Es hat einfach sehr, sehr viel zusammengepasst - künstlerisch und familiär." So ist er nicht nur gleichzeitig näher an seiner Heimat und Familie, sondern kann sich auch künstlerisch stark weiterentwickeln. Für den 34-Jährigen ging es daraufhin mit einem aufwendigen Bewerbungsverfahren weiter. Nach diesem erhielt er die erfreuliche Nachricht. "Als ich erfuhr, dass ich die Stelle bekommen habe, konnte ich es zunächst kaum glauben. Noch heute erfüllt es mich mit großer Freude, an meinem neuen Ort in Fulda wirken zu dürfen."
Improvisation als Steckenpferd
Deisenroth beseligt es, in der Domstadt als Domorganist tätig sein. Sein Alltag ist eine Mischung aus Gottesdiensten, Chorproben, Konzerten und dem Aufgabenbereich Orgelwesen. Seine absolute Königsdisziplin dabei: die Improvisation. Sie ist einmalig, spontan und kreativ. "Mein besonderes Steckenpferd ist die Orgelimprovisation - das Spiel aus dem Stegreif, ohne Noten. Das ist für mich nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes, sondern ich möchte diese Kunst auch in Konzerten pflegen und aufrechterhalten."
Die Improvisation bietet ihm eine große Freiheit. "Man kann die klanglichen Möglichkeiten der Orgel wie eine Farbpalette nutzen und damit - ähnlich wie ein Künstler mit Farben - ein musikalisches Kunstwerk gestalten." Mit der Improvisation malt er die schönsten Kunstwerke. Musik ist für ihn auch mehr als nur ein paar Töne und Unterhaltung. Es ist eine Form der Verbindung zu Gott. "Man kann die Musik als Gebet ohne Worte auffassen." Die Musik gibt ihm die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, auch ohne Worte - auf einer tieferen Ebene. "Das Wichtigste ist mir, Menschen aller Generationen erreichen zu können. Ich möchte alle ermutigen, in den Dom zu kommen - zu Gottesdiensten oder Konzerten."
Für die Zukunft hat der neue Domorganist noch viele Pläne, die er umsetzen, beziehungsweise Formate, die er weitertragen möchte. Dazu gehören unter anderem der Orgelsommer und die Orgelmatineen. Am kommenden Samstag, um 18 Uhr, startet er aber erst einmal mit seinem Antrittskonzert. Der Eintritt ist hierbei kostenfrei, "damit jeder die Möglichkeit hat, zu kommen." Schauen Sie am Samstagabend also gerne im Dom vorbei und überzeugen Sie sich selbst von Deisenroths Liebe zur Orgel. O|N wird selbstverständlich auch vor Ort sein. (Katharina Geppert) +++