Buß und Bettag

Fuldaer Gespräche :"Wie tragen wir Schuld? – Leben mit leichter Last"


Fotos: E. Reinhardt

20.11.2025 / FULDA - Am Buß- und Bettag hatte der Evangelische Kirchenkreis Fulda zu den Fuldaer Gesprächen in die Christuskirche eingeladen. Im Mittelpunkt stand ein Gespräch mit Dr. Kristin Jahn, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, und Dr. Andreas Leipold, dem evangelischen Gefängnisseelsorger in den Justizvollzugsanstalten Hünfeld und Fulda.



Kristin Jahn berichtete, dass der Kirchentag mit Sitz in Fulda als Laienbewegung mit dem Ziel gegründet wurde, in der Kirche das Evangelium "in anderer Leichtigkeit zum Klingen und Leuchten zu bringen". Heute, so Jahn, verstehe sich der Kirchentag als Dialogplattform, die Menschen miteinander ins Gespräch bringe und zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen und eigener Verantwortung ermutige.

Mit Blick auf das Thema des Abends sagte Kristin Jahn schmunzelnd: "Eigentlich mag kaum jemand den Buß- und Bettag." Und doch sei er ein wertvoller Tag, weil er dazu einlade, innezuhalten und sich der eigenen Verantwortung zu stellen. Jahn betonte die befreiende Wirkung ehrlicher Selbstreflexion: "Wenn man es schafft, über die eigene Schuld zu sprechen, ist man erlöst. Eine innere Inventur schafft Platz für Neues"

Jahn wies nachdrücklich auf die Verantwortung kirchlicher Institutionen hin, besonders im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Eine mangelnde Fehlerkultur und die Erwartung eines automatischen Ablaufs von Entschuldigung und Vergebung begünstigten Missbrauch in der Kirche. "Das Opfer entscheidet, ob es vergibt – niemand sonst", betonte die Theologin. Kirchliche Strukturen müssten so gestaltet sein, dass Betroffene geschützt werden und die Institution glaubwürdig Verantwortung übernehme.

Einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswirklichkeit von Strafgefangenen gab Dr. Andreas Leipold, Gefängnisseelsorger in Hünfeld und Fulda. Er schilderte, welche Rolle Armut und Sucht als Ursachen von Straffälligkeit spielen. Inhaftierung sei ein trotz allem ein notwendiger Ausgleich für getanes Unrecht, argumentierte Leipold. In Bezug auf das Eingestäntnis der eigenen Schuld beobachte er bei vielen Gefangenen die Tendenz, Verantwortung eher abzuwälzen als sich ihr zu stellen. Diese Haltung, so Leipold, sei jedoch keineswegs auf den Strafvollzug beschränkt, sondern spiegle vielmehr eine verbreitete menschliche Eigenschaft wider: sich ungern mit eigenen Fehlern auseinanderzusetzen. Leipold empfahl den Gottesdienstbesuchern das Buch Schuldig: vom Scheitern und Wiederaufstehen von Thomas Middelhoff. Dessen Lebensweg zeige, wie scheitern und neu beginnen zusammengehören können.

Dekan Dr. Thorsten Waap, der gemeinsam mit Claudia Pfannemüller die Gespräche mit den Gästen führte, wies darauf hin, dass evangelische Christinnen und Christen oft keine feste Form haben, persönliche Schuld auszusprechen. Anders als in der katholischen Kirche gebe es im Protestantismus keine institutionalisierte Beichte. Dennoch bestehe auch in der evangelischen Kirche die Möglichkeit, sich im Seelsorgegespräch an eine Pfarrerin oder einen Pfarrer zu wenden.

Den Begriff Sünde bezeichnete Waap als einen "harten theologischen Brocken." Sünde sei definiert als Abwendung von Gott und damit umfassender als der Begriff Schuld. Claudia Pfannemüller betonte, dass Schuldgefühle auch positive Wirkung entfalten können: "Sie schärfen das Gewissen und wirken wie ein innerer Kompass."

Für musikalische Leichtigkeit sorgten bei dem Abendgottesdienst Uli Fromm und Julian Schnorr von den Mambo Kingx, die mitreißend die Fuldaer Hessentagshymne und Schlager wie "Über sieben Brücken musst du gehen" zum Besten gaben und damit den Gottesdienst stimmungsvoll untermalten. Im Anschluss nutzten zahlreiche Gottesdienstbesucher die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. (mp/pm) +++

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