Eskalation und Gewalt

Stadion wird zum Einsatzfeld: Bundespolizei übt für den Ernstfall

Die Bundespolizei Hünfeld hat am Mittwoch für den Ernstfall geübt.
Fotos: Rene Kunze

20.11.2025 / FULDA - Rivalisierende Fanlager, Pyrotechnik, Gewaltattacken: Was sich sonst an Wochenenden in echten Fußballstadien abspielt, wurde am Mittwoch am Sportpark Johannisau in Fulda unter regnerisch-verschneiten Bedingungen intensiv geprobt. Die Bundespolizeiabteilung Hünfeld trainierte mit einer Großzahl an Einsatzkräften den Ernstfall.


Trotz nasskaltem Schneeregen gingen rund 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ans Limit, um ein möglichst realistisches Einsatzszenario zu simulieren: Ein fiktives Fußballspiel zweier verfeindeter Fangruppen, die immer wieder aufeinander losgehen. Für die Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft (BFHu) ist dieses Training Teil einer umfassenden zwölfwöchigen Fortbildung. Die Bereitschaftspolizei aus Thüringen war ebenfalls zur Unterstützung der Übung dabei.

Egal ob Demo oder Fußballspiel: Auf den Ernstfall vorbereitet sein

"Ziel dieser Fortbildungsmaßnahme ist es, das Vorgehen gegen gewaltbereiter Fußballfans zu trainieren. Dafür müssen die Polizeibeamten die polizeilichen und strafprozessualen Maßnahmen treffen", erklärte Michael Moser, Hauptkommissar und Pressesprecher der Bundespolizei Hünfeld. "Dazu gehört beispielsweise die Identitätsfeststellung, aber auch die Sicherung von Beweismittel oder die Festnahme von Straftätern unter Anwendung von unmittelbarem Zwang", führte er weiter aus. Solche Situationen kenne man aus dem Einsatzalltag nur zu gut: "Es sind Szenarien, die eigentlich jedes Wochenende stattfinden können. Sei es eine Demonstration oder wie heute hier ein (fiktives) Fußballspiel. Das Ziel ist es, die Kollegen auf den Ernstfall vorzubereiten", ergänzte Christian P., stellvertretender Hundertschaftsführer der BFHu.

Mehrere Übungsphasen

Die Übung war in mehrere Phasen gegliedert, beginnend mit der Anreise der Fans. Bereits in den Bussen wurden Kontrollen durchgeführt, Identitäten festgestellt und potenzielle Straftäter herausgezogen. Mit dem Betreten des Stadions begann die "heiße Phase". Die beiden Gruppen lieferten sich lautstarke Wortgefechte, zündeten Pyrotechnik und warfen Gegenstände. Immer wieder musste die Polizei einschreiten, Straftäter aus der Menge ziehen und Festnahmen durchführen - trotz eingeschränkter Sicht durch Schnee und Rauch. Während der Spielzeit herrschte kurz die Ruhe vor dem nächsten Sturm.

In einer letzten Übungsphase galt es dann, die Fangruppen beim Abmarsch voneinander fernzuhalten. Wasserwerfer kamen zum Einsatz, stießen Dummies um und schafften Raum, während die Einsatzkräfte unter widrigen Witterungsbedingungen Störer festnahmen und Gruppen auflösten.

Die Szenen waren so dynamisch wie fordernd. Am Ende zeigte sich jedoch: Genau solche Übungen sind unverzichtbar. Sie schulen das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten, stärken das taktische Verständnis und bereiten die Beamtinnen und Beamten gezielt auf jene Lagen vor, die im Alltag jederzeit auftreten können - ob bei Demonstrationen oder Fußballspielen, wie sie auch in Osthessen passieren. Trotz Kälte, Schnee und ordentlich Krawall blieben die Abläufe strukturiert, die Maßnahmen präzise und der Teamgeist spürbar. (Emely Schrön) +++




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