Neues Format in der Barockstadt

Zuhören als Schlüssel: Fuldaer Persönlichkeiten sprechen über Streitkultur

"Fulda spricht" - Fuldaer Persönlichkeiten sprechen über Streitkultur im Vonderau Museum
Fotos: Carina Jirsch

16.11.2025 / FULDA - Fulda spricht - unter diesem Motto luden das Welcome In! Fulda e.V. und die Katholische Akademie des Bistums Fulda am Samstag in die Kapelle des Vonderau Museums Fulda ein. Bei diesem neuen Format, einer Dialogveranstaltung, sollen Bürger mit ganz unterschiedlichen Meinungen miteinander ins Gespräch kommen. Ziel ist es, respektvolle Diskussion und echte Begegnung zu fördern - jenseits von Parteipolitik und professionellen Debatten.



Das Highlight des Tages war eine Podiumsdiskussion zum Thema Diskussions- und Streitkultur mit Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Polizeipräsident Michael Tegethoff, Marietta Gädeke (ehemalige Deutsche Meisterin im Debattieren), Frauke Goldbach (Aktivistin), Katja Schmirler-Wortmann (Kreuz e.V.) und Dr. Martin Stanke (Generalvikar des Bistums Fulda) – moderiert von Shaggy Schwarz.

Das ist der Schlüssel für gute Diskussion

In der Podiumsdiskussion wurde schnell deutlich, dass es ein Schlüssel für gute Diskussion ist, zuzuhören und zu versuchen, sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen. "Es ist gut und richtig, dass man mit Leidenschaft für Positionen steht", macht Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in der Diskussionsrunde deutlich. Wichtig sei es, zu versuchen, dass, wenn Menschen eine andere Meinung haben, klarzumachen, dass man Respekt vor dem anderen habe, so Wingenfeld weiter. Dr. Martin Stanke ergänzt, dass es auch innerhalb der Kirche wichtig sei, wie man fair und offen miteinander umgehen könne.

Frauke Goldbach macht deutlich, wie gefährlich Social Media im Bereich der Streitkultur ist: "Man versteht sich oft falsch und fühlt sich schnell angegriffen. Wichtig bei jungen Menschen ist, dass wir uns trauen im persönlichen Kontext in den Diskurs zu gehen." Gerade junge Menschen fühlten sich in der heutigen Zeit oft nicht gehört. Und Dr. Martin Stanke ergänzt zu Social Media, dass es durch die Schnelllebigkeit an immer mehr Tiefgang fehle.

Doch es fehlt noch etwas für den gelungenen Dialog. Katja Schmirler-Wortmann erklärt: "Es gibt nicht genügend Begegnungsorte. Die Orte, wo man sich trifft sind weniger geworden, der Raum im Netz hingegen mehr und Vereine werden weniger." Die große Aufgabe sei es, neue analoge Orte für solche Begegnungen zu schaffen. Marietta Gädeke sagt dazu: "Wir haben nicht mehr die Begegnungen in der Masse und Anzahl, wie es sie früher gab. Die Zeit, die wir nun als Handynutzung haben, wäre die Zeit, wo wir mit anderen in Kontakt gekommen wären."

Michael Tegethoff bringt es auf den Punkt: "Ich bin überzeugt, dass Kommunikation unsere stärkste Waffe ist. Sie führt dazu, dass wir deeskalieren, gefährliche Situationen verhindern und Vertrauen bilden." Kommunikation schütze Menschen und stärke das Vertrauen in die Polizei.

Hintergrund

"Wir wollen einen Raum schaffen für persönlichen Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Haltungen. Ziel ist nicht, andere zu überzeugen, sondern einander zuzuhören, die Gründe für die jeweils andere Meinung zu verstehen, Widerspruch auszuhalten und Respekt zu wahren", heißt es von Veranstalter Jochen Kohlert vom Welcome In! Fulda e.V. über den Hintergrund der Veranstaltung.

Die Kooperationsveranstaltung wird vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" gefördert. Außerdem wurde geboten: Gespräche in Zweiergruppen, ein Vortrag von Marietta Gädeke und Improvisationstheater, welches die Stimmung, Eindrücke und Aussagen des Projekts kreativ auf die Bühne brachte. (Moritz Pappert) +++

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